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Der Schweinezyklus ist am Rohstoffmarkt ein alter Bekannter. Er bezeichnet eine periodische Schwankung auf dem Angebotsmarkt. Beispiel: Wenn der Preis für  Schweinefleisch hoch ist, wird mehr gezüchtet. Zeitverzögert entsteht dann ein Überangebot, die Preise fallen.
Der Schweinezyklus ist am Rohstoffmarkt ein alter Bekannter. Er bezeichnet eine periodische Schwankung auf dem Angebotsmarkt. Beispiel: Wenn der Preis für Schweinefleisch hoch ist, wird mehr gezüchtet. Zeitverzögert entsteht dann ein Überangebot, die Preise fallen.(Foto: Reuters)
Mittwoch, 18. November 2015

Anleger sehen übertrieben schwarz: Ölpreis im Schweinezyklus

Von Benjamin Feingold

Der Ölpreis nimmt die Mehrjahrestiefs ins Visier. Es gibt durchaus gute Gründe für eine Fortsetzung der Talfahrt. Vorausschauende Anleger kennen aber den üblichen Schweinezyklus in dem Sektor und beginnen, auf eine Trendwende bei der Notierung des Rohstoffs zu setzen.

Kräftiger Verkaufsdruck auf den Ölpreis: Verantwortlich waren zuletzt die jüngsten Daten zu den US-Öllagervorräten. Sie sind in der vergangenen Handelswoche um 4,2 Millionen Barrel und damit viel stärker als erwartet gestiegen. Für zusätzlichen Druck sorgten die Aussagen von James Bullard, dem Chef der US-Notenbank von St. Louis. Laut Bullard könnten die USA und andere Industrienationen in eine Ära der permanent niedrigen Inflation und niedrigen Zinsen eintreten. Das kann nur bedeuten, dass die Wirtschaft schwach bleiben wird, denn wenn sie brummen würde, würde sich die Inflation deutlich beschleunigen. Eine schwache Wirtschaft bedeutet aber, dass die Nachfrage nach Öl gedämpft wird.

Der Ölpreis kommt damit von zwei Seiten unter Druck: Einerseits wird das Wachstum der Weltwirtschaft zusehends geringer, weil die Konjunkturflaute in China verstärkt auf die anderen Länder aus den Emerging Markets und andere Exportabhängige Volkswirtschaften, wie Deutschland, durchschlägt. Gleichzeitig steigt das Ölangebot weiter, weil vor allem die Organisation erdölexportierender Länder (kurz OPEC) die Produktion deutlich erhöht, womit es ein enormes Überangebot am Markt gibt.

"Laut den Berechnungen der OPEC liegen die Lagervorräte in den Industriestaaten derzeit um 210 Millionen Barrel über dem Fünf-Jahres-Schnitt", erklärt Christian Henke, Analyst beim CFD- und Aktienbroker IG. Der Öl-Überschuss ist damit noch größer als im ersten Quartal 2009 während der damaligen Finanzkrise. Und der Nachschub an Öl fließt kräftig weiter. Zuletzt hat der Irak zehn Schiffe mit einer Fracht von 19 Millionen Barrel Öl auf den Weg in die US-Häfen geschickt. Das wäre der höchste US-Import von irakischem Öl seit Juni 2012. Das Land ist jenes unter den zwölf OPEC-Staaten, das die Produktion derzeit am stärksten steigert. Gleichzeitig hat der Iran angekündigt, nach dem möglichen Ende der Sanktionen im Dezember die Förderung zügig um 500.000 bis 1.000.000 Barrel pro Tag zu steigern.

Spekulanten setzen auf Trendwende

Die weltweiten Ölmultis steuern zusehends dagegen und kürzen ihre Investitionen. Das sollte die Förderung in den nächsten Jahren dämpfen und damit allmählich zu einer Trendwende beim Ölpreis führen. "Unsere Analysen ergeben, dass die Kürzung der Investitionsausgaben in der globalen Ölindustrie in Kombination mit der sinkenden Anzahl an US-Bohranlagen zu einem knapperen Angebot führen und somit den Ölpreis, ausgehend von dem aktuellen Niveau, unterstützen dürften", schrieben die Analysten der Londoner Investmentfirma Barings Asset Management zuletzt. "Die Märkte beziehen eine zukünftige Erholung des Ölpreises oder eine Verbesserung von Erträgen der Ölindustrie nicht mit ein. Das ist unseres Erachtens übermäßig pessimistisch."

Die ersten Investoren haben bereits begonnen, auf eine Trendwende beim Ölpreis zu spekulieren. So ist die Netto-Long-Positionen für die US-Sorte WTI in der Handelswoche, die am 3. November endete, um 20 Prozent auf 172.052 Futures und Optionen nach oben geschossen. Die Netto-Long-Position wird berechnet, wenn man von der Zahl der Futures und Optionen auf steigende Kurs (Long) jene auf fallende Kurse (Short) abzieht. Wer nicht gleich mit Futures in die Vollen gehen will, kann mit Discount-Zertifikaten einen vorsichtigeren Ölpreiseinstieg wagen. Mit dem Kauf des währungsgesicherten Papiers mit der WKN CR52DF erwerben Anleger den Ölpreis, hier Brent-Öl, mit einem Discount. Gleichzeitig partizipieren Käufer mit dem Discount-Zertifikat nur bis zum Höchstbetrag von 50 US-Dollar von einem Ölpreisanstieg, der eine maximale Renditechance von 11,2 Prozent bis zur Fälligkeit im April 2016 bedeutet. Verluste entstehen derzeit bei Kursen von 44,91 US-Dollar oder tiefer. Mutigere Öl-Optimisten kaufen einen Discount-Optionsschein, etwa die WKN PS8V02. Auch hier ist die Gewinnentwicklung begrenzt, aktuell beträgt die maximale Renditechance bis zur Fälligkeit im April 2016 bei 23,5 Prozent, Verluste entstehen unterhalb von 44,05 US-Dollar.

Saudi-Arabien will Marktanteile gewinnen

Große Bedeutung kommt dem OPEC-Treffen am 4. Dezember in Wien zu. Bislang hat Saudi-Arabien immer daran festgehalten, den eigenen Marktanteil am Weltmarkt zu erhöhen und dafür niedrigere Preise in Kauf genommen. Das hat vor allem Mitbewerbern mit hohen Förderkosten geschadet, die dann ihre Produktion drosseln mussten. Allerdings belasten die niedrigen Notierungen des Rohstoffs auch Saudi-Arabien enorm, steigt doch das Haushaltsdefizit stark an. Wichtig wäre daher ein Signal Saudi-Arabiens gegebenenfalls die eigene Produktion zu kürzen, damit der Markt das zusätzliche Angebot aufnehmen kann, ohne dass es zu weiteren Preisrückschlägen kommt.

Kurzfristig könnte es daher zu einer Fortsetzung der Konsolidierung der Ölpreise kommen. Weil die kräftige Kürzung der Investitionen der Ölmultis mittelfristig aber die Förderung dämpfen dürfte, sollten sich die Perspektiven für den Sektor aufhellen. Mutige Anleger, die steigende Ölpreise erwarten, können alternativ Knock-out-Papiere mit moderatem Hebel auswählen, etwa die WKN CC9DW0 (Hebel: 3,2).

Disclaimer

Dieser Betrag stellt keinerlei Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. 

Quelle: n-tv.de