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Die Regierung in Peking kündigte bereits "notwendige Gegenmaßnahmen" gegen die erhöhten Sonderzölle an.
Die Regierung in Peking kündigte bereits "notwendige Gegenmaßnahmen" gegen die erhöhten Sonderzölle an.(Foto: imago/Christian Ohde)
Samstag, 11. Mai 2019

Hoffnung auf erfreuliche Zahlen: Handelsstreit stoppt Aufwärtstrend an Börsen

Ungeachtet der laufenden Gespräche mit China erhöhen die USA die Sonderzölle auf Einfuhren aus dem Land um mehr als das Doppelte. Analysten sehen nun die Entspannungstendenz in Gefahr. Für einen positiven Grundton können in der neuen Woche allerdings wieder Konjunkturzahlen aus den Ländern sorgen.

In politisch unruhigem Fahrwasser könnten die Börsen in der neuen Woche kräftig durchgeschüttelt werden. Ob es im US-Handelsstreit mit China auf eine Einigung oder Eskalation hinausläuft, dürfte für den Dax tonangebend sein. Die jüngste Zuspitzung hatte die Anleger kalt erwischt: der deutsche Leitindex Dax tauchte zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten und büßte in der Woche 2,8 Prozent ein.

Die US-Börsen verbuchten in der zu Ende gehenden Woche ebenfalls Verluste: Der Dow-Jones-Index und der S&P 500 verloren gut zwei Prozent, der Nasdaq Composite sogar drei Prozent. Für den S&P 500 und den Nasdaq-Composite waren das die bisher größten Verluste auf Wochensicht des Jahres.

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Die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Zollerhöhungen für Produkte aus China traten am Freitag in Kraft. Die Führung in Peking kündigte umgehend Gegenmaßnahmen an. Seit Juli 2018 überziehen sich die beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt gegenseitig mit Zöllen, was bereits die globale Konjunktur bremst. "Es gibt Überraschungspotenzial in beide Richtungen", kommentierten die Analysten der BayernLB.

Wie nervös die Investoren sind, lässt sich unter anderem am Anstieg der als Angstbarometer geltenden Volatilitätsindizes ausmachen. "In Summe zeigt sich ein ungemütliches Bild, Panikstimmung ist jedoch noch nicht auszumachen", sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden bei Deutsche Bank.

Bitte anschnallen: Deal or No Deal

Anleger benötigten derzeit starke Nerven, um diese turbulente Phase am Aktienmarkt durchzustehen, betont Strategin Rebekka Haller von MM Warburg. Ohne Einigung sei mit einem weiteren kräftigen Rücksetzer zu rechnen. Umgekehrt sei im Falle eines Deals eine ordentliche Erholungsrallye wahrscheinlich. "Da sich politische Entwicklungen im Zeitalter von Donald Trump kaum vorhersagen lassen, heißt es für den Anleger von daher: Bitte anschnallen und die Nerven behalten."

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Ein anderes kritisches Thema ist die wachsende Kriegsgefahr am Persischen Golf, sagt Helaba-Stratege Ulf Krauss. Der von Trump mit Sanktionen unter Druck gesetzte Iran will das Atomabkommen teilweise aussetzen und in 60 Tagen quasi kündigen, wenn Europa nicht den Öl- und Bankensektor vor den US-Strafmaßnahmen abschirmt. Hinzu kommen kleinere Krisenherde im näheren Umfeld: In der Türkei sind nach der Annullierung der Istanbul-Wahl die türkische Lira und der Aktienmarkt unter Druck. In Italien wächst die Zerstrittenheit innerhalb der Populisten-Koalition.

Auto-Chefs unter Druck

Spannend bleibt es auch bei ThyssenKrupp. Anleger feierten am Freitag die Entscheidung gegen ein Stahl-Joint-Venture mit Tata Stell und eine Aufspaltung. Stattdessen soll die lukrative Aufzugsparte an die Börse gebracht werden. Am kommenden Dienstag legt der Konzern offiziell die Zahlen zum ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2018/19 (per Ende September) vor. Vorstandschef Guido Kerkhoff wird vor allem die Frage beantworten müssen, wie er trotz der düsteren Wolken am Konjunkturhimmel die Geschäfte profitabler aufstellen will. Zu ihren Hauptversammlungen werden die Autobauer Volkswagen und BMW einladen. Bei den

Wolfsburgern geht es am Dienstag um die Fortschritte von Konzernchef Herbert Diess, der VW zum größten Elektroauto-Produzenten umbauen will. Der Manager steht wegen seines Sparplans beim Betriebsrat in der Kritik und ist Insidern zufolge auch bei den Familieneigner nicht unumstritten. Bei dem Münchner Konkurrenten BMW steht am Donnerstag Konzernchef Harald Krüger ebenfalls unter Druck, dessen Vertrag in einem Jahr ausläuft. Nach einem Gewinneinbruch zum Jahresbeginn musste BMW seine Prognose herunterschrauben.

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Neben weiteren zahlreichen Firmenbilanzen stehen auch einige richtungsweisende Konjunkturdaten an. Mit der Schätzung des Wirtschaftswachstums für Deutschland im ersten Quartal und der ZEW-Konjunkturumfrage unter Börsianern stehen in der neuen Woche gleich mehrere Indikatoren des ersten Rangs für die deutsche Wirtschaft auf der Agenda, betont die DZ Bank. Den durchschnittlichen Einschätzungen von Analysten zufolge dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt zwischen Januar und März um 0,3 Prozent gewachsen sein, nachdem es zum Jahresende 2018 stagniert hatte.

Zudem werden die ZEW-Konjunkturerwartungen ihren Erholungskurs im Mai wohl fortgesetzt haben. Auch in den USA werden diverse Konjunkturindikatoren vorgelegt, die Aufschluss über die Verfassung der weltweit größten Volkswirtschaft liefern. Dazu gehören unter anderem die Industrieproduktion am Dienstag und die Einzelhandelsumsätze am Mittwoch.

Quelle: n-tv.de