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Die niedrigen Zinsen waren für Häuslebauer waren immer das Argument zuzuschlagen.
Die niedrigen Zinsen waren für Häuslebauer waren immer das Argument zuzuschlagen.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 14. Februar 2018

Häuslebauer aufgepasst: Wenn die Zinsparty vorbei ist

Von Benjamin Feingold und Franz-Georg Wenner

Die Immobilienpreise in Deutschland sind enorm gestiegen. Aber die Tage der Niedrigzinsen, die das möglich gemacht haben, sind gezählt. Damit droht nicht nur Immobilienkäufern, sondern auch Aktionären Ungemach.

Bei den leidgeprüften Sparern in Deutschland keimt Hoffnung auf: Nach der jahrelangen Niedrigzinsphase scheint es eine Trendwende nach oben zu geben. Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen sind im Vergleich zu Mitte Dezember von 0,3 Prozent auf 0,74 Prozent um mehr als das Doppelte gestiegen. Das ist eine enorme Bewegung in so kurzer Zeit.

Investoren dagegen sind verunsichert, wie Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers, erklärt: "Verantwortlich für den Zinssprung hierzulande sind die kräftig steigenden US-Zinsen. Investoren fürchten insbesondere zwei Dinge: erstens die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump und die dadurch steigende Staatsverschuldung sowie zweitens die steigenden Löhne, die über kurz oder lang eine ansteigende Inflation bedingen."

Das Timing ist ungünstig: Die anstehende Neuverschuldung in den USA ist geplant, während die US-Notenbank Fed gleichzeitig versucht, ihre Bilanzsumme durch den Verkauf von Papieren abzubauen. Das heißt, Investoren sollen nicht nur das neue Staatsanleihen-Angebot im Zuge der Steuerreform aufsaugen, sondern auch noch jene Papiere, die die Fed veräußern will. Es ist eine Kombination, die nicht nur in den USA für steigende Zinsen, sondern weltweit für einen Zinsschub sorgt.

Vonovia im Rampenlicht

Nicht nur den lange verwöhnten Immobilienmarkt, sondern auch Immobilienaktien bringen die steigenden Zinsen in Bedrängnis. Im Niedrigzinsumfeld floss viel Geld in den Immobilienmarkt, die Preise kletterten. Ein Beispiel veranschaulicht es: Der Wert des Portfolios des größten Immobilienkonzerns Deutschlands, Vonovia, kletterte in den ersten drei Quartalen 2017 um stattliche 3,8 Milliarden auf 30,9 Milliarden Euro.

Die Zinswende bringt die Aktie unter Druck: Gegenüber dem Rekordhoch vom 8. Januar 2018 ist das Papier mittlerweile um 14 Prozent eingeknickt - deutlich stärker als der Dax, der 8,3 Prozent nachgegeben hat. Anleger, die ihre Positionen in der Aktie absichern wollen, sollten einen Knock-out-Bear einsetzen, der von fallenden Vonovia-Kursen profitiert - etwa die WKN CQ3EQ6 oder die WKN CQ3HQN.

Die Entwicklung der Vonovia-Aktie sollte auch ein Warnsignal für Häuslebauer sein, denn auch für sie bedeuten steigende Zinsen Ungemach. Die Zinsen für Hypotheken mit zehnjähriger Zinsfestschreibung sind zuletzt auf 1,5 Prozent gestiegen. Zwar liegen sie damit immer noch nicht weit entfernt vom Rekordtief vom Herbst 2016 bei 1,1 Prozent. Aber sollten die Zinsen kräftig zulegen, wird die Belastung für Immobilienbesitzer umso größer.

Wie es am Zinsmarkt weitergeht? "Das hängt neben den US-Zinsen zwar auch von dem Anleihenkaufprogramm der EZB ab. Die entscheidenden Impulse bei der Rendite könnten künftig aber klar aus den USA kommen", sagt Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst beim britischen Broker ActivTrades.

Einfaches Rechenbeispiel

Die Rechnung für Hausbesitzer ist einfach: Bei einem Darlehen von 200.000 Euro bedeutet ein möglicher Zinsanstieg um lediglich 0,5 Prozentpunkte zusätzliche Zinsbelastungen von 1000 Euro pro Jahr. Wer von höheren Zinsen ausgeht, sollte sich daher beim Abschluss eines Darlehens überlegen, eine längere Laufzeit zu wählen oder als Hypothekenschuldner, dessen Kredit bald ausläuft, ein Forward-Darlehen abzuschließen.

Damit sichern sich Kreditnehmer gegen einen Aufschlag die jetzigen Zinsen für eine längere Zeit ab und verringern das Zinsänderungsrisiko. Dann kann man ruhig schlafen und muss sich keine Gedanken machen, welches Loch ein möglicher Zinssprung in die Haushaltskasse reißen könnte.

Quelle: n-tv.de