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Montag, 13. Oktober 2014

Welt-Index: Europa bremst das globale Wachstum

Mit der sich zuspitzenden Konjunkturflaute in Europa haben nur die wenigsten gerechnet. Die Stabilität in Europas Wirtschaft wurde überschätzt, während der Aufschwung in den USA und in vielen Teilen Asiens positiv überraschen konnte.

"Was wir deutlich erkennen, ist, dass sich die Industrieländer wirtschaftlich auf zunehmend auseinanderlaufenden Pfaden bewegen", sagt Markus C. Zschaber, Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung. Er sondiert monatlich die Verfassung der Weltwirtschaft.

Insbesondere zeigen sich die Unterschiede hinsichtlich Wachstum, Produktionsvolumen und Geschäftslage in der Industriekonjunktur zwischen Europa und dem Rest der Welt. "Wir befinden uns in einer Welt unterschiedlicher Wachstumsgeschwindigkeiten, leider verursacht durch politisches Missmanagement hier in Europa. Wirkliche Strukturreformen wurden versäumt, gleichzeitig wurden geopolitische Entscheidungen getroffen, die sogenannte Rückkoppelungseffekte auf die Realwirtschaft erzeugen, wie die Sanktionen gegenüber Russland", führt Markus Zschaber aus.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Die Schwäche Europas führt aktuell erstmals zu einer Verlangsamung im Expansionstempo der Weltwirtschaft. Noch sind die Stützpfeiler des globalen Wachstums, wie die Wirtschaftsaktivität in den USA und in vielen asiatischen Volkswirtschaften tief verankert und führen zu einer soliden Grundauslastung in der Weltproduktion. Das Abwärtsrisiko bei einem Ausdehnen der Produktionslücke in Europa sollte aber nicht unterschätzt werden. Darin begründet Markus Zschaber auch das Verhalten der EZB, mit neuen milliardenschweren Aufkaufprogrammen entgegen zu wirken.

Interessanterweise zeigen sich die Finanzmärkte aber relativ stabil und diskontieren die Gesamtlage sehr sachlich und unaufgeregt. Viele Aktienmärkte notieren in der Nähe ihrer Höchststände und auch der Dax liegt nicht allzu weit vom Allzeithoch entfernt. Gemessen am Dax-Volatilitätsindex, welcher die erwartete Schwankungsbreite des Aktienindex Dax misst, erreichte dieser in den letzten Wochen und Monaten selten Niveaus oberhalb von 18 Prozent. Im Durchschnitt in 2014 oszilliert der VDax bei nicht mal 15 Prozent. Vergleicht man dies zum Beispiel mit den Niveaus der Eurokrise 2011, dort lag die Volatilität im Dax bei über 40 Prozent. Fast identische Verhaltensweise kann auch an anderen etablierten Aktienmärkten festgestellt werden. Wie ist dies zu erklären?

Nach den Aussagen von Markus Zschaber ist dies zurückzuführen auf den geldpolitische Multiplikator, sprich die dynamische Ausweitung der globalen Geldmenge der zu niedrigsten Zinsen geführt hat und damit der Auslöser für niedrigere Volatilitäten an den Finanzmärkten ist. Trotz aller vermeintlicher Gefahrenherde zeigen die sogenannten Volatilitätsindizes, welche die Schwankungsbreite von Aktienmärkten quantifizieren und nicht selten als Angstbarometer betitelt werden, keinerlei wirkliche Aufregung an.

"Dies ist Ausdruck der sogenannten 'Finanziellen Repression', welche eigentlich rund um den Globus stattfindet. Die Politik des billigen Geldes hat nach meiner Einschätzung ein Umfeld geschaffen, in dem fundamentale Unterschiede zwischen den Aktienmärkten ausgeblendet werden. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Nach unseren Analysen zeigt sich ein belastbarer Trend an, dass die niedrigen Kursschwankungen sogar eine noch niedrigere erwartete Volatilität verursacht, was daran liegt, dass die Schwankungsbreite für viele Investoren als das Risikomaß schlechthin gilt. Je niedriger das Risiko, umso mehr Kapital wird angezogen", so der Vermögensverwalter. Hintergrund ist, dass die niedrigen Zinslevels den weltweiten Anlegern eigentlich keine Alternative mehr zu risikoreicheren Anlagen lassen.

