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(Foto: dpa)
Samstag, 26. August 2017

Bedenkliche Parallelen: Dax-Familie zu hoch bewertet?

Von Benjamin Feingold und Egmond Haidt

Aus den USA droht neues Ungemach: Die hohe Bewertung bei MDax und TecDax zeigt eine ähnliche Anfälligkeit wie zur Finanzkrise.

Viele Besitzer von Dax-Aktien dürften erheblich verunsichert sein. Zuletzt standen vor allem die Papiere von Zyklikern - also von Unternehmen aus konjunkturabhängigen Sektoren, wie Daimler, BMW, Volkswagen, Deutsche Bank, BASF oder Siemens - deutlich unter Druck. Anleger handeln vermehrt diese Aktien wie die jüngsten Umsätze bei Banken, Brokern oder Social-Trading-Plattformen wie Etoro zeigen.

Warum? Investoren fürchten, die Perspektiven für die US-Wirtschaft und damit für die Weltwirtschaft könnten sich eintrüben. Dafür gibt es vor allem drei Gründe: der Nordkorea-Konflikt, ein möglicher Handelskrieg zwischen den USA und China sowie die Sorge, dass die USA im Streit um die Schuldendecke technisch zahlungsunfähig werden.

Die politischen Risiken unter Trump bleiben also bestehen, was auch der deutliche Rückgang der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen klar anzeigt. Sie liegen etwas unter 2,2 Prozent. Zuletzt hat US-Präsident Donald Trump damit gedroht, einen Stillstand der öffentlichen Verwaltung zu riskieren, falls der Kongress keine Mittel für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko freigibt.

All das trübt die Konjunkturperspektiven ein und belastet den Dax deutlich, da er zu rund der Hälfte aus Aktien von zyklischen Unternehmen besteht. Daher ist der Dax mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13,5 auch deutlich niedriger bewertet als etwa der MDax oder der TecDax.

Ähnliche Bewertung wie Mitte 2007

Das KGV vom MDax für die 50 mittelgroßen Werte beträgt 16,3 und vom TecDax für die 30 Technologieunternehmen 25,3. Das zeigt welche hohen Erwartungen in den Papieren eingepreist sind, nicht zuletzt in den kleinen Brüdern des Dax. Das ist allerdings nur teilweise durch den zu erwartenden stärkeren Gewinnanstieg bei MDax und TecDax gerechtfertigt.

Die Bewertung ist damit ähnlich hoch wie Mitte 2007, als die 2008er-Schuldenkrise in den USA rapide heraufgezogen ist, die die gesamte Weltwirtschaft mit nach unten gerissen hat. So lagen das KGV des Dax damals bei 13,4, während jenes des MDax 16,8 erreichte und das des TecDax 22,1.

In einem weniger krisenbeladenen Börsenumfeld, dass die Notenbanken weniger stark beeinflussen, sollte der Dax eine höhere Bewertung haben, weil die Liquidität viel höher ist, weshalb Verkäufe durch Investoren zu kleineren Kursausschlägen führen, als bei Werten aus dem MDax oder dem TecDax. Durch die sehr lockere Geldpolitik - damals jene der US-Notenbank und derzeit jene der EZB - haben Investoren aber verstärkt bei mittelgroßen und kleinen - und damit riskanteren Werten - zugegriffen, weshalb ihre Bewertung stark nach oben verzerrt worden ist.

Mit dem Heraufziehen der Krise ab Mitte 2007 drehte der MDax in den Folgemonaten deutlich schneller nach unten als der Dax, während der TecDax erst Anfang November sein damaliges Rekordhoch markiert hatte, anschließend aber umso schneller eingebrochen ist. Die Erwartung der Investoren, dass die Unternehmen aus dem TecDax sich damals irgendwie der Abschwächung der Weltwirtschaft entziehen könnten, hat sich als schwerer Fehler herausgestellt.

Ob auch diesmal der MDax ein guter Vorlaufindikator für den Dax sein wird, ist allerdings fraglich. Denn im Dax machen die vier Autoaktien herbe 13,4 Prozent des Indexgewichts aus und ziehen den Leitindex nach unten. Die drei Autohersteller leiden nicht nur unter der Abkühlung des weltweiten Automarkts und dem steigenden Euro, sondern auch unter dem Diesel-Skandal und der Sorge um einen möglichen Kartellskandal. Hingegen machen die Autoaktien, wie Schaeffler und Hella, im MDax nur vier Prozent des Gewichts aus. Bei möglichen Turbulenzen an der Börse könnte sich daher der Dax noch deutlich schlechter entwickeln als die anderen Indizes.

Quelle: n-tv.de