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Warren Buffett
Warren Buffett(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Freitag, 11. Mai 2018

Billig einkaufen: So ist Warren Buffett reich geworden

Von Benjamin Feingold

Der Finanzmarkt ohne Warren Buffett ist wie Entenhausen ohne Dagobert Duck. Wie hat der Finanzguru seinen Geldspeicher bloß so voll bekommen?

Mit 87 Jahren ist Warren Buffett für Investoren eine lebende Legende. Immer wieder gelingt es ihm, dass sich sein Investmentvehikel Berkshire Hathaway sehr viel besser entwickelt als die Börse, den marktbreiten US-Leitindex S&P500 hat er sowohl kurz- als auch langfristig outperformt.

Sein Vermögen beträgt aktuell rund 82 Milliarden US-Dollar, Buffett ist hinter Jeff Bezos und Bill Gates der drittreichste Mensch der Welt. Seine Erfolgs- und Anlageprinzipien sind also keineswegs altmodisch, auch wenn er schon in den 1950er Jahren mit seinen Anlagepraktiken die Märkte um Längen übertraf. In seinem wertorientierten Ansatz packt er Anlageerfolg in das Wort "Sicherheitsmarge" und zwei Ratschläge.

Ausgangspunkt seiner Strategie ist, auf eine ausreichende Sicherheitsmarge zu achten - also in Unternehmen zu investieren, die weniger kosten als sie wert sind. "Ob wir über Socken oder über Aktien reden. Ich mag es, Dinge zu kaufen, wenn sie heruntergesetzt sind", so Buffett. Es geht ihm darum, werthaltige, substanzstarke Unternehmen zu finden und sie zu einem Abschlag zu kaufen. Ziel ist also nicht, teuer zu verkaufen, sondern billig einzukaufen.

Buffet warnt aber davor, auf der Suche nach Schnäppchen auf Extreme zu lauern. Sein Rat: Lieber für ein gut aufgestelltes Unternehmen einen angemessenen Betrag zahlen als wenig Geld in ein nur durchschnittliches Unternehmen stecken.

Während der Finanzkrise ergab sich bei der gebeutelten Investmentbank Goldman Sachs eine solch günstige Einstiegsgelegenheit, in ein gut aufgestelltes Unternehmen zu investieren und die Sicherheitsmarge einhalten zu können. Konkret hat Buffett diesen Sicherheitsabstand allerdings nie beziffert.

Wassergräben gesucht

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Konkret wird Buffett anderswo: Statt vermeintlichen Geheimtipps hinterherzujagen, fokussiert er sich auf traditionelle Unternehmen, deren Geschäftsmodell er versteht und von deren Zukunftsaussichten er überzeugt ist. In seinem Portfolio finden sich Finanz- und Versicherungsunternehmen wie etwa die Münchener Rück oder Wells Fargo, Eisenbahnfirmen oder Coca-Cola. Technologiefirmen hat er dagegen lange gemieden - doch jüngst hat er seine Liebe zu Apple entdeckt.

Buffett erklärt diese von ihm als "fokussierte Investition" bezeichnete Methode so: "Wir versuchen, in wenige kerngesunde Unternehmen zu investieren, die von ehrlichen und fähigen Menschen zu einem vernünftigen Preis geführt werden." Das sind vor allem Unternehmen, die sich wirksam vor Konkurrenten abschotten und technologischen Angriffen über Jahre hinweg standhalten, etwa durch hohe Eintrittsbarrieren oder große Markenstärke. Buffett nennt diese Merkmale "Wassergräben", wie sie zum Schutz von mittelalterlichen Burgen bekannt sind. Ein so geschütztes Unternehmen ist Apple, einer der wenigen Technologie-Investments von Buffett. Vor allem die hohe Profitabilität überzeugt ihn. Erst vor kurzem hat er seinen Bestand aufgestockt, Apple ist mit fast 20 Prozent der größte Anteil seiner Unternehmensbeteiligungen.

Buffett empfiehlt Anlegern, nur das zu kaufen, was sie kennen - und dabei ihre Grenzen nicht zu überschreiten. Wer Firmenwert, Manager und Geschäftsstrategien nicht beurteilen könne, sollte lieber in preiswerte Indexfonds (ETFs) investieren. Das sind Fonds, die lediglich einen Index wie den S&P 500 oder den Dax nachbilden. Das sei im Nach-Kosten-Ergebnis besser, als das, was viele Profis bieten.

Bitcoin ist eines der Dinge, die Buffet nicht versteht und weshalb er die Finger von Kryptowährungen lässt. Dass er damit auch riesige Chancen liegen lässt, zeigte sich, als der Bitcoin-Kurs im vergangenen Jahr ein Kursplus von 1000 Prozent verzeichnete. Doch Buffett geht es um langfristige Investitionen: "Eine Aktie die man nicht zehn Jahre zu halten bereit ist, darf man auch nicht zehn Minuten besitzen."

Der nach der Rallye einsetzende tiefe Fall des Bitcoins gab dem "Orakel von Omaha" recht. Und wie wird man reich? Buffetts Antwort: "Kaufe einen Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cent dafür."

Quelle: n-tv.de