Startseite
Wie geht es an den US-Börsen weiter?
Wie geht es an den US-Börsen weiter?(Foto: REUTERS)
Dienstag, 21. August 2018

Hohe Zinsen: US-Aktien sind interessant

Ein Gastbeitrag von Stefan Eberhardt

Selten war die Differenz zwischen den Zinsen in den Vereinigten Staaten und denen in anderen Ländern so groß wie zurzeit. Trotz der damit verbundenen Risiken sollten Anleger auch auf US-Aktien setzen.

In den USA rentieren Staatsanleihen mit einer zehnjährigen Restlaufzeit derzeit mit 2,9 Prozent. Entsprechende deutsche Bundesanleihen kommen dagegen nur auf eine Verzinsung von 0,3 Prozent. Der Renditeabstand von 2,6 Prozentpunkten ist ungewöhnlich groß und könnte sich weiter vergrößern.

Denn die amerikanische Notenbank Fed hat schon vor Längerem damit begonnen, die Leitzinsen zu erhöhen. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) werden entsprechende Maßnahmen nicht vor Mitte 2019 erwartet. Auch das deutlich stärkere Wachstum der amerikanischen Wirtschaft spricht für weiter steigende US-Zinsen.

Sollte die Entwicklung mittelfristig anhalten, wäre das für die verschiedenen Volkswirtschaften sowie die Kapitalmärkte gefährlich und könnte teils dramatische Folgen nach sich ziehen. Schon heute führt die Zinsdifferenz dazu, dass Euro-Anleihen verkauft und US-Anleihen gekauft werden. Abzulesen ist diese Nachfrageverschiebung an den Wechselkursen. Gegenüber dem Euro hat der US-Dollar in den zurückliegenden sechs Monaten um fast acht Prozent zugelegt. Noch gefährlicher sind die Mittelabflüsse aus den Schwellenländern, weil diese dadurch destabilisiert werden könnten.

Höhere Zinsen können auch für Aktien gefährlich werden. Denn dann werden Anleihen im Vergleich zu Aktien attraktiver. Allerdings liegen die Dividenden von US-Aktien bislang meistens noch über den Renditen von Anleihen. Das gilt vor allem, wenn man auch die in den USA so beliebten Akteinrückkaufprogramme mit einrechnet.

Ändert sich das, schichten Anleger jedoch vermehrt in vermeintlich sicherere Anleihen um und die Aktienkurse fallen – und zwar global, nicht nur in den USA.

Hypothekenkrise 2.0

Brenzlig könnte es auch für US-Immobilien werden. Denn steigende Zinsen verteuern fremdfinanzierte Investments. Es wird weniger gebaut und weniger gekauft. Die Immobilienpreise können fallen. Für auslaufende Kredite, die nachfinanziert werden müssen, erhöht sich der Zins und damit die Belastung der Schuldner. Können sich diese die höheren Zinsen nicht leisten, müssen sie verkaufen. Das gilt auch für laufende Hypothekendarlehen ohne Zinsbindung, was in den Vereinigten Staaten nicht unüblich ist. Eine neue Hypothekenkrise wäre nicht auszuschließen.

Auch Gold und andere Edelmetalle leiden unter höheren Zinsen, da sie weder diese noch Dividenden abwerfen. Ist das Zinsniveau attraktiv führt das zum Verkauf von Edelmetallen beziehungsweise einer Umschichtung in US-Bonds. Das ist bereits der Fall. Gold hat seit Mitte April mehr als zwölf Prozent an Wert verloren und ist zuletzt sogar unter die Marke von 1200 Dollar gerutscht.

Schließlich gibt es die Gefahr sogenannter Carrytrades: Hier verschulden sich Investoren beispielsweise in Euro, um Wertpapiere - vor allem Anleihen - in Dollar zu kaufen. Dies funktioniert, solange der Dollar steigt oder unverändert notiert. Sollte es kurzfristig jedoch zu starken Wechselkursveränderungen kommen, müssen die Investoren die Papiere verkaufen. Dadurch werden Währungsschwankungen nochmals verstärkt. Starke Veränderungen der Devisenkurse sind immer ein Risiko für die Weltwirtschaft.

Blaupause Türkei

Was Verwerfungen an den Währungsmärkten verursachen können, sieht man aktuell in der Türkei. Hier ist eine gesamte Volkswirtschaft in Gefahr - mit Auswirkungen auf die ganze Welt. Allerdings sind hier die Ursachen weitgehend politischer Natur. Trotzdem war es für Anleger selten so entscheidend wie heute, die US-Zinsen sowie die Wechselkurse im Blick zu haben. Im aktuellen Umfeld sind US-Anleihen deshalb nur als Depotbeimischung geeignet. Denn wenn die US-Zinsen weiter steigen, fallen die entsprechenden Anleihekurse.

Aussichtsreicher sind amerikanische Aktiengesellschaften. Auch wenn deren Exporte tendenziell unter einem steigenden US-Dollar leiden, scheinen diese weiterhin interessant – insbesondere im Bereich der innovativen Sektoren wie künstliche Intelligenz, Automatisierung und Digitalisierung. Hier liefern die entsprechenden Unternehmen überdurchschnittliche Gewinnsteigerungen. Dasselbe gilt für ihre Aktienkurse. Maximal 25 Prozent des Depots über sämtliche Anlageklassen verteilt sollten in diesem Währungsraum jedoch dauerhaft nicht überschritten werden.

Stefan Eberhardt ist Leiter des Portfoliomanagements der Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung. Außerdem ist der Finanzexperte nebenberuflich als Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg tätig.

Disclaimer

Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben. www.e-cie.de

Quelle: n-tv.de