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Neue Machtbalance am Rohölmarkt: Der Fracking-Boom in den USA spült ein Überangebot in den Handel.
Neue Machtbalance am Rohölmarkt: Der Fracking-Boom in den USA spült ein Überangebot in den Handel.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 11. Dezember 2018

Bewegung bei den Rohstoffen: Russland drosselt den Öl-Export

Die Mengen sind überschaubar, für die Opec-Staaten ist es jedoch ein wichtiges Signal: Moskau will die vereinbarten Förderkürzungen bereits ab kommenden Monat umsetzen. Die Maßnahme soll dazu beitragen, den Ölpreis vor dem Absturz zu bewahren.

Russland will bei der vereinbarten Drosselung der Ölproduktion zwischen den Opec-Staaten und weiteren großen Förderländern schrittweise vorgehen. Im Januar werde der Ölausstoß um mindestens 50.000 bis 60.000 Barrel pro Tag zurückgefahren, kündigte Energieminister Alexander Nowak an.

Die 15 Staaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hatten sich Ende vergangener Woche mit wichtigen Partnerländern wie Russland darauf verständigt, die Ölproduktion ab Januar 2019 um zusammen 1,2 Millionen Barrel pro Tag zu drosseln. Dabei soll das Ölkartell seine tägliche Fördermenge um 800.000 Barrel verringern, Nicht-Opec-Staaten sollen weitere 400.000 Barrel pro Tag beisteuern.

Die Maßnahmen zielen darauf ab, den Ölpreis zu stabilisieren: Ansatzpunkt ist dabei eine künstliche Verknappung des Angebots, wie sie vor dem Wochenende im Rahmen der "Opec+", einem Zusammenschluss des Ölkartells mit weiteren wichtigen Förderstaaten, vereinbart worden war. Die Notierungen am Rohölmarkt sind seit Oktober um fast ein Drittel eingebrochen, was vor allem auf eine sinkende Nachfrage am Weltmarkt bei gleichzeitig bestehendem Überangebot zurückgeht.

Ein fallender Ölpreis trifft die Förderländer hart: In vielen Schwellenstaaten bilden die Einnahmen aus dem Rohölexport die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle. Brechen die Erträge aus dem Ölgeschäft weg, fehlen in vielen Staatshaushalten die Mittel, um die teils umfangreich subventionierten Sprit- und Lebensmittelpreise zu finanzieren.

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Kurzfristig können sich Opec-Staaten wie Venezuela durch Hilfszahlungen oder Kredite stabilisieren. In dem rohstoffreichen Land in Südamerika hat die wirtschaftliche Lage allerdings längst katastrophale Ausmaße angenommen.  Langfristig, so heißt es, könnte durch Einbrüche bei den Öleinnahmen auch der soziale Friede in autoritär regierten Ländern wie Saudi-Arabien in Gefahr geraten.

Scharfer Preisverfall am Ölmarkt

Im internationalen Rohstoffhandel hatten sich die Preise für Rohöl am Morgen zunächst nur wenig bewegt. Beobachter verwiesen auf die Zweifel am Markt, ob die schwindende Marktmacht des Ölförderkartells ausreicht, die Entwicklung am Markt in ausreichendem Maß zu stützen.

Während die Opec gemeinsam mit Russland versucht, die Ölpreise durch eine geringere Förderung zu stabilisieren, läuft die Produktion in den USA nach wie vor auf Rekordniveau. Am Ölmarkt ist bereits von Plänen die Rede, wonach die amerikanischen Ölfirmen ihre Fördermenge 2019 offenbar weiter ausweiten wollen.

Nachdem die Ölpreise am Freitag noch deutlich gestiegen waren, hatten Händler zu Wochenbeginn eine deutliche Gegenbewegung nach unten verzeichnet. Im frühen Geschäft am Dienstag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 59,98 Dollar. Das war etwa 1 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für US-Rohöl der Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um drei Cent auf 51,03 Dollar.

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Quelle: n-tv.de