"Ich kenne viele Investorenhäuser die früher ihr Geld nicht in erwähnenswerter Weise in Aktienanlagen investiert haben, die Bereitschaft dazu sieht heute anders aus. Kursrückschläge werden für Nachinvestitionen und Neuinvestitionen genutzt, dass reduziert die Schwankungsbreiten. Gleichzeitig scheint es so, als würden die wenigsten darauf achten, was die Märkte voneinander unterscheidet. Es wird möglichst breit über alle Sektoren und Märkte investiert, was zu den weltweiten niedrigen Schwankungsbreiten führt", konstatiert Markus Zschaber.

Der Kölner Vermögensverwalter sieht diesen strukturellen Druck, welcher die Finanzmärkte beeinflusst sich auf absehbare Zeit auch nicht auflösen. Selbst bei der erwartungsgemäß sehr moderaten Veränderung der geldpolitischen Ausrichtung in den USA und Großbritannien bleibt der geldpolitische Multiplikator durch die EZB, die Bank of Japan und andere Zentralbanken im Fokus des Geschehens.

"Gerade der EZB-Präsident Mario Draghi macht sich zum Erfüllungsgehilfen der Regierungen, dies ist Ausdruck der politischen Marktwirtschaft, welche wir im Rahmen unserer gesamten Analysen zum Welt - Index immer wieder verdeutlicht haben. Die EZB hat die jüngste mit Angst erfüllte Stimmung in der Bevölkerung und bei den Unternehmen genutzt, die Zinsen in Europa erneut abzusenken und neue Liquiditätsprogramme ins Leben zu rufen", so Zschaber weiter.

Der V.M.Z.-Kommentar zum aktuellen Stand

Während in den USA der Konjunkturzyklus weiterhin eine sehr robuste Struktur aufweist und in den letzten Monaten eine Beschleunigung im Konsum und Dienstleistungssektor und die Gesamtnachfrage am Arbeitsmarkt sich dynamisch fortsetzen, erhöhen sich aktuell die Kapazitätsauslastungen im Industriesektor. Dies führte zu einer ansteigenden Preisgestaltungsmacht bei den Unternehmen – sprich zu höheren operativen Margen. Die bessere Preisgestaltungsmacht sowie die abnehmende Schwäche am Arbeitsmarkt und bei den Produktionskapazitäten sollten mit Blick auf 2015 zu einer dynamischen Beschleunigung der Investitionsausgaben führen.

In Asien (Emerging Markets), wie beispielsweise in Indien, Malaysia, Taiwan, Indien, Indonesien sowie in den industrialisierten Nationen des Kontinents, wie in China, Japan und Südkorea, zeigt sich ebenfalls das Expansionstempo zwar heterogen, aber in der Tendenz ansteigend und die vorausschauenden ökonomischen Daten sehen ebenfalls robust aus.

Diese robuste Entwicklung der Weltwirtschaft spiegelt der "Index der Konjunkturdaten" wider, der immer noch ein Expansionstempo von 65 Prozent der Weltwirtschaft anzeigt (Vormonat: 71 Prozent), allerdings sich im Vergleich zum Vormonat abschwächte. Hintergrund ist die Situation in Europa.

"Die Politik in Europa muss jetzt handeln, wir befinden uns auf einem sehr gefährlichen Pfad der Stagnation, von dem ein Abrutschen in tiefere Gefilde sich schnell verselbständigen kann", so der Kölner Vermögensverwalter weiter. In Deutschland sieht das gesamtwirtschaftliche Umfeld zwar insgesamt besser aus, aber auch hier zeigt sich, wie schnell die Stimmung in der Industriekonjunktur sich eintrüben kann. In Deutschland ist die Lage aber immer noch gut, auch wenn sich Zurückhaltung in den Köpfen der unternehmerischen Entscheidungsträger breitmacht. Die Bauwirtschaft, der Konsumbeitrag und der Export verharren auf solidem Niveau in Deutschland und wirken weiterhin als Wachstumsstütze.

Dagegen zeigen sich die Investitionen in Anlagen und Maschinen eher verhalten, seitdem sich der Konflikt in der Ukraine zugespitzt hatte. "Verunsicherung ist spürbar wahrzunehmen bei den Unternehmen in Sachen Ukrainekrise und deren negativen Folgewirkungen durch die Sanktionen. Es baut sich ein Investitionsstau in Deutschland auf, welcher förmlich die schwierige Stimmungslage widerspiegelt. Die Geopolitik und die mangelhaften Strukturreformen in Europa sorgen für eine selbsterfüllende Prophezeiung, ich frage mich ernsthaft wie es sein kann, dass einfache Lernkurven aus der Vergangenheit im politischen Establishment ausgeblendet werden", konstatiert Markus Zschaber. Fakt ist, die Sanktionen gegen Russland im Rahmen der Ukrainekrise kamen zur Unzeit, zu schwer wirken die Belastungen der Eurokrise auf die europäische Konjunkturlage nach.

