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Dienstag, 25. April 2017

Aktien sind reif für Korrektur: Stockpicker agieren jetzt am besten

Ein Gastbeitrag von Thomas Wukonigg

Über den US-Börsen verdunkelt sich der Himmel. Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung in den USA mehren sich. Eine mögliche Aktien-Korrektur sollten Anleger zum günstigen Einstieg nutzen.

In den USA ist die Stimmung der Anleger deutlich besser als die tatsächliche Lage. Die amerikanischen Automobilhersteller wie Ford oder GM vermelden nichts Gutes: Rückläufige Autoverkäufe lassen die Lagerbestände steigen, hohe Rabatte vermasseln die Gewinnmargen und die Autofinanzierungen werden mit immer längeren Laufzeiten verkauft. Eine gesunde Industrie sieht anders aus.

Gleichzeitig gibt es bei den Auto- und Studentenkrediten steigende Ausfallraten. Schließlich sind die Zinsen von amerikanischen Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit wieder von 2,6 auf 2,3 Prozent gefallen. Das wiederum belastet die Geschäfte der Banken.

Thomas Wukonigg verantwortet bei der Wamsler & Co. Vermögensverwaltung u.a. das Portfoliomanagement. Der Bankkaufmann verfügt über 28 Jahre Berufserfahrung.
Thomas Wukonigg verantwortet bei der Wamsler & Co. Vermögensverwaltung u.a. das Portfoliomanagement. Der Bankkaufmann verfügt über 28 Jahre Berufserfahrung.

Grund für die rückläufigen Renditen sind wachsende Zweifel, ob das von Donald Trump großmündig angekündigte eine Billion Dollar schwere Infrastrukturprogramm tatsächlich bald und in vollem Umfang auch kommt. Damit sinken die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum und die Inflation. Vor diesem Hintergrund könnte das Umschwenken der US-Notenbank auf eine restriktivere Geldpolitik genau zum falschen Zeitpunkt erfolgen. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Fed eine Börsenhausse beendet.

In den ersten Wochen nach der Trump-Wahl ist der Dow Jones um mehr als 15 Prozent gestiegen. Seit Anfang März läuft die Wall Street aber nur noch seitwärts beziehungsweise sogar leicht bergab. Die Euphorie über die Wahl des Bauunternehmers zum neuen US-Präsidenten hat sich an den Börsen zumindest deutlich abgekühlt. Nicht nur das Infrastruktur-Programm, sondern auch die angekündigten Steuersenkungen werden wohl kaum vor 2018 starten. Und ob Trump seine Maßnahmen wie geplant durch den Kongress bekommt, scheint fraglich.

Anleger unterschätzen Risiken

Trotz der aufziehenden dunklen Wolken bewegen sich die Volatilitätsindizes - auch Angstbarometer genannt - auf einem ungewöhnlich niedrigen Niveau. Das bedeutet, dass die Börsianer derzeit mögliche Risiken weitgehend ignorieren. Von denen gibt es jedoch mehr als genug.

Neben der möglichen Konjunkturabkühlung in den USA zählen dazu sicherlich auch politische und geopolitische Brandherde: Frankreich und Italien könnten sich nach entsprechenden Wahlausgängen von Europa verabschieden, die Türkei könnte den Flüchtlingspakt kündigen, der Krieg in Syrien findet kein Ende und in Nordkorea regiert weiterhin ein politischer Amokläufer. Außerdem droht Trump weiter mit Strafzöllen und Einreisebeschränkungen, was Störfeuer für die Weltwirtschaft bedeutet. Schließlich ist die Zeit zwischen Mai und September für die Aktienmärkte häufig sowieso die schlechteste Börsenphase des Jahres.

Korrektur oder Konsolidierung?

Statt zu einer eigentlich gesunden Korrektur kann es jedoch auch zu einer mühseligen Seitwärtskonsolidierung kommen, in der die Kurse keine klare Richtung einschlagen. Denn die genannten finden Risiken zwar kaum Beachtung, sie sind aber alle hinlänglich bekannt. Außerdem sprechen die mangelnde Euphorie der Anleger und ihre hohen Cashbestände gegen eine scharfe Abwärtsbewegung. In solchen Seitwärtsphasen kommt es vor allem auf die richtige Auswahl der Einzeltitel an. Das ist die Zeit für Stockpicker.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen gilt es, Sondersituationen zu identifizieren und zu nutzen. Diese können sich zum Beispiel aus M&A-Aktivitäten ergeben, bei denen die übernehmenden Unternehmen für ihre Zielobjekte Aufgelder von 20 bis 30 Prozent oder teilweise noch mehr zahlen. Andere Gelegenheiten ergeben sich aus Kurseinbrüchen, bei denen einzelne Aktiengesellschaften aufgrund enttäuschter Erwartungen über Gebühr abgestraft werden. Zuletzt sorgten zum Beispiel bei Leoni ein Betrugsskandal und bei Dialog Semiconductor Zweifel am Kunden Apple für deutlich fallende Kurse, die sich auch als Einstiegsgelegenheiten begreifen lassen.

Anlegern, denen das Stockpicking zu zeitaufwendig und zu risikoreich ist, können auch erst einmal an die Seitenlinie treten und warten, bis die genannten Themen zumindest teilweise abgearbeitet sind. Dann dürften die Kurse auch in der breite wieder Unterstützung bekommen, denn mittel- bis langfristig stimmt das Umfeld für Aktien. Wenn die Märkte vorher doch noch korrigieren, umso besser: Dann befinden sich die Einstiegkurse wieder auf einem vernünftigen Niveau.

Disclaimer

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Quelle: n-tv.de