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Montag, 29. Oktober 2018

US-Börsen auf Talfahrt: Zollstreit zerstört Hoffnung auf Kurserholung

Die Hoffnung auf ein Ende der globalen Börsentalfahrt währt nur kurz. Nachdem die Wall Street mit Gewinnen gestartet ist, verbreitet sich die Nachricht, dass die US-Regierung neue China-Zölle vorbereitet. Die Anleger gehen sofort in Deckung.

Wegen massiver Handelssorgen sind die US-Aktienindizes auf Talfahrt gegangen. Nach einem festen Auftakt drehte die Wall Street im Handelsverlauf ins Minus. Börsianer verwiesen auch auf Ängste, dass die Hochtechnologiewerte überbewertet seien. Zudem herrsche vor den Kongresswahlen im November Unsicherheit am Markt.

Auslöser des Kursrutsches war eine Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg. Diese hatte unter Berufung auf Kreise berichtet, dass sich die USA auf eine Belegung sämtlicher Importe aus China mit Zöllen vorbereiteten. Dies würde in Gang gesetzt, falls sich bei den geplanten Gesprächen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping anlässlich des G-20-Treffens keine Lösung im Handelskonflikt zwischen den beiden Ländern gefunden werde.

Der Dow Jones Industrial weitete seine am vergangenen Freitag erlitten Verluste aus und büßte am Ende 0,99 Prozent auf 24.442,92 Punkte ein. Im Handelsverlauf hatte der US-Leitindex sein Minus seit dem Rekordhoch Anfang Oktober auf 10 Prozent ausgeweitet. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,66 Prozent auf 2641,25 Punkte nach unten. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 sackte um 2,02 Prozent auf 6713,90 Punkte ab. Er war zwischenzeitlich um rund 4 Prozent eingeknickt.

Der Dax hatte den Handel am Nachmittag mit einem satten Plus von 1,2 Prozent beendet.

Nunmehr bekomme das Treffen mit Xi Jinping im November eine noch höhere Brisanz für die Börsen, schrieb Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners. Nach den scharfen Kursverlusten wolle niemand zu früh kaufen und ein zweites mal auf dem falschen Fuß erwischt werden.

IBM nach Gebot für Red Hat unter Druck

Im Nasdaq 100 verloren die Papiere des Computer-Grafikkartenherstellers Nvidia mehr als 6 Prozent. Die Anteilscheine des Streamingkonzerns Netflix und die C-Aktien der Google-Mutter Alphabet gaben jeweils um rund 5 Prozent nach. Am Dow-Ende mussten die Anleger des Flugzeugbauers Boeing ein Minus von 6,59 Prozent verkraften.

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Zweitschwächster Wert waren die Papiere von IBM, die unter einer spektakulären Übernahme litten: Das Computer-Urgestein will sich ein größeres Stück der IT-Ausgaben von Unternehmen sichern und dafür den Linux-Spezialisten Red Hat schlucken. Mit insgesamt 34 Milliarden Dollar wäre dies die größte Übernahme in der Geschichte von IBM. Software von Red Hat kommt unter anderem für den Betrieb von Cloud-Anwendungen zum Einsatz.

Während die Aktien von IBM mehr als 4 Prozent verloren, sprangen die von Red Hat um gut 45 Prozent auf 169,63 US-Dollar hoch. Der Angebotspreis liegt allerdings bei 190 Dollar je Aktie. IBM wolle mit der Übernahme von Red Hat die stärkere Ausrichtung auf das weltweit prosperierende Geschäft mit Cloud Computing beschleunigen, schrieb Analyst Ingo Wermann von der DZ Bank. Der Preis, der dafür bezahlt werden müsse, sei zwar sehr hoch, sollte sich jedoch langfristig auszahlen.

Im Dow waren derweil Bankaktien gefragt: So zogen Goldman Sachs und JPMorgan um 1 beziehungsweise 1,38 Prozent an. Bereits in Europa hatten die Branchenwerte zu den Favoriten gezählt, nachdem die Ratingagentur S&P ihre Kreditwürdigkeitseinschätzung für das angeschlagene Euroland Italien vorerst beibehalten hatte. Außerhalb des Dow schnellten die Papiere von Ford um gut 3 Prozent in die Höhe. Goldman Sachs hatte die Anteilscheine des Autobauers zum Kauf empfohlen. Neue Modelle dürften die Rückkehr zum Gewinnwachstum ermöglichen, schrieb Analyst David Tamberrino.

Der Eurokurs profitierte ein wenig von den neu aufgeflammten Handelssorgen und notierte zuletzt bei 1,1384 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1381 (Freitag: 1,1345) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8787 (0,8815) Euro gekostet.

Quelle: n-tv.de