Aus diesem Grund sieht sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen die Geldversorgung anzukurbeln. Die Befürchtungen, dass sich durch eine abflachende Konjunkturdynamik, sich selbstverstärkende Kräfte, wie eine weitere dynamisch schrumpfende Kreditvergabe durch die Banken an die Realwirtschaft zu einer "Triple-Dip- Rezession" in der Eurozone seit der Finanzkrise 2008/2009 führen könnten, sind nicht zu unterschätzen. Die Reaktion der EZB sind Aufkaufprogramme von verbrieften Kreditfinanzierungen (ABS) und sogenannten Pfandbriefen in einer Höhe von bis zu einer Billion Euro. Noch interessanter aber deutet Markus Zschaber die Botschaften zwischen den Zeilen der Ankündigungen des besagten Aufkaufprogramms auf der jüngsten Pressekonferenz der EZB vor einigen Tagen:

"Ich bin mir sehr sicher, dass die EZB noch ein weiteres Aufkaufprogramm spätestens im ersten Quartal 2015 ankündigen wird und zwar den Aufkauf von Staatsanleihen! Fakt ist, die europäischen Volkswirtschaften schaffen es nicht konjunkturelle Impulse zu setzen, solange sie ihre private Nachfrage nicht stabilisieren", so Zschaber weiter. Da die private Nachfrage in Frankreich, Italien und in weiten Teilen Spaniens im direkten oder indirekten Sinn stark vom öffentlichen Sektor abhängig ist, wird keine nachhaltigere konjunkturelle positive Expansion entstehen können, ohne dass die Staatsausgaben erhöht werden.

Da ein solcher Prozess aber zu steigenden Refinanzierungszinsen für die Staaten führen würde und die Schuldenhöhe bereits über dem erträglichen Niveau liegt, wird die EZB eingreifen müssen, um die Zinssätze nachhaltig niedrig zu halten.

"Am Ende eines Tages werden wir auch Eurobonds bekommen, spätestens wenn wir für die anstehenden Wahlen in 2016 in Griechenland bzw. 2017 in Frankreich den notwendigen politischen Druck bekommen werden", ist sich der Kölner Vermögensverwalter ganz sicher.

Sollten diese Interventionen ausreichen, die Kreditvergabe an die Realwirtschaft und den öffentlichen Sektor zu erhöhen, könnte eine Phase höherer Wachstumsraten für den gesamten Euroraum eintreten. "Die Kosten dieser Maßnahmen liegen allerdings auf der Hand, normalisierte Zinsniveaus wird es auf viele Jahre hinaus nicht mehr geben, gleichzeitig werden auf die deutsche Bevölkerung Zeiten anziehender Inflationsraten zu kommen. Das Thema "Finanzielle Repression" steht auf der Agenda ganz oben, warnt der Vermögensverwalter.

Auch die Überraschungskomponente im Welt – Index, der Index der Erwartungsdaten reduzierte sich auf 62 Prozent. (Vormonat: 67 Prozent). "Die Konjunkturlage in Asien und den USA führt weiterhin zu positiven Überraschungen bei den Marktteilnehmern, während die konjunkturelle Entwicklung in Europa in der Tendenz eher überschätzt wurde. "Es zeigt exemplarisch, wie politisches Missmanagement zu Anpassungen in der Erwartungshaltung von Investoren und Unternehmenslenkern führen, es bedarf hier neuem Vertrauen, dass die Politik endlich eine wachstumsfreundlichere Politik betreibt, endlich Strukturreformen angeht und ökonomisch unnötige Sanktionsspiralen reduziert. Noch sehe ich Spielraum hier die richtigen Impulse zu setzen, aber die Zeit und der Raum um tragfähige Lösungsansätze zu liefern wird zunehmend weniger.

Fazit & Ausblick für Anleger:

"Ich sehe nach wie vor die Chance größer, dass die robuste Stellung der USA und Asiens im globalen Konjunkturzyklus flankiert von einer Politik des extrem billigen Geldes dazu beiträgt, dass die Wirtschaft in Europa sich in ein Umfeld von leichtem Wachstum hineinbewegt, als das Risiko, dass die gegenwärtige Wachstumsschwäche in Europa die Weltwirtschaft herunterzieht", fasst der Kölner Vermögensverwalter sein Weltbild zusammen.

