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Die "Hindenburg" verbrennt 1937 bei einer missglückten Landung in Lakehurst bei New York
Die "Hindenburg" verbrennt 1937 bei einer missglückten Landung in Lakehurst bei New York(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Dienstag, 28. November 2017

Berüchtigte Omen: Börsencrash-Signale mehren sich

Ein Gastbeitrag von Uwe Günther

Hindenburg-Omen, Titanic-Syndrom und Todeskreuze - was sich wie schlechte Filmtitel anhört, hat einen ernsten Hintergrund. Die Party an den Aktienmärkten könnte schon bald ihren Höhepunkt sehen.

Die Schlagwörter zahlreicher Aktienanalysen erinnern derzeit an Verschwörungstheorien, an konspirative Geheimbünde oder an die Titel von Trash-Filmen. Tatsächlich geht es beim sogenannten Hindenburg-Omen, dem Titanic-Syndrom oder den Todeskreuzen aber um die marketingwirksame Beschreibung seltener und gefährlicher Konstellationen an den Aktienmärkten. Schmunzeln ist erlaubt - ganz vernachlässigen sollte man die realen Hintergründe dieser vermeintlichen Hiobsbotschaften aber dennoch nicht.

Hindenburg-Omen deutet Crash-Gefahr an

Dieses Signal ist nach dem Absturz des deutschen Zeppelins LZ 129 Hindenburg benannt, der am 6. Mai 1937 über amerikanischen Lakehurst in Brand geriet. Der Begriff selbst wurde allerdings erstmals 1979 im Buch "Stock Market Logic" verwendet und steht für eine außerordentliche seltene Konstellation am US-Aktienmarkt.

So müssen sich mindestens 2,2 Prozent der Aktientitel an der New Yorker Aktienbörse (NYSE) neu auf einem 52-Wochen-Hoch befinden. Gleichzeitig müssen ebenfalls mindestens 2,2 Prozent der Papiere neu auf einem 1-Jahres-Tief notieren. Die Zahl der Titel auf 52-Wochen-Hoch darf höchstens zweimal so groß sein wie die Zahl der 1-Jahres-Tiefs. Und der gleitende 10-Wochen-Durchschnitt des NYSE-Index muss höher sein als vor zehn Wochen. Schließlich muss der sogenannte MACD, ein trendfolgender Indikator, sich im negativen Bereich bewegen.

Und wem das alles zu technisch ist: Die Grundaussage des Hindenburg-Omens ist, dass sich eine ungewöhnlich große Zahl von Aktien innerhalb eines reifen, überkauften Aufwärtstrends zunehmend in gegensätzlicher Richtung bewegt. Der größte Verlust nach einem bestätigten Hindenburg-Signal entstand mit einem Minus von 50 Prozent nach dem "Omen" am 6. Juni 2008.

Titanic-Syndrom verstärkt Hindenburg-Omen

Dieser Warnhinweis hat einen ähnlichen, wenn auch etwas einfacheren Ansatz als das Hindenburg-Omen. Das Titanic-Syndrom betrachtet das Verhältnis der Aktien an der Börse mit einem neuen 52-Wochen-Hoch und einem 52-Wochen-Tief kurz vor oder nach dem Erreichen eines neuen Index-Rekords. Ist diese Divergenz negativ (Hoch – Tief) nähert sich der Investor auf der Titanic dem "Eisberg".

Auch diese ungewöhnliche Verzerrung zeigt ein erhebliches Auseinanderstreben von einzelnen Indexkomponenten in einem – gefühlt - gesunden Börsenumfeld.

Das Titanic-Syndrom war zuletzt Anfang November zu beobachten.

Todeskreuze noch nicht da

Die sogenannten Todeskreuze kommen historisch gesehen eher häufiger vor, sind aber beileibe nicht so gefährlich wie sie sich anhören. Dabei kreuzt der gleitende Durchschnitt der 50-Tage- die 200-Tagelinie einer Aktie oder eines Index einfach von oben nach unten. Dieser wohl noch am besten bekannte Crash-Indikator signalisiert eine am kurzen Ende abnehmende Dynamik innerhalb eines Trends. Da dieses Signal eher spät und träge daherkommt und zudem den Index als Ganzes betrachtet, liegt hier aktuell kein Signal vor. Wenige "Outperformer" innerhalb eines bereits verzerrten Index (siehe Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Alphabet, Google, Tesla) können Todeskreuze längere Zeit ausbremsen.

Anlegern, die verstärkt in diese Materie einsteigen möchten, sind folgende Maßnahmen anzuraten:

  • Generell gilt zwar Ruhe zu bewahren. Doch insbesondere das gleichzeitige Auftreten verschiedener seltener Indikatoren (wie Anfang November) ist zum Anlass zu nehmen, sich mit möglichen Konsequenzen in der Depotstruktur zu beschäftigen.
  • Nachdenken darüber, was einen größeren Einfluss auf das eigene Vermögen hätte – ein Fehlsignal oder ein bestätigtes Signal?
  • Nutzen der Gelegenheit, sich intensiv mit der Berechnungsmethode von Indikatoren zu beschäftigen, die auf Grund ihrer Seltenheit nicht täglich in den Zeitungen stehen.
  • Suche nach dem volkswirtschaftlichen Kern der Informationen hinter der Indexfassade.
  • Diskussion mit dem eigenen Vermögensbetreuer, inwieweit die real beobachteten Verzerrungen innerhalb des Index Auswirkungen auf die künftige Performance von Indexfonds (ETFs) haben könnten.
  • Beachtung der neuen Rolle und der Interessen mehrerer Zentralbanken als neue aktive Marktteilnehmer und Käufer im Aktienbereich.

Das vermehrte und sogar gleichzeitige Auftreten seltener technischer Indikatoren kann ein sehr gutes Indiz dafür sein, dass auch dieser zweitlängste Aufschwung der modernen Börsengeschichte ein natürliches Ende in einem massenhaften Forderungsausfall finden wird – eben wie immer. Die neuen 52-Wochen-Tiefs bei zahlreichen Werten deuten es schon an. Sicher ist das aber (noch) nicht.

Quelle: n-tv.de