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Die Entwicklungen an den globalen Kapitalmärkten werden stark von den USA beeinflusst.
Die Entwicklungen an den globalen Kapitalmärkten werden stark von den USA beeinflusst.(Foto: dpa)
Dienstag, 11. Dezember 2018

Timing wird wichtiger: Aktienmärkte bleiben schwierig

Ein Gastbeitrag von Stefan Eberhardt

Für die Finanzmärkte war 2018 ein schwieriges Jahr. Das wird sich auch 2019 kaum ändern. Für Anleger, die gegen den Trend agieren, werden sich aber gute Chancen eröffnen.

Für das komplizierte Aktienumfeld gab es in diesem Jahr im Wesentlichen fünf Gründe:

1. Die Unberechenbarkeit von US-Präsident Donald Trump - insbesondere im Handelsstreit mit China und der EU.

2. Die steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten, die zu Kapitalabflüssen und damit zu fallenden Kursen bei fast allen Anlageklassen geführt haben – vor allem in den Schwellenländern. Die Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen stieg in der Spitze auf deutlich mehr als drei Prozent. Damit waren amerikanische Schuldtitel wieder interessant und Aktien nicht mehr alternativlos.

3. Die Risiken durch einen ungeordneten Brexit haben im Jahresverlauf zugenommen – der Ausgang ist noch immer ungewiss.

4. Das italienische Haushaltsdefizit wächst weiter, ebenso die Verschuldung. Damit besteht die Gefahr einer Staatskrise Italiens, verbunden mit einem Austritt aus der EU.

5. Viele Unternehmen korrigierten ihre Prognosen. Gewinnwarnungen gab es unter anderem von Daimler, BWW, Continental, Deutsche Post und Thyssen. Die Rezessionsängste wuchsen.

Schon jetzt zeichnet sich ab: Die Aktienindizes fast aller Regionen werden 2018 mit einem zum Teil deutlichen Verlust beenden. Lediglich amerikanische Werte performten ganz gut, getragen von den Steuersenkungen und der weiterhin dynamischen Entwicklung vieler Technologiewerte.

Alle Faktoren, die 2018 die Aktienmärkte belastet haben, können sich auch 2019 hemmend auswirken. Die US-Politik bleibt undurchsichtig, das Zinsniveau zwischen Europa driftet weiter auseinander. Während die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen vorerst konstant hält wird die US-Notenbank Fed den Leitzins von 2,25 Prozent bis Ende 2019 mit höchster Wahrscheinlichkeit auf 3 bis 3,5 Prozent heraufsetzen. Weder der anstehende Brexit noch die italienische Schuldenproblematik sind beigelegt und die Unternehmen werden nicht mehr so dynamisch wie in den vergangenen Jahren wachsen.

Hinzu kommt: Die Entwicklungen an den globalen Kapitalmärkten werden weiterhin maßgeblich von den USA beeinflusst. Dort läuft ab Mitte 2019 das "Sonderkonjunkturpaket" durch die Steuersenkungen aus. Ab dann muss die Wirtschaft zeigen, ob sie auch ohne fiskalische Unterstützung weiter dynamisch wachsen kann.

Fünf Positiv-Gründe

Es gibt jedoch auch Lichtblicke. Die weltweite Wirtschaft wächst 2019 weiter mit real circa 2,5 Prozent. Das ist solide. Die Arbeitslosenquoten befinden sich in den G7-Ländern auf dem tiefsten Stand seit 40 Jahren. Dies führt zu steigendem Einkommen, wachsendem Konsum und damit einer soliden Nachfrage bei den Unternehmen.

Technologische Entwicklungen bringen zusätzliches Wachstum und lassen geografische Grenzen schmelzen. Die Welt wird globaler, der Handel flexibler – neue Wirtschaftszweige und Wachstumsmärkte entstehen.

Die teilweise stark zurückgegangenen Börsenkurse führen wieder zu attraktiveren Bewertungen. Beispielsweise belief sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beim Dax im Durchschnitt der vergangenen Jahre in etwa auf 19. Aktuell liegt es bei 12,5. Vor der Finanzkrise im Jahr 2008 lag das KGV bei rund 17. Je niedriger das KGV, desto günstiger sind eine Aktie oder ein Markt bewertet.

Schließlich war in den zurückliegenden Monaten die Stimmung der Anleger ausgesprochen negativ, die Kurse fielen. Mögliche Risiken wurden unter Umständen zu stark berücksichtigt. Die Wahrscheinlichkeit positiver Überraschungen ist gestiegen und damit auch die Chance auf Kurserholungen.

Die einfachen Zeiten sind vorbei

Es ist schon klar: In diesem Umfeld ist es schwierig an den Finanzmärkten Geld zu verdienen. Das richtige Timing und cleveres Stock-Picking rücken 2019 in den Fokus. Korrekturen wie im Oktober 2018 im Technologiebereich können zum Einstieg genutzt werden.

Laufen die Märkte hingegen zurück in Richtung alter Höchstmarken, empfehlen sich auch einmal Gewinnmitnahmen. Und Zukunftsthemen bleiben langfristig interessant. Das gilt insbesondere für die Megatrends wie "Künstliche Intelligenz", "Automatisierung", "Digitalisierung" und "Innovationen im Gesundheitsbereich".

Stark abgestrafte Unternehmen aus dem Dax – zum Beispiel Logistikunternehmen oder Automobilzulieferer, die in diesem Jahr zwischen 30 und 40 Prozent verloren haben - sind mittel- bis langfristig durchaus wieder eine interessante Wahl.

Stefan Eberhardt ist Leiter des Portfoliomanagements der Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung. Außerdem ist der Finanzexperte nebenberuflich als Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg tätig.

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Quelle: n-tv.de