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Dienstag, 27. September 2016

Überflüssiges Edelmetall: Fünf Gründe, die gegen Gold sprechen

Ein Gastbeitrag von Mark-Uwe Falkenhain

Gold ist in diesem Jahr deutlich besser gelaufen als Aktien oder Anleihen. Einen wirklichen Grund dafür gibt es nicht. Denn eigentlich ist das Edelmetall vor allem eins: überflüssig.

Gold hat in diesem Jahr schon rund 24 Prozent zugelegt. Das Edelmetall ist wieder en vogue, gilt als wertbeständig und als Versicherung gegen Verwerfungen an den Finanzmärkten. Goldfans überbieten sich schon wieder mit immer höheren Kurszielen. Es ist an der Zeit, mit ein paar Irrtümern aufzuräumen.

Erstens ist die Wertbeständigkeit von Gold sehr relativ und zumindest auf kurze und mittlere Sicht äußerst fragwürdig. In diesem Jahr ist das Edelmetall bislang tatsächlich besser gelaufen als alle anderen gängigen Vermögensklassen. Davor ist Gold aber mehr als vier Jahre lang gefallen. Schon früher gab es ausgedehnte Phasen in denen das Edelmetall keine Gewinne abwarf. Gleichzeitig sind starke Kursbewegungen beim Gold keine Ausnahme, denn das Edelmetall ist ausgesprochen spekulativ. Der Preis bildet sich eher aufgrund von Wetten und weniger auf Basis fundamentaler Ursachen.

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Es wird – zweitens - immer wieder behauptet, dass der Preis langfristig steigen müsse, weil weniger Gold gefördert als nachgefragt werde. Dabei wird übersehen, dass das Angebot nicht nur aus der Minenproduktion besteht, sondern auch aus Spekulanten, die - zumindest teilweise - ihre Bestände anbieten, wenn aus ihrer Sicht der Preis stimmt. Da Gold zu annähernd 100 Prozent recycelt wird, ist die weltweite Goldmenge im Laufe der Geschichte auf rund 180.000 Tonnen angewachsen. Im Vergleich dazu relativiert sich die globale Nachfrage, die seit Jahren um 4000 Tonnen pro Jahr schwankt. Dazu kommt, dass der Preis weniger von dem Angebot physischen Golds und der Nachfrage abhängt, sondern vor allem vom Handel an den Terminmärkten, wo es um weitaus größere Geldsummen geht.

Auch das dritte Argument, dass niedrige beziehungsweise negative Zinsen für Gold sprechen, ist nicht wirklich stichhaltig. Zwar profitiert das zins- und dividendenlose Edelmetall auf den ersten Blick davon, dass konkurrierende Anleihen auch keine Erträge mehr abwerfen. Die sogenannten Opportunitätskosten sind damit vorerst weggefallen. Dafür gibt es zurzeit aber auch keine Inflation. Ein Schutz gegen Geldentwertung, den Gold angeblich bietet, ist damit überflüssig. Die nicht vorhandene Geldentwertung konterkariert das Zinsargument.

Mark-Uwe Falkenhain verfügt über insgesamt 30 Jahre Berufserfahrung bei der Beratung vermögender Privat- und Geschäftskunden. Nach verschiedenen Stationen bei deutschen und internationalen Großbanken ist er bei Geneon seit neun Jahren als Vorstand tätig.
Mark-Uwe Falkenhain verfügt über insgesamt 30 Jahre Berufserfahrung bei der Beratung vermögender Privat- und Geschäftskunden. Nach verschiedenen Stationen bei deutschen und internationalen Großbanken ist er bei Geneon seit neun Jahren als Vorstand tätig.

Auch sonst ist Gold unproduktiv. Warren Buffet hat einmal vorgerechnet, dass sich für den Wert der weltweiten Goldbestände das gesamte Ackerland der USA und sechzehnmal Exxon kaufen ließe, beides liefert erhebliche Erträge. Das Edelmetall wirft dagegen weder Zinsen noch Dividenden ab. Vielmehr kostet es Geld für Lagerung und Versicherung.

Schließlich - fünftens - wird Gold immer wieder als Versicherung gegen mögliche Finanzkrisen empfohlen. Und Risiken, die solche auslösen könnten, gibt es genug: Donald Trump in den USA, die unabsehbaren Brexit-Folgen in Europa, die Kriege im Nahen Osten oder die fragile Konjunktur in China. Tatsächlich ist der Goldpreis in den zwei Wochen nach dem EU-Austrittsvotum der Briten um rund 100 Dollar pro Unze gestiegen. Danach ist aber nichts mehr passiert. Vielmehr haben sich die Volatilitätsindizes, die die Risikoabneigung der Anleger anzeigen, seit Jahresanfang deutlich zurückgebildet. Das amerikanische Angstbarometer Vix hat sich sogar fast halbiert. Obwohl die Anleger Risiken immer weniger Beachtung geschenkt haben, ist der Goldpreis gestiegen. Die vermeintliche Schutzfunktion fällt als Erklärung dafür also aus.

… und ein Grund, der für Gold spricht

Eigentlich gibt es nur ein schlagkräftiges Argument pro Gold. Bei einem richtigen Finanzcrash – vielleicht noch in Verbindung mit einem Bankenrun - könnte das Edelmetall im Gegensatz zu Papiergeld, Aktien oder Anleihen noch einen realen Wert bieten. Dafür kommt jedoch nur physisches Anlagegold, also Münzen oder Barren, infrage. Bei börsennotierten und mit Gold unterlegten Anleihen wie dem weit verbreiteten Xetra-Gold, dürfte es im Fall eines Finanzcrashs mit einem Bankenrun schwierig werden, das Edelmetall tatsächlich ausgeliefert zu bekommen. Da Anlagegold gewissermaßen als Währung gilt, ist es zudem nach zwölf Monaten Haltedauer von der Abgeltungssteuer befreit. Im Fall der Fälle ist eine Lagerung im Tresor zuhause wohl einem Bankschließfach vorzuziehen.

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Quelle: n-tv.de