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(Foto: REUTERS)
Samstag, 16. September 2017

Nervöse Investoren: Finanzprofis warnen vor Blasen

Von Daniel Saurenz und Egmond Haidt

Der rasante Kursanstieg der vergangenen Jahre, gerade am US-Aktienmarkt, macht viele Investoren zusehends nervös. Wie wahrscheinlich ist, dass es demnächst zu einer deutlichen Korrektur kommen wird?

Wie lange kann die Rekordfahrt des S&P 500 noch weitergehen? Zuletzt sorgte die Nachricht aus dem Weißen Haus für Rückenwind, dass die Regierung in Kürze Pläne für eine Steuerreform vorlegen wird. Damit soll die Wirtschaft angekurbelt werden. Nachdem sich US-Präsident Donald Trump völlig überraschend mit den oppositionellen Demokraten darauf geeinigt hat, die Schuldenobergrenze bis zum 8. Dezember auszusetzen, sind die Chancen deutlich gestiegen, dass Trump eine Steuerreform durch den Kongress bringen könnte.

In diesem Umfeld schnuppert der S&P 500 am Rekordhoch. Gegenüber Ende 2016 steht ein Kursplus von rund elf Prozent zu Buche. Dabei hat der Index in den vergangenen 14 Monaten keinen Rückgang von mindestens fünf Prozent verbucht, während die Volatilität weiterhin extrem niedrig ist. Nach der Hausse der vergangenen Jahre warnen aber viele Experten zunehmend vor der sehr hohen Bewertung des US-Aktienmarkts.

"Sie ist sehr, sehr hoch - die meisten Aktien haben eine sehr hohe Bewertung. Der Markt insgesamt ist im historischen Vergleich ziemlich hoch bewertet", sagte etwa Julian Robertson, Gründer des US-Hedgefonds Tiger Management. "Das liegt daran, dass die Zinsen so niedrig sind, dass es keine wirkliche Konkurrenz für das Geld gibt, außer Kunst und Immobilien. Deswegen sind die Bewertungen so hoch", sagte der 85-Jährige, der in den vergangenen Jahrzehnten viele Auf-und Abschwünge an der Börse erlebt hat.

Der S&P 500 ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Gewinnschätzungen für die nächsten zwölf Monate von 17,5 bewertet. Das ist ein extrem hohes Niveau. Im langfristigen Vergleich lag das KGV bei 11 oder 12, weil das dem langjährigen Gewinnwachstum der Unternehmen aus dem S&P 500 entsprach. "Die US-Notenbank ist dafür (die hohe Bewertung) verantwortlich", sagte Robertson. Viel klarer kann man als Finanzprofi nicht sagen, dass es bereits eine Blase am US-Aktienmarkt gibt.

"Das beunruhigt mich"

Vor Robertson hatte bereits Lloyd Blankfein, der Chef von Goldman Sachs gewarnt, dass ihn die Entwicklung am Markt nervös macht. "Die Sachen (Kurse) sind viel zu lange gestiegen", sagte Blankfein. "Wenn die Zinsen für Unternehmensanleihen niedriger sind als die Dividenden, dann beunruhigt mich das." Üblicherweise sind die Zinsen deutlich höher als die Dividendenrendite, weil Investoren in einem normalen Umfeld bei Aktien die Chance auf höhere Kursgewinne haben als bei Anleihen.

Anleger lassen sich bei ihrer Anlageentscheidung aber auch von den Zinsen für Staatsanleihen beeinflussen, wie Manuel Suckart vom Onlinebroker Degiro erklärt: "Durch die dauerhaft extrem niedrigen Zinsen bei Staatsanleihen sehen wir bei Hochzinsanleihen schon seit längerem Umsatzsteigerungen bei unseren Kunden in ganz Europa. Durch die hohe Nachfrage nach Unternehmensanleihen sind gleichzeitig die Zinsen für diese Papiere kräftig gesunken."

Ins gleiche Horn wie Blankfein stieß John Cryan, der Chef der Deutschen Bank. "Die lockere Geldpolitik führt zu immer mehr Verwerfungen", sagte Cryan. "Wir sehen inzwischen Anzeichen von Blasen an immer mehr Stellen des Kapitalmarktes, an denen wir sie nicht erwartet hätten", sagte er. Zuletzt hat auch der Anleihen-"König" Jeff Gundlach die Zinsen für Bundesanleihen als "irrwitzig niedrig" bezeichnet. Derzeit liegen die Zinsen für zehnjährige Papiere bei lediglich 0,4 Prozent, jene für einjährige sogar bei minus 0,75 Prozent. Und das bei einer Inflationsrate von 1,8 Prozent.

Nach den zahlreichen Warnungen der Finanzprofis dürfte es kaum mehr einen Zweifel geben, dass es gerade am US-Aktienmarkt eine Blase gibt. Die Frage ist allerdings, ob sie platzen wird. Zuletzt bezweifelte David Kostin, Aktienstratege bei Goldman Sachs, dass es dazu kommen werde. Eine seiner Begründungen: Wenn jeder mit einer kräftigen Korrektur rechne, werde sie genau deswegen nicht kommen.

Quelle: n-tv.de