Aus diesem Grund hält Markus Zschaber auch an seinem Plädoyer für Aktien und aktienähnlichen Investments fest: "Ich erkenne nach wie vor, dass gute Unternehmen eine Gewinnrendite zwischen 5 und 6 Prozent erzielen. Wenn ich dies vergleiche mit den Zinsen der Bundesanleihen im zehnjährigen Bereich, dort bekommt der Anleger 1 Prozent. Ich denke dies suggeriert, wo man mit einem mittelfristigen Anlagehorizont die Schwerpunkte im Portfolio setzen sollte, an der Aktie wird kein Weg vorbeiführen."

Der strukturelle Trend an den Aktienmärkten bleibt intakt. Ein zyklisches Wachstum, niedrigste Zinsen und komfortable Gewinnmargen der Unternehmen unterfüttern den nachhaltigen Trend für die Vermögenspreise, was auch die Grundlage des seit fünf Jahren währenden Aufwärtstrends an den Aktienmärkten bildet. Für den langfristigen Anleger möchte Markus Zschaber vor allem die Schwellenländer hervorheben, die neben sehr attraktiven Bemerkungen auch einen größeren Teil der globalen Marktliquidität anziehen sollten.

Veränderungen im Musterportfolio:

Zukäufe aus den letzten 4 Wochen: ETF Emerging Markets, ETF Asia, ETF – China; Great Eagle Holdings (Hong Kong), Taiwan Semiconductor Manufacturing (Taiwan), Hopewell Holdings (Hong Kong), DBS Group Holdings (Singapore), China Mobile (Hong Kong), Leoni, Porsche, Siemens, Deutsche Post;

Haltepositionen: Allianz, Bayer, SAP, Procter & Gamble, VISA, Microsoft, American Express, Fresenius, Lanxess, Duke Energy, Alcoa, FEDEX, EDF, Brenntag, Bertrandt, Aareal Bank, Continental, Symrise, Dürr, BMW, General Electric, Pfizer, Exxon Mobil, 3M, Home Depot;

Verkäufe aus den letzten 4 Wochen: Wacker Chemie, Apple, Garmin, Johnson & Johnson, Merck, Evonik, Axa;

Asset-Allokation: Erhöht werden: Aktien Emerging Markets von 10% auf 15%;

Beibehalten werden: Aktien Large-Caps USA bei 20%; Aktien Large-Caps Europa bei 8%; Aktien Large-Caps Schweiz bei 5%; Staatsanleihen USA bei 6%; Staatsanleihen Emerging Markets bei 5%; Wandelanleihen bei 5%; Unternehmensanleihen bei 6%; Edelmetalle bei 3%; Rohstoffe bei 2%;

Reduziert werden: Aktien Large-Caps Deutschland von 22% auf 18%; Aktien Nebenwerte Deutschland von 8% auf 7%.

Zur Methode: Die Grundlage des Welt-Index ist die Analyse von Wirtschaftsindikatoren aus der ganzen Welt, die eine hohe wirtschaftliche Relevanz und eine hohe Reaktion an den Finanzmärkten mit sich bringen. Diese werden weltweit von Statistikämtern und Forschungsinstituten sowie weiteren hochrangigen wissenschaftlichen Quellen veröffentlicht. In der Endform konzentriert sich der Welt-Index, der aus zwei Komponenten besteht, dem "Index der Konjunkturdaten" und dem "Index der Markterwartungen", auf die monatlich 50 wichtigsten Konjunkturdaten, zugrunde liegen mehr als 1.000 internationale Indikatoren, die monatlich ermittelt und bewertet werden. Die Verknüpfung der Datenreihen in einer nach Dominanzfaktoren gegliederten Gewichtung gibt Aufschluss darüber, in welchem Zyklus und Stadium sich die Weltwirtschaft befindet. Aufgrund der Kombination von frühzyklischen, gleichzyklischen und nachzyklischen Indikatoren sowie der Integration einer Erwartungskomponente ermöglicht der Welt-Index eine sehr genaue Messung des aktuellen Status. Um dieses zu vereinfachen, werden dann zwei Trenddaten erstellt, die Aufschluss darüber geben, wie viele der ermittelten Daten in den vergangenen vier Wochen gefallen oder gestiegen sind.

Das Musterportfolio zum Welt-Index ist nur als begleitende Information zu verstehen und dient nicht als konkreter Anlage-Ratschlag. Die Dr. Markus C. Zschaber Vermögensverwaltungsges. mbH erstellt den Index monatlich exklusiv für die "Welt am Sonntag" und den Nachrichtensender "n-tv". Informationen zum Index unter www.weltindex.com und www.kapitalmarktanalyse.com

 

Quelle: n-tv.de