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Der Rücksetzer im Welt-Handelsindex dürfte nur zyklischer Natur sein.
Der Rücksetzer im Welt-Handelsindex dürfte nur zyklischer Natur sein.
Montag, 19. Februar 2018

Welt-Handelsindex: Welthandel macht Atempause

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Das chinesische Neujahrsfest führt zu einem kurzfristigen Rückgang im Welt-Handelsindex. Doch die fundamentale Dynamik bleibt gut - solange der US-Präsident keinen Handelskrieg vom Zaun bricht.

Die globale Handelsdynamik durchläuft in den letzten vier Wochen eine zyklische Atempause. Nach den hohen Auslastungen der Transportkapazitäten in den letzten Monaten scheint die Nachfrage aktuell wieder etwas rückläufig zu werden, was aber auf zyklische Effekte zurückzuführen ist, unter anderem durch das chinesische Neujahrsfest, das kürzlich begonnen hat. "Die jüngsten Aussagen zur nationalen Handelsstrategie seitens der US-Regierung hat viele Marktteilnehmer überrascht und das globale Bild etwas restriktiver werden lassen", sagt Markus C. Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung, die monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht.

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"Der immer wieder angedrohte Protektionismus gegenüber China und der EU wurde bis dato als reine Rhetorik eingestuft und konnte den Welthandel nicht stören. Die jüngsten und konkreten Androhungen, Strafmaßnahmen auf Importe von Stahl, Aluminium, Solarzellen und geistiges Eigentum in die USA anzuwenden, welches einer strukturellen Veränderung der globalen Handelsordnung entsprechen würde, ist eine ganz neue Qualität der Geschehnisse", konstatiert Zschaber.

Der "Welt-Handelsindex" fällt auf ein Niveau von 81,5 Prozent (zuvor 84,9 Prozent) zurück. Zyklische Effekte und die Furcht vor einer protektionistischen Welle ausgehend aus den USA waren die Hauptgründe. Eine Atempause konnte vor allem in Asien quantifiziert werden, da Asien weiterhin die Hauptumschlagsregion im Austausch von Waren und Dienstleistungen bleibt, unabhängig von den Transortwegen. Gerade in den vergangenen Monaten war hier die höchste Dynamik im Handel von allen Volkswirtschaften zu erkennen gewesen. Diese positive Dynamik hat jetzt erstmals einen Rücksetzer vollzogen, was auf die allgemein eher schwächere, globale Industriekonjunktur zurückzuführen ist.

Asien ist und bleibt Zünglein an der Waage

Vor allem in China konnte eine spürbare Verlangsamung in der industriellen Fertigung quantifiziert werden, was aber eindeutig auf das chinesische Neujahrsfest zurückzuführen ist. "Die Niveaus sind nach wie vor im expansiven Bereich, bezogen auf den weltweiten Austausch von Waren und Dienstleistungen. Es hat sich derzeit nur die Geschwindigkeit in diesem Nachfrage- und Expansionszyklus reduziert, dieses ist derzeit noch kein Grund zur Besorgnis", so Zschaber weiter.  

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Ausnahmen bestätigen die Regel: Positive Entwicklungen seitens der Handelsdynamik gab es aus Indien, Japan, Südkorea und Taiwan, hier konnten stabile Wachstumsraten per Container und Luftfracht auch in den letzten vier Wochen quantifiziert werden. Dies reichte allerdings noch nicht aus, um ein mengentechnisches Gegengewicht zum chinesischen "Nachfragerückgang" aufzubauen. "Fakt ist, Asien ist und bleibt in Sachen Handelsdynamik das Zünglein an der Waage. Nach unseren Modelberechnungen zur Prognose zukünftiger Verlaufsformen des Welthandels, sollten wir allerdings keine Korrektur im Welthandel erleben", so Zschaber.

"Die nach vorn ausgerichteten Daten zeigen weiterhin für das erste Quartal 2018 ein expansives und stabiles Level im Welthandel an. Spätestens im kommenden Monat sollten wir entsprechende, statistische Kompensationseffekte aus China feststellen, welche wiederum die globale Nachfrage quantitativ positiv beeinflussen werden. Sofern keine Eskalation durch die Trump-Regierung in Sachen Protektionismus erfolgt oder aber auch dass in den letzten Tagen aufgeflammte Thema um Indien und seine Handelszölle nicht zu dominant wird, sollte es bei einem stabilen und kontinuierlichen Wachstum bleiben ", fasst Zschaber zusammen.

Ebenfalls für einen weiteren positiven Trend im Welthandel spricht, dass sich der Investitionszyklus trotz etwas schlechterer Stimmung in den Chefetagen der Industrie weiter belebt hat. Und dieses gilt sowohl für Europa als auch die USA. Diese Investitionen sollten der große Performer im Welthandel, neben den Konsumgüterströmen, in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 werden. Die Produktion läuft vielerorts auf Hochtouren. In Europa sind Frankreich, Spanien, Österreich, die Schweiz, Skandinavien und Deutschland an erster Stelle zu nennen. Aber auch die Konjunkturlage in den USA, gerade in vielen Fertigungsbranchen, läuft derzeit mit hohem Tempo. "Unsere Datenanalysen zum 'Welt-Handelsindex' sprechen hier eine eindeutige Sprache. Die Industrienachfrage nach Produktionsgütern, Rohstoffen, Technologien und wichtigen Dienstleistungen, sollte bis auf weiteres keine strukturelle Schwäche durchlaufen", erklärt Zschaber.

Japan profitiert

Ebenfalls einer der Hauptprofiteure ist und bleibt unter den aktuellen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen eindeutig Japan. Gerade die Nachfrage aus Europa, den USA und natürlich China haben das japanische Exportwachstum von Waren und Dienstleistungen sehr stark angekurbelt. Zugute kam der japanischen Konjunktur sicherlich auch der schwache Yen. Während die USA ebenfalls in 2018 ihre Exporte durch den schwachen US-Dollar steigern sollten, sehen wir in Europa vor allem die Handelsströme im Binnenmarkt mit weiterhin großen Wachstumschancen. Interessant wird sein, ob Deutschland durch seine aktuell noch höhere interne Wettbewerbsfähigkeit, die in der Krise verlorenen Marktanteile auch in der Eurozone zurück gewinnen kann. 

Die globale Analyse zeigt trotz der jüngsten, zyklischen Abschwächung, dass derzeit eine grundsätzlich positive Anpassung auf der Nachfrageseite durchlaufen wird. Dies bedeutet wiederum, die Produktionsmengen sollten weiter ansteigen und der Weltwirtschaft weiteren Auftrieb verleihen. "Das globale Nachfragedreieck aus steigenden Unternehmensinvestitionen, steigender privater Konsumnachfrage und einer erhöhten staatlichen Investitionsbereitschaft und Nachfrage, bilden das Fundament für den Welthandel", so Zschabers Fