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Dienstag, 26. September 2017

Timing ist alles : Auch Aktien können Rendite killen

Ein Gastbeitrag von Uwe Günther

"Aktien rechnen sich immer - vorausgesetzt der Anlagehorizont ist lang genug". Diese weit verbreitete "Börsenweisheit" stimmt leider nicht. Entscheidend für den Anlageerfolg ist das richtige Zeitfenster.

Viele Anleger geben sich der Illusion hin, dass Aktien immer eine positive Rendite liefern, wenn man nur lange genug wartet - so à la Kostolany: "Kaufen Sie Aktien und nehmen Sie Schlaftabletten". Diese Aussage stimmt aber in vielen Punkten nicht.

Die meisten Menschen haben erst dann die finanzielle Möglichkeit, Geld zu investieren, wenn sie schon länger im Beruf stehen. Vorher verdienen sie zu wenig. Außerdem steht häufig erst einmal die Gründung einer Familie im Vordergrund, die im Regelfall nicht ganz billig ist. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters bleibt für zahlreiche Anleger einfach nicht ausreichend Zeit, bis sie mit Aktien und einer buy-and-hold Strategie ihre langfristigen Renditeziele erreichen.

Uwe Günther ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der "BPM - Berlin Portfolio Management GmbH".
Uwe Günther ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der "BPM - Berlin Portfolio Management GmbH".

Außerdem werden bei der Betrachtung von Aktien gerne Dividenden mit Zinsen gleichgesetzt. Dabei handelt es sich jedoch um einen Trugschluss. Einen Zinseszinseffekt, der häufig fahrlässig vom Anleihen- auf den Aktienmarkt übertragen wird (Stichwort: Dividenden-Titel), gibt es in der Realität bei Aktien nicht. In der bisherigen Geschichte hat jeder Bärenmarkt die enthaltenen Dividendengewinne des vorangegangenen Bullenmarktes mehr als ausgelöscht.

Den langfristigen Renditeberechnungen liegen immer Aktienindizes zugrunde. Diese zahlen jedoch keine Steuern, Gebühren und haben keine Lebenshaltungskosten, die im realen Leben aber laufend anfallen - unabhängig von Kursschwankungen und Wirtschaftszyklen. Zudem ist ein Index nicht an ein biologisches Lebensalter gebunden. Eine Indexbetrachtung ist daher systematisch bevorteilt und irreführend.

Inflation bleibt außen vor

Ein weiterer schwerwiegender Mangel der meisten Renditeberechnungen ist, dass die Geldentwertung unberücksichtigt bleibt. In den 70er und 80er Jahren gab es Inflationsraten in der Spitze von sieben bis acht Prozent. Das hat die reale Rendite von Aktieninvestments völlig konterkariert.

Schließlich stimmt es einfach nicht, dass Aktien immer eine positive Rendite abwerfen, wenn der Betrachtungszeitraum lang ist. Der Euro Stoxx 50 Net Return "glänzt" seit dem Top im Jahr 2000 mit einer Durchschnittsrendite von 0,42 Prozent pro Jahr. Zudem mussten indexnahe Anleger 15 Jahre warten, bis sich (vor Kosten) erstmals wieder ein positives Ergebnis einstellte. Dies ist zum einen weit entfernt von den oft benötigten fünf bis sieben Prozent. Zum anderen ist dabei ist die Geldentwertung nicht einmal mit eingerechnet.

Ein anderes Beispiel: Der S&P 500, der die 500 größten in den USA börsennotierten Aktiengesellschaften umfasst, hat vom Jahr 2000 an rund zwölf Jahre gebraucht, nur um wieder sein Ausgangsniveau zu erreichen. Bis dahin waren Aktien ein echter Renditekiller.

Auf das Anlagefenster kommt es an

Zwar ist es auf kurze Sicht immer wieder möglich, mit Aktien Gewinne einzustreichen. Langfristig betrachtet gibt es in jedem Menschenleben jedoch vergleichsweise wenige Zeitfenster, in denen sich Aktieninvestments entsprechend der persönlichen Zielplanung auszahlen.

Damit stellt sich die entscheidende Frage, ob sich die Aktienmärkte derzeit in einer dieser kurzen Phasen befinden, die auf lange Sicht die benötigten Renditen erwarten lassen. Die Antwort lautet klar: Nein. Anleger sollten Folgendes nicht vergessen: Wenn die Rendite ihres Vermögens in der ersten Hälfte ihres individuellen "Investitionslebens" unter der Nulllinie verharrt, müssen in der zweiten Hälfte die Renditen schon mehr als doppelt so hoch sein, um die Gesamtziele noch zu erreichen. Ist das aber realistisch?

Die Rally der vergangenen acht Jahre und die niedrigen beziehungsweise negativen Zinsen haben an den Finanzmärkten für ein äußerst riskantes Umfeld gesorgt. Nach den Berechnungen unter anderem der Deutschen Bank, Goldman Sachs oder JP Morgan erleben wir derzeit den drittgrößten und zweitlängsten Bullenmarkt, der jemals von den Notenbanken "gesponsert" wurde. Die Bewertungen führender Aktienindizes sind so hoch wie fast niemals zuvor. Das spricht nicht gerade dafür, dass das Zeitfenster für strategische Aktienkäufe zurzeit geöffnet ist.

Aber: Spekulanten können auch auf dem derzeitigen Niveau weiter einstiegen und mit ihren Wetten auf die Notenbanken und weiter steigende Kurse kurzfristig durchaus Erfolg haben. Langfristig agierende Investoren beweisen dagegen Nervenstärke und warten auf das nächste Anlagefenster. Die Bärenmärkte oder Crashs der Jahre 2015 (Angst vor Vollbremsung Chinas), 2011 (Griechenland), 2007/2008 (Lehman-Pleite) und 2000 bis 2003 (Platzen der Internetblase) deuten deutlich darauf hin, dass geduldige Strategen immer wieder mit Gelegenheiten belohnt werden.

Disclaimer

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Quelle: n-tv.de