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Samstag, 26. Januar 2019

Problemlos weltweit anlegen : So investieren Sie krisensicher

Von Benjamin Feingold

Risiko streuen, Chancen wahrnehmen: Für Anleger lohnt es sich über den deutschen Tellerrand zu schauen. Doch was heißt das konkret?

Das letzte Jahr hat es wieder einmal gezeigt: Internationale Investments haben den deutschen Leitindex Dax deutlich geschlagen. Das heimische Börsenbarometer war mit einem Minus von fast 20 Prozent einer der schwächsten Indizes weltweit - auch wenn zahlreiche andere das Jahr 2018 ebenfalls mit einem Verlust abgeschlossen haben. Doch deren Abschläge fielen teilweise deutlich geringer aus als beim Dax.

Ein positiver Ausreißer war Brasiliens Leitindex Bovespa mit einem Plus von rund 17 Prozent. Allerdings: In Euro umgerechnet verlor der türkische ISE 100 fast 43 Prozent und der argentinische Merval-Index gab rund 37 Prozent nach. Die politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen haben dazu geführt, dass Investoren reichlich Kapital aus diesen Ländern abgezogen haben und die Währung daraufhin einbrach.

Dennoch gilt: Auch wenn das Risiko in Schwellenländern für gewöhnlich deutlich größer ist als bei Aktienmärkten der Industrienationen - weil sie stärker schwanken -, gehören Schwellenländer in jedes gut strukturierte Depot. Das belegten zuletzt auch die Strategien der Profis, wie ein Blick auf die sogenannten ETFs zeigt.

Hinter diesem Kürzel verbergen sich Exchange Traded Funds, also börsengehandelte Indexfonds, die stur die Wertentwicklung eines Indices, beispielsweise des Dax, abbilden. Da es keine Managementgebühren gibt, sind sie in der Regel deutlich billiger als aktiv betreute Fonds. Gehandelt werden ETFs von zahlreichen institutionellen Anlegern.

Nachhaltigkeit als Alternative

ETFs sind auch für Privatanleger interessant - nicht nur wegen der geringen Gebühren. Mit einer Investition kann ein gesamter Markt abgedeckt werden, und Anleger müssen nicht mit dem Kauf von Einzelaktien Branchen- und Länderinvestments abdecken. Als Basisinvestition für ein breit ausgerichtetes Portfolio eignet sich ein ETF auf den MSCI World - ein Index, der die Aktien mit dem höchsten Börsenumsatz weltweit abbildet.

Da diese vor allem in den USA zu finden sind, haben sie im Index ein sehr hohes Gewicht von etwas mehr als 50 Prozent. Doch der Erfolg kann sich sehen lassen: Seit 1970 erzielte der Index eine durchschnittliche Rendite von knapp sieben Prozent jährlich. Aufgrund des hohen US-Gewichts, kann als Beimischung noch ein ETF auf den MSCI Emerging Markets gewählt werden, der die Aktienmärkte der Schwellenländer abdeckt.

Eine Alternative zu den herkömmlichen MSCI-Indizes, erläutert Claus Hecher, ETF-Experte von BNP Paribas EasyETF: "Anleger können die Wertentwicklung durch Nachhaltigkeitskriterien weiter verbessern." Nachhaltigkeit wird bei vielen Fonds-Gesellschaften als "sozial verträgliche Investitionen" beschrieben oder "SRIs" (Socially Responsable Investments).

Dabei werden Unternehmen anhand von ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien bewertet und nicht allein nach der Größe oder dem Börsenumsatz ihrer Aktien. So können Unternehmen aus den Indizes ausgeschlossen werden, etwa Rüstungsfirmen, Wettanbieter oder Umweltsünder.

Der Grund für die Aufnahme von Unternehmen, die nachhaltig arbeiten, ist der erwartete langfristige Erfolg. Diese Unternehmen arbeiten meist effizienter, beachten den Umweltschutz stärker und motivieren ihre Mitarbeiter langfristig erfolgreicher. Dass sich diese Kriterien auch als Börsenerfolg messen lassen, zeigt ein Blick auf die langfristige Performance. So hat der MSCI Europe in seiner SRI-Variante seit zehn Jahren im Schnitt zwei Prozent mehr Rendite erwirtschaftet als der MSCI Europe allein.

Erfolgreiche Indizes lassen sich aber auch nach anderen Kriterien zusammenstellen: Statt Größe, Börsenumsatz oder Nachhaltigkeit können Anleger auch in Aktien investieren, die entweder risikoärmer, günstiger, einen positiven Trend aufweisen oder gute Bilanzkennzahlen haben. Diese Indizes haben langfristig besser abgeschnitten als ähnliche Börsenbarometer, die sich aus einem vergleichbaren Börsenuniversum bedienen, um einen Index zusammenzustellen. Auch Indizes auf dividendenstarke Titel sind eine Möglichkeit.

Aktien für junge Anleger

Eine weitere Ergänzung zum MSCI World in einem Depot sind ETFs auf Rohstoffe und Anleihen. Auch hier lassen sich bestimmte Schwerpunkte wählen, etwa Rohstoff-ETFs ohne Agrarprodukte, wer Nahrungsmittel als Spekulationsobjekt ausschließen will oder Anleihen-ETFs, die nur in vermeintlich sichere Staatsanleihen investieren.

Geeignete ETFs finden Anleger über Tools, die verschiedene Börsen und Broker anbieten, etwa den ETF-Finder der Börse München. Bei der Zusammenstellung eines internationalen Depots rät Claus Hecher auf das Alter zu achten: "Wer jung ist, kann nahezu 100 Prozent in Aktien investieren, im Rentenalter kann die Quote unter 50 Prozent fallen."

Alles in allem sollten Anleger neben den ETF-Kosten, die häufig zwischen rund 0,05 und einem Prozent liegen, noch die Gebühren bei den Brokern beachten. Flatex etwa bietet kostenlose Sparpläne an, die sich monatlich mit 25 Euro besparen lassen, aber auch andere Anbieter sind vergleichsweise günstig und liegen oft im einstelligen Eurobereich.

Quelle: n-tv.de