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(Foto: AP)
Dienstag, 15. Januar 2019

Erholung bei Tech-Werten: China stimuliert die US-Börsen

Angeführt von den Technologiewerten beenden die US-Börsen den Handelstag im Plus. Positiv wird die Ankündigung Pekings aufgenommen, die schwächelnde chinesische Wirtschaft anzukurbeln. Das US-Wachstum leidet unterdessen unter dem Haushaltsstreit.

Nach den Gewinnmitnahmen zu Wochenanfang sind die Käufer an die Wall Street zurückgekehrt. Vor allem Technologiewerte waren beliebt, angeführt von Netflix. Dagegen tat sich der Dow-Jones-Index zunächst weiter schwer, die 24.000er Marke nachhaltig zu überwinden, und blieb hinter den anderen Indizes zurück. Am Ende überwand der die Marke aber deutlich.

Im späten Geschäft sackte der Markt vorübergehend etwas ab, nachdem die britische Premierministerin Theresa May mit ihrem Brexit-Plan im Parlament klar gescheitert war. Die Niederlage war erwartet worden. Oppositionsführer Jeremy Corbyn will am Mittwoch ein Misstrauensvotum gegen May anstrengen.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,7 Prozent auf 24.066 Punkte, der S&P-500 stieg um 1,1 Prozent und der Nasdaq-Composite um 1,7 Prozent.

Die Stimmung wurde von Beginn an aufgehellt durch die von Peking angekündigten Unterstützungsmaßnahmen für die zuletzt schwächelnde chinesische Wirtschaft. Zur Ankurbelung des Wachstums will die chinesische Regierung die Kreditverfügbarkeit für kleinere Unternehmen verbessern, Infrastrukturinvestitionen beschleunigen und die Steuern senken, wie Regierungsvertreter sagten.

Shutdown beeinträchtigt Wachstum

Weiter im Blick stand zudem der sich hinziehende Haushaltsstreit. US-Präsident Donald Trump hat den Kompromissvorschlag des republikanischen Senators Lindsey Graham zur vorläufigen Wiedereröffnung der betroffenen Behörden für rund 30 Tage am Montag mit der Begründung abgelehnt, dass dadurch eine Einigung über den Haushalt nur noch weiter verschleppt werde. Er wolle die Angelegenheit "lösen" und nicht "verzögern", sagte der Präsident zu Reportern im Weißen Haus.

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Unterdessen hat das Weiße Haus die Wachstumsprognosen für die US-Wirtschaft aufgrund des "Shutdown" erneut gesenkt, wie CNBC am Dienstag berichtete. Im ersten Quartal werde jede Woche, die der Behördenstillstand andauere, das Wachstum um 0,1 Prozentpunkte schmälern. Bislang hatte die Regierung eine Beeinträchtigung in diesem Umfang für einen Zeitraum von zwei Wochen veranschlagt. Wenn Behörden und andere öffentliche Einrichtungen wegen des Haushaltsstreits den ganzen Januar geschlossen blieben, dürfte das Wachstum im Quartal um 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfallen, so CNBC. In den neuen Berechnungen seien nun auch Privatunternehmen berücksichtigt, die im Auftrag der Regierung tätig seien.

Konjunkturseitig wurde der Empire-State-Manufacturing-Index veröffentlicht. Er erreichte im Januar einen Stand von 3,9. Erwartet wurde ein Wert von 9,0. Die zur gleichen Zeit publizierten Dezember-Daten zu den Erzeugerpreisen verfehlten ebenfalls die Erwartungen und zeugen von geringem Inflationsdruck. Sie sanken insgesamt um 0,2 Prozent und in der Kernrate um 0,1 Prozent. Ökonomen hatten einen Preisrückgang von insgesamt 0,1 Prozent erwartet und in der Kernrate einen Anstieg um 0,2 Prozent.

Blue Apron hebt ab

Derweil nahm die Bilanzsaison der US-Unternehmen Fahrt auf. Noch vor Handelsbeginn wurden Geschäftszahlen für das vierte Quartal von Unitedhealth sowie JP Morgan und Wells Fargo vorgelegt. Wie bereits am Vortag die Aktie der Citigroup erholten sich auch JP Morgan von frühen Verlusten, nachdem die Zahlen zunächst mit Enttäuschung aufgenommen worden waren. Am Ende gewann die Aktie 0,7 Prozent.

