Private Finanzen
(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 08. September 2016

Ende der Gemütlichkeit: Dax vor heißem Börsenherbst

Von Benjamin Feingold und Daniel Saurenz

Die Börse war in den Sommermonaten ruhiger als gedacht. Doch der Herbst birgt nicht nur durch die anstehende US-Wahl eine Menge Unsicherheit. Mit einer einfachen Doppelstrategie können Anleger davon profitieren.

Es ist schon verrückt: Das Jahr brachte bisher Brexit, China-Sorgen und die europäischen Bankenkrise hervor, doch die Investoren am Finanzmarkt reagieren darauf im Spätsommer mit absoluter Gelassenheit. Die hohe Sorglosigkeit spiegelt sich in kräftig fallenden Volatilitätsindizes für Europa und den USA wider. Sie messen die Schwankungsbreite an den Aktienmärkten und werden daher als Angstbarometer bezeichnet.

Offenbar vertraut die große Mehrheit darauf, dass die Notenbanken jede Krise wegbügeln werden. Gregor Kuhn, Analyst beim CFD- und Aktienbroker IG, warnt allerdings: "Sollten die Notenbanken ihre Geldpolitik künftig weniger expansiv ausrichten als von Börsianern erwartet, drohen Enttäuschungen und damit neue Turbulenzen an den Aktienmärkten". Gerade im September könnte die Sommerruhe trügerisch sein. Denn kurz vor der US-Wahl und nach einem entspannten Sommer rechnen nur wenige mit einem Stimmungswechsel. Dieser käme aber Investoren entgegen, die jetzt auf Unruhe und neue Sorgen setzen. Spannungsmomente gibt es neben einer enttäuschenden Notenbankpolitik reichlich, angefangen bei der im November anstehenden US-Wahl über das Verfassungsreferendum in Italien oder die schwelende europäische Bankenkrise. Jedes Ereignis für sich genommen birgt genügend Sprengstoff für die nächste Krise.

Wie profitieren?

Da Anleger aber nicht wissen können, ob die Börse weiterhin so gelassen mit Krisen umgehen wird, ist eine Doppelstrategie, ein sogenannter Straddle, eine elegante Lösung für das derzeitige Börsenumfeld. Optionsscheinfans kommen dabei auf ihre Kosten, denn er besteht aus dem gleichzeitigen Kauf eines Call- sowie Put-Optionsscheins. Mit einem Call profitieren Anleger von steigenden und mit einem Put von fallenden Notierungen. Diese eigentliche Profi-Strategie können auch private Anleger umsetzen, da es einfach konstruiert werden kann.

Man muss nur darauf achten, dass Call und Put den gleichen Basispreis und dieselbe Laufzeit haben. Der Basispreis ist der Preis, zu dem Anleger einen Basiswert kaufen (Call) oder verkaufen (Put) können. Sie werden beim Straddle üblicherweise so gewählt, dass sie in etwa dem aktuellen Kursniveau des Basiswerts entsprechen. Beim Dax könnte der Straddle daher beispielsweise aus dem Kauf eines Dax-Calls (WKN UT39JG) und dem Kauf eines Dax-Puts (WKN UT5AVQ) bestehen. Hier liegen die Basispreise bei 10.700 Punkten, fällig werden die Scheine im März 2017.

Da der Doppelkauf einiges an Optionsscheinprämien verschlingt, lohnt sich die Strategie vor allem dann, wenn die Volatilität niedrig und damit auch die Optionsscheine günstig sind wie derzeit. Denn je höher die Volatilität, desto teurer ist der Optionsschein. Anleger setzen mit dem Straddle also auf eine zunehmende Dynamik, ohne sich auf eine Kursrichtung festzulegen. Hauptsache der Markt bewegt sich, weil dann der Gewinn in der einer Optionsscheinposition den Verlust in der anderen überkompensiert.

Praxisbeispiel Dax und S&P 500

Bei den oben ausgewählten Dax-Optionsscheinen würde eine Straddle-Strategie 12,20 Euro kosten, da die Prämien 6,20 (je Call) und 6,0 Euro (je Put) ausmachen. Das bedeutet gleichzeitig, dass sich der Dax bis zur Fälligkeit im März 2017 vom Basispreis von 10.700 Punkten aus mindestens um 1220 Punkte (Bezugsverhältnis 1:100) bewegen muss, um Gewinne zu erzielen. Das heißt, dass der Dax mindestens auf 11.920 Punkte steigen oder auf 9480 Punkte fallen muss, damit kein Verlust entsteht. Erst bei Kursbewegungen darüber hinaus, entstehen Gewinne. Schneller geht es in die Gewinnzone, wenn der Herbst heiß wird, und der Dax schnell fällt. Dann dürfte die Volatilität kräftig ansteigen und der Straddle schnell die Gewinnzone erreichen. Beim Straddle auf den S&P 500 bis März 2017 bieten sich beispielsweise die Papiere mit der WKN UW2B9Q (Call) beziehungsweise mit der WKN UW2FN9 (Put) an.

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: n-tv.de