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(Foto: REUTERS)
Samstag, 23. Februar 2019

Preis steigt deutlich: Notenbanken im Goldrausch

Von Daniel Saurenz

Der Goldpreis befindet sich seit mehreren Jahren in einem Abwärtstrend. Nun startet das Edelmetall mit Hilfe der Notenbanken einen erneuten Erholungsversuch - und es könnte weiter nach oben gehen.

Der Goldpreis kommt ins Rollen und steigt in knapp sechs Monaten um mehr als zehn Prozent, rund 1320 US-Dolllar kostet derzeit eine Unze. Einer der Treiber hinter dieser Kursentwicklung sind die Notenbanken, die sich auf Gold als Reservewährung besinnen und wieder als starke Käufergruppe in Erscheinung getreten sind: Sie haben im vergangenen Jahr so viel Gold gekauft wie seit Anfang der 1970er Jahre nicht mehr, als noch der Goldstandard unter den Zentralbanken galt. Bei diesem Währungssystem konnten Banknoten jederzeit in Gold umgetauscht werden, das als stabile Währung angesehen wurde. Entsprechend hoch waren die Goldumsätze damals.

Das gelbe Edelmetall dient immer noch als sicherer Anlagehafen, auch wenn er in den vergangenen Jahren nur temporär als solcher genutzt wurde. Seit dem Rekordhoch bei mehr als 1900 US-Dollar im Spätsommer 2011 ging es nämlich überwiegend bergab. Das Krisenszenario einer kräftig steigenden Inflation, weil die Notenbanken nach der Finanzkrise die Wirtschaft mit Geld geflutet haben, um einen konjunkturellen Kollaps zu verhindern, hat sich in den nachfolgenden Jahren nicht bestätigt. Gold war daher als Inflationsschutz nicht gefragt und auch im Vergleich zu den kräftig steigenden Aktienmärkten keine Anlagealternative. Schutz vor Inflation bietet Gold, weil die Notenbanken - im Gegensatz zum Papiergeld – das Angebot nicht einfach erhöhen können. Das Goldangebot ist begrenzt.

Nach der jahrelangen Durststrecke schöpfen Gold-Anhänger aber wieder Hoffnung, denn die Feinunze ist schon lange nicht mehr so kräftig angesprungen wie in den vergangenen Monaten. Gold hat einerseits als Krisenwährung wieder an Bedeutung gewonnen, denn der Handelsstreit zwischen China und den USA, ein drohender ungeregelter Brexit, der wieder aufkeimende Ost-West Konflikt mit Russland oder die wirtschaftliche Abschwächung in Europa verunsichern Anleger.

Immer mehr Notenbanken kaufen Gold

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Andererseits haben die weltweiten Notenbanken Gold wiederentdeckt, wie Hans-Günter Ritter, Leiter Global Trading Heraeus Precious Metals, erklärt: "Da Gold eine nützliche Diversifikation in den Währungsreserven darstellt, ist davon auszugehen, dass die Zentralbanken ihre Goldkäufe in diesem Jahr fortsetzen." Zentralbanken können also ihre Reserven breiter streuen, gehören aber ohnehin mit einem Gesamtbestand von mehr als 30.000 Tonnen zu den größten Goldeigentümern der Welt.

Ein Grund für diesen Trend sind die politischen Entwicklungen: In ihrer jährlichen Umfrage unter Notenbankern hat die UBS nach den größten Gefahren für die Weltwirtschaft gefragt. Als Antwort wurden neben Handelskonflikten auch die aktuellen politischen Entwicklungen in Europa und den USA genannt. Gleichzeitig gaben die Notenbanken an, Gold als Absicherung zu ihren riskanteren Geldanlagen halten zu wollen. Schließlich haben Notenbanken in den zurückliegenden Jahren immer mehr Anlagen wie etwa Aktien, Unternehmensanleihen oder Immobilien gekauft.

Russland, Kasachstan und die Türkei gehören zu den beständigsten Käufern, die regelmäßig monatliche Einkäufe tätigen. Im vergangenen Jahr kauften aber auch zuvor inaktive Zentralbanken Gold, darunter Polen, Ungarn und Indien. Ende des Jahres hat sich mit China auch eine größere Notenbank zum Goldkauf entschlossen und im Dezember und Januar die Bestände ausgebaut. Mehr als zwei Jahre lang waren die Chinesen am Goldmarkt nicht sonderlich aktiv.

Aufgrund der Spannungen mit den USA sind China aber auch Russland an Zentralbankreserven interessiert, die frei von politischen Risiken sind. Das ist bei der Weltleitwährung US-Dollar oder bei amerikanischen Staatsanleihen, die zahlreiche Notenbanken ebenfalls als Reserven halten, nicht der Fall. Die Goldkäufe sind daher auch als eine politische Antwort der Notenbanken zu verstehen, sich vom US-Dollar ein Stück weit zu lösen und sich mit Devisen- und sonstigen Reserven breiter aufzustellen. Darunter würde der Dollar stärker leiden, was aber den Goldpreis weiter beflügelt, die sich häufig konträr zueinander entwickeln. Die Notenbanken bereiten sich auf ein neues Goldzeitalter vor.

Quelle: n-tv.de