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Dienstag, 22. Mai 2018

Welt-Handelsindex: Weltkonjunktur erwacht aus Schockstarre

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Die Verschnaufpause ist vorbei, der Welthandel entwickelt sich zunehmend positiv. Auch im Iran-Streit gibt es Hoffnung: China und die EU werden Donald Trump wohl etwas anbieten müssen.

Die Sorgen um einen drohenden Handelskrieg zwischen "China und den USA" und der "EU und den USA" haben sich in den letzten Wochen wieder vergrößert. "Die Rhetorik des US-Präsidenten und seiner Regierungsmitglieder sprechen eine eindeutige Sprache. Er wird sich nicht davon abbringen lassen, das Ungleichgewicht in Sachen Handelsströme zwischen den besagten Wirtschaftsräumen, welches unbestritten vorhanden ist, anzupassen. China und die EU werden Donald Trump etwas anbieten müssen", ist sich Dr. Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung, welche monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht, sicher. Zusätzlich schweben die geo-politischen Spannungen im Nahen Osten rund um das gescheiterte Atomabkommen mit dem Iran, weiterhin wie ein Damoklesschwert über den weltweiten Märkten.

All diese Entwicklungen hatten unter anderem dazu beigetragen, dass die globalen Handelsaktivitäten sich in den vergangenen Monaten abgeschwächt hatten. Ebenfalls hatten die Befürchtungen, dass die weltweiten geldpolitischen Multiplikatoren, welche durch eine strengere Geldpolitik potenziell an Wirkung verlieren und bedeuten, dass zukünftig weniger Kapital in Umlauf kommt, welches die globale Nachfrage refinanziert, zugenommen. Viele Einkäufer, Manager und Unternehmer wurden dadurch zurückhaltender in ihren Aktivitäten. "Eine potenzielle Verknappung der Liquidität bzw. eine mögliche Verteuerung von Fremdkapitalkosten sind Bremsklötze für die Weltwirtschaft und deren Protagonisten. Noch ist die Dynamik bezogen auf was dieses Thema noch nicht besonders groß, sie sollte aber nicht unterschätzt werden", so Zschaber weiter.

Dennoch schaut man auf die aktuellen Entwicklungen, scheint sich die gesamtwirtschaftliche Lage eher zu entspannen und zwar trotz der schwierigen Ausgangslage rund um den Iran und dessen Atomabkommen. Die aktuellen Zahlen zum "Welt-Handelsindex" belegen, der Welthandel verzeichnet eine vermehrt positive Entwicklung, die darauf hindeutet, dass die Verschnaufpause bzw. die Schockstarre der letzten Monate vorerst zu Ende geht und mit einem wieder ansteigenden Trend zu rechnen ist. Der "Welt-Handelsindex" steigt auf ein Niveau von 80,2 Prozent (zuvor 77,7%).

"Die Chancen stehen gut, sofern keine Eskalation im geo- oder handelspolitischen Kontext erfolgt, dass in den kommenden Monaten der Welthandel wieder an Stärke zulegen sollte und damit seiner Funktion als Gradmesser für die Weltwirtschaft gerecht wird. Fakt ist, die Nachfrage nach Laderaum und Frachtkapazitäten übersteigt in eigentlich allen vier Handelssegmenten (Luftfahrt, LKW, Schiene und Schiff) das Angebot", fasst der Kölner Vermögensverwalter die Lage zusammen. Hintergrund ist die starke gesamtwirtschaftliche Entwicklung in allen relevanten Wirtschaftsräumen (USA, EU & Asien), wobei der größte Nachfrageschub aus Asien und den USA kommt. Europa scheint sich noch nicht gänzlich aus der Verschnaufpause befreien zu können. Auf den wichtigsten interkontinentalen aber auch binnenwirtschaftlichen Haupthandelsrouten zwischen "Asien und den USA" und "Europa und Asien" sehen wir hohe Volumina versus knappe Kapazitäten, dieser Trend sollte sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen.

Gerade China zeigt sich in den letzten Wochen wieder von ganzer Stärke. Dies liegt zum einen daran, dass chinesische Güter vermehrt aus den USA, Europa und anderen asiatischen Nationen nachgefragt wurden, aber auch China seinen Importhunger an qualitativen Waren und Dienstleistungen jüngst nochmals steigern konnte. "Das Importvolumen stieg um +21,5% alleine zum Vorjahresmonat und demonstriert die starke Position Chinas. Dies bedeutet, es wurden in den letzten vier Wochen Waren und Dienstleistungen in Wert von über 171 Mrd. US-Dollar importiert. Dass die Werkbank der Welt weiter expandiert, zeigt alleine der chinesische Rohölimport, welcher zuletzt um 14,7% gegenüber dem Vorjahresmonat anstieg", so Zschaber weiter.