Wells Fargo gaben um 1,6 Prozent nach, nachdem das Institut einen Gewinnrückgang gemeldet hat, der aber nicht ganz so deutlich ausfiel wie von Analysten erwartet. Der Krankenversicherer Unitedhealth hat mit Umsatz und Gewinn die Erwartungen übertroffen und den Ausblick bestätigt. Die Aktie stieg um 3,5 Prozent.

Äußerst positiv wurde der Ausblick von Blue Apron aufgenommen. Die Aktie haussierte um 44 Prozent nach oben, nachdem der Anbieter von Kochboxen für das erste Quartal und das Gesamtjahr 2019 ein positives bereinigtes EBITDA in Aussicht gestellt hat. Seit dem Börsengang 2017 hatte die Aktie massiv nachgegeben.

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Delta Air Lines stiegen um 0,2 Prozent. Zwar hat die Fluggesellschaft im vierten Quartal mehr verdient als erwartet, doch entsprach der Umsatz nur dem Analystenkonsens. Überdies äußerte sich Delta zurückhaltend zu den Ertragsaussichten im ersten Quartal, unter anderem wegen des Shutdown. 

Pfund steigt nach Brexit-Votum

Die Netflix-Aktie stieg um 6,5 Prozent, nachdem das Unternehmen kräftige Preiserhöhungen in den USA angekündigt hat. US-Kunden müssen demnächst je nach Programmpaket zwischen 13 und 18 Prozent mehr bezahlen. Es handelt sich um die größte Preiserhöhung seit dem Start des Streamingdienstes vor zwölf Jahren. 

Am Devisenmarkt konnte sich das Pfund nach der Niederlage Mays erholen. Teilnehmer sagten, offenbar rechne der Markt nicht mit einem No-Deal-Brexit und setze darauf, dass die Deadline für den Austritt Britanniens aus der EU nach hinten verschoben werden könnte. Das Pfund stieg auf 1,2880 Dollar nach knapp 1,27 vor der Abstimmung. Auch zum Euro rückte die britische Devise vor. Von anderer Seite kam die Vermutung auf, es handle sich nur um eine kurzfristige Reaktion.

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Der Euro sackte gegen den Dollar im Vorfeld der Brexit-Abstimmung im Gleichklang mit dem Pfund ab. Er fiel aber auch wegen des Rückgangs beim deutschen Bruttoinlandsprodukt. Dieses wuchs 2018 nicht mehr so stark wie im Jahr davor, wenngleich das Plus von 1,5 Prozent den Erwartungen der Ökonomen entsprach. Im Tief fiel die Gemeinschaftsdevise unter 1,14 Dollar und erholte sich leicht im späten Geschäft auf 1,1410.

Erholung beim Öl, Gold leidet

Die Aussicht auf Wirtschaftsstimuli der chinesischen Regierung verhalf den Ölpreisen zu einer Erholung. Sie hatten am Montag unter der Befürchtung gelitten, dass die chinesische Ölnachfrage konjunkturbedingt zurückgehen könnte. Der neuerdings wieder konziliantere Ton in den Handelsgesprächen zwischen China und den USA stützt laut Marktbeobachtern ebenfalls. Anders als noch vor sechs Wochen preise der Ölmarkt nun immerhin keine Rezession mehr ein, stellen die Analysten des Beratungsunternehmens JBC Energy fest.

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Daneben rückten die US-Sanktionen gegen Iran wieder in den Blick, hieß es. Nach Medienberichten wollen die USA keine weiteren Ausnahmegenehmigungen für den Import iranischen Öls mehr erteilen. Bisher dürfen einige Länder, darunter China und Indien, noch bis Mai iranisches Öl importieren. Zudem wird bei den US-Öllagerdaten am Mittwoch ein Rückgang erwartet. Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI stieg um 3,1 Prozent auf 52,09 Dollar. Brent gewann 2,8 Prozent auf 60,65 Dollar.

Vermeintlich sichere Häfen wurden mit der Erholung der Aktien gemieden. Der Goldpreis fiel um 0,2Prozent auf 1289 Dollar je Feinunze.

Quelle: n-tv.de