Private Finanzen
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Dienstag, 06. Januar 2015

Rekorddilemma an den Aktienmärkten: Nachzügler bieten die besten Chancen

Ein Gastbeitrag von Stefan Eberhardt

Die internationalen Aktienmärkte tendieren auf Rekordniveau. Zukäufe fallen da nicht leicht. Aber längst nicht alle Aktien sind ausgereizt. Potenzial bieten vor allem die Verlierer des vergangenen Jahres.

Der Dow Jones notiert fast so hoch wie noch nie in seiner Geschichte. Der Nikkei-Index steht zumindest auf dem höchsten Stand seit mehr als sieben Jahren. Selbst der Dax bewegt sich nach der Berg- und Talfahrt in der zweiten Hälfte des abgelaufenen Jahres nur 3,6 Prozent unter seinem Allzeithoch.

Stefan Eberhardt ist bei der Unikat Vermögensverwaltung als Geschäftsstellenleiter sowohl für die Kundenbetreuung als auch für das Portfolio- und Risikomanagement tätig.
Stefan Eberhardt ist bei der Unikat Vermögensverwaltung als Geschäftsstellenleiter sowohl für die Kundenbetreuung als auch für das Portfolio- und Risikomanagement tätig.

Leider ist die Rallye an den Aktienmärkten aber an vielen Anlegern zumindest teilweise verbeigegangen. Gerade die Deutschen sind bei Aktien unterinvestiert. Angesichts der rekordhohen Kurse fällt es jetzt jedoch besonders schwer, noch einzusteigen. Gleichzeitig sind Aktien aufgrund der real negativen Zinsen bei Festgeldkonten und soliden Anleihen aber "alternativlos". Die Anleger stecken in einem Dilemma.

Der reine Blick auf die Indizes verzerrt jedoch das Bild an den Aktienmärkten. Das gilt insbesondere für Deutschland. Denn beim Dax handelt es sich um einen Performanceindex, der die Dividenden mit einrechnet. Als Kursindex, der - wie international üblich - die Ausschüttungen nicht berücksichtigt, notiert der Dax noch rund 20 Prozent unter seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2000. Vor allem aber sind nicht alle Einzelwerte sind so gut gelaufen, wie es der deutsche Standardwerteindex nahelegt.

Immerhin mehr als ein Drittel der 30 Dax-Aktien notiert mehr als zehn Prozent unter dem Höchststand der zurückliegenden zwölf Monate. Von einer Aktienrallye auf breiter Front kann also kaum die Rede sein. Das bedeutet aber auch, dass bei verschiedenen Einzelwerten noch deutliches Kurspotenzial besteht. Denn insgesamt bleibt das Aktienumfeld auch 2015 positiv. Als aussichtsreich schätzen wir unter anderem die Aktien von Adidas, BASF und SGL Carbon ein.

Adidas

Die Papiere des Sportartikelherstellers verloren im zurückliegenden Jahr fast 40 Prozent ihres Wertes. Die wesentlichen Gründe hierfür waren das schwache Golfgeschäft und das vergleichsweise große Engagement in Russland. Dazu kamen noch negative Wechselkurseffekte. Viel Pessimismus (vor allem wegen Russland) ist bereits eingepreist. Außerdem hat der Euro gegenüber dem US-Dollar deutlich abgewertet – auf der Wechselkursseite dürfte damit zumindest im US-Geschäft der Gegen- in Rückenwind drehen.  Wer an ein sich erholendes Klima in Russland glaubt, hat mit dem Titel hervorragende Chancen. Seit August 2014 befindet sich die Aktie bereits in einer Bodenbildung.

BASF

Im Juni 2014 notierte BASF im Hoch noch bei 87,36 Euro. Heute steht die die Aktie gut 20 Prozent tiefer. Wie Adidas leidet auch BASF unter der Krise in Russland. Erst vor kurzem platze ein lange geplanter Deal mit Gazprom. Ursprünglich sollte das gemeinsam geführte Gashandels- und Speichergeschäft vollständig an die Russen gehen. Im Gegenzug sollte BASF an der Erschließung von umfangreichen Gasfeldern in Westsibirien beteiligt werden. Bereits zuvor hatte der Chemiekonzern die Erwartungen im operativen Geschäft deutlich verfehlt. Hier spielten jedoch auch Sondereinflüsse eine große Rolle, die in diesem Rahmen im laufenden Jahr wohl nicht zu erwarten sind. Mit einem 2015er-KGV von weniger als zwölf und einer Dividendenrendite von mehr als vier Prozent ist die Aktie deutlich preiswerter als der breite Markt. .

SGL Carbon

Am meisten Risikotoleranz müssen die Anleger sicherlich bei SGL Carbon mitbringen. Die Aktie aus dem SDax hat sich im vergangenen Jahr fast halbiert. Gründe waren hier die teure Restrukturierung und das sehr schlechte Ergebnis im Bereich Grafitelektroden. Das Geschäft mit dem superleichten Werkstoff Carbon bleibt jedoch interessant, vor allem für die Automobilindustrie. Die Ankeraktionäre Susanne Klatten, BMW und VW sollten dem Unternehmen dauerhaft Stabilität geben. Investoren, die auf eine erfolgreiche Restrukturierung setzen, erwerben mit SGL ein riskantes, aber durchaus interessantes Papier. Der Kurs hat sich seit Anfang November bereits stabilisiert.

Generell ist es mit einem gewissen Risiko behaftet, gegen den Markt, also gegen fallende Kurse zu "wetten". Daher sind die drei Werte vor allem als Beimischung in einem breiten Aktienportfolio zu empfehlen. Außerdem sollten Anleger Stopp-Marken setzen.

Disclaimer

Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der Unikat Vermögensverwaltung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die Unikat Vermögensverwaltung gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben.

Quelle: n-tv.de