China ist weiter auf einem guten Weg, die Exportlastigkeit weiter abzubauen. Fakt ist, die Importe steigen schneller, welches für eine steigende Binnennachfrage spricht. Das chinesische Bruttoinlandprodukt ist im ersten Quartal um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen. Der Anstieg des Elektrizitätsverbrauchs um zehn Prozent lässt zudem auf eine starke Industrieproduktion schließen und mit der Absenkung der Mindestreservesätze für Banken, unterstützt die Zentralbank das Wachstum zusätzlich. Insofern kann von einer höheren Dynamik seitens der Handelsströme in Asien ausgegangen werden, da China der gesamtwirtschaftliche Multiplikator für Asien ist und auch bleiben wird. Hinzu kommt, dass die starke Dynamik zu höheren Einnahmen der Regierungen führen wird, welches wiederum mehr fiskalpolitischen Raum schafft, beispielsweise für Infrastrukturinvestitionen, die wiederum ein höheres binnenwirtschaftliches Handelsvolumina in Asien mit sich bringen würden. "Die Zeichen stehen gut, dass aus Asien die operative Performance für den Welthandel erreicht werden kann, die ein weiteres Ansteigen der globalen Handelsdynamik auslöst", resultiert Markus C. Zschaber.  

Fakt ist, der Industriezyklus hat in den letzten vier Wochen vor allem in Asien und den USA zu einem wiederkehrenden und sich verbessernden Konjunkturtrend geführt, dies zeigen eindeutig die Frühinkatoren des "Welt-Handelsindex". Vor allem die Umschlagsmengen von Produktions- und Konsumgütern konnten sich im internationalen Kontext positiv entwickeln. Zukünftig unterstützend sollte der Trend zu mehr fiskalpolitischen Investitionsprogrammen in den USA wirken, denn milliardenschwere Infrastrukturprogramme werden die Binnenmarktaktivität in den USA dynamisch ankurbeln.

In Europa zeigt sich in den letzten Wochen zwar eine erste mengentechnische Belebung des interkontinentalen Handels mit Asien und den USA, allerdings konnten noch nicht die Niveaus  von Anfang des Jahres erreicht werden. "Gerade Deutschland kommt noch nicht so richtig in Fahrt. Dies sollte sich aber bei zunehmender Konjunkturdynamik in Asien und rund um China, sowie in den USA, in den kommenden Wochen ändern. Gerade deutsche Hersteller von Investitionsgütern wie Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge sollten von einer verbesserten Nachfrage aus Übersee profitieren", analysiert der Vermögensverwalter.

Zusammengefasst sieht Markus C. Zschaber folgendes Szenario: "Unser Haus quantifiziert eine weitere Belebung des Welthandels aus Asien heraus, aber auch in den USA. In Europa stimmen die Zahlen noch nicht, sollten aber zunehmend besser werden. Diese drei Wirtschaftsregionen werden den Welthandel in Sachen Zuwachsdynamik in 2018 dominieren."

Risiken für den Welthandel basieren in erster Linie auf einer Spirale der wechselseitigen Strafzölle und immer neuen Vergeltungsschritten (Handelskrieg) zwischen den "USA und China" und den USA und dem Rest der Welt. "Hinzu kommt, dass die US-Geldpolitik sich seit Donald Trump primär in eine nationale Kosten-/Nutzenfunktion in ihrer Politikausrichtung integriert hat und die wechselseitigen Effekte zur Weltwirtschaft vernachlässigt. Dies führt zu einer eigentlich ungewollten Stärke des US-Dollars, die wiederum diversen Emerging Markets zu schaffen macht. Gerade in den Emerging Markets mit hohen Leistungsbilanzdefiziten und hoher Verschuldung in US-Dollar (u.a. Türkei, Argentinien, Brasilien), können bereits ökonomische Verwerfungen erkannt werden", warnt der Experte eindringlich. Politische Risiken jeglicher Couleur bleiben somit die wesentlichen Faktoren, die eine weitere Aufschwungsphase begrenzen oder eingrenzen könnten. Andersherum könnte gerade der Investitionszyklus, bei Ausbleiben großer politischer Instabilitäten, der große Performer im Welthandel, neben den Konsumgüterströmen, werden. „Fakt ist, die Produktionen laufen eigentlich rund um den Globus auf Hochtouren. Sprich die Industrienachfrage nach Produktionsgütern, Rohstoffen, Technologien und wichtigen Dienstleistungen etc. steigt kontinuierlich an. Dieser Trend sollte nicht waghalsig durch die politischen Akteure rund um den Globus riskiert werden, “ resümiert Zschaber.

Was bedeutet das für den Anleger?:

Sofern nicht eine erhebliche geopolitische Krise oder Extremrisiken, wie ein völlig außer Kontrolle geratener globaler Handelsstreit, zwischen den großen Volkswirtschaften (EU, Asien und USA) oder eine außer Kontrolle geratene Inflation in besagten Wirtschaftsräumen eintreten, sollten die Finanzmärkte attraktive Renditen auch im weiteren Verlauf des Jahres 2018 ermöglichen. Daraus resultiert, dass nach wie vor gute Chancen für Anleger mit einem global ausgerichteten Portfolio bestehen, welches am soliden Wirtschaftswachstum partizipiert. Gerade die Bewertungen von risikoorientierten Anlagen wie beispielsweise Aktien, liegen auf Grund der soliden Verfassung der Weltwirtschaft nicht im Bereich einer Spekulationsblase. Teilweise notieren beispielsweise deutsche Aktien, gemessen am DAX, sogar deutlich unter ihrem historischen Bewertungsschnitt und dieses bei einer gesunden Auftragslage. Unternehmen, die zum einen global agieren und diversifiziert sind, die über starke immaterielle Vermögenswerte verfügen und zum anderen innovativ, wenig kapitalintensiv und gut geführt sind, bleiben die Perlen und der Ertrag für jedes Depot, dass gilt auch in 2018.

Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF's auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren.

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weißt der Welt - Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welthandelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "manager-magazin-online" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de