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(Foto: REUTERS)
Freitag, 27. Oktober 2017

Trump gibt Richtung vor: Was macht der Goldpreis?

Von Benjamin Feingold und Franz-Georg Wenner

Der Goldpreis ist kräftig abgerutscht. Das liegt vor allem an Donald Trump: Er entscheidet über die Nachfolge an der Spitze der US-Notenbank - und will massive Steuersenkungen durchsetzen.

Gold-Fans sind verunsichert. Zwar konnte sich der Goldpreis nach dem Kursrutsch im Anschluss an die jüngste EZB-Sitzung wieder etwas beruhigen. Doch die hohen Zinsen, insbesondere in den USA, lassen die Sorgenfalten größer werden. Bis auf ein Tief von fast 1260 US-Dollar je Feinunze war das Edelmetall abgerutscht, bevor die Stabilisierung einsetzte.

Seit Jahresbeginn kann sich ein Plus von rund zehn Prozent aber noch sehen lassen. Die Renditenachteile nehmen nach dem jüngsten US-Zinsanstieg allerdings zu, weil Gold keine Zinserträge abwirft und Anleger sich bei steigenden Renditen verstärkt nach Anlagealternativen umschauen. Derzeit bieten die zehnjährigen Staatsanleihen eine Rendite von 2,42 Prozent.

Hinzu kommt: Derzeit wird eifrig über die Nachfolge von US-Notenbankchefin Janet Yellen spekuliert. US-Präsident Donald hat einem Medienbericht zufolge entschieden, sie nicht für eine zweite Amtszeit zu nominieren. Als Favorit gilt nun John Taylor, Professor für Volkswirtschaft an der Stanford University - und es wird von vielen Beobachtern angenommen, dass unter Taylor dürften die Zinsen eher stärker angehoben werden als bisher.

Ob Taylor tatsächlich die Notenbank führen wird? Das Problem bei solchen Berichten ist, dass Trump ständig seine Meinung ändert. Und laut der US-Website predictit.org, auf der Kunden auf den Ausgang politscher Ereignisse in den USA wetten können, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Ernennung für Taylor bei lediglich 25 Prozent. Favorit mit 61 Prozent ist hier US-Notenbanker Jerome Powell.

Das Rennen sei längst nicht entschieden, sagt Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets: "Die Neuverschuldung durch Trumps Steuerreform würde zunehmen. Der US-Präsident steckt also in dem Dilemma, einen wie in seinem Wahlkampf geforderten Kurs höherer Zinsen zu unterstützen und zugleich die Steuerreform finanzierbar zu machen."

Wer immer auch nominiert werden sollte, dürfte es allerdings sehr schwer haben, die Zinsen deutlich anzuheben. Immerhin sind die Staatsschulden zuletzt auf den Rekord von 20,44 Billionen Dollar geklettert - das sind herbe 106 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig steigen die Schulden der privaten Haushalte und der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors auf immer neue Spitzenwerte.

Bringt Trump eine Steuerreform durch den Kongress?

Nachdem der republikanisch dominierte Kongress für einen Entwurf der sogenannten Haushaltsresolution gestimmt hatte, ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass Trump bis zum Jahresende eine Steuerreform durchbringen kann. Denn nach der Resolution benötigen künftige Haushaltsbeschlüsse nur noch eine einfache Mehrheit im Senat. Die oppositionellen Demokraten können sie nicht mit einem Filibuster, also Dauerreden, blockieren.

Doch in der Kammer haben die Republikaner eine Mehrheit von lediglich zwei Stimmen. Ein klares Votum für Trump ist daher noch lange nicht ausgemacht. Die deutliche Reduzierung der Steuerlast für Bürger und Unternehmen ist zwar eines von Trumps zentralen Wahlkampfversprechen. Entgegen der Beteuerungen des Präsidenten und der republikanischen Führung, dass die Reform vor allem der Mittelschicht zugute kommen soll, sehen Kritiker darin ein Geschenk für die Reichen. Zudem ist unklar, inwieweit und durch welche Maßnahmen die angekündigten Steuersenkungen gegenfinanziert werden sollen. Damit rückt die Zwei-Stimmen-Mehrheit der Republikaner im Senat schnell in Gefahr.

Hinzu ist innerhalb der Republikaner ein Streit darüber entbrannt, dass die Steuervergünstigungen auf bundesstaatlicher und lokaler Ebene nach den Plänen begrenzt werden sollen. Eine Reihe von republikanischen Abgeordneten aus bevölkerungsreichen Bundesstaaten hatte deshalb im Repräsentantenhaus gegen den Budgetentwurf gestimmt.

Was bedeutet das für den Goldpreis? Sollte sich bei Investoren der Eindruck verstärken, dass Trump tatsächlich mit der Reform scheitern könnte, bekämen die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen und der Dollar deutlich weniger Aufwärtsdruck - und im Gegenzug der Goldpreis weniger Abwärtsdruck.

Außerdem verliert Gold etwas an Glanz als sicherer Anlagehafen und bekommt Konkurrenz durch die Kryptowährungen. Zahlreiche Anleger nutzen handeln Bitcoins & Co immer noch sehr intensiv -  auch weil sie eine Alternative zu Zentralbankgeld sind. Von der Entwicklung der digitalen Währungen dürfte es daher ebenfalls abhängen, ob sich die Stimmung der Gold-Fans weiter verschlechtert.

Quelle: n-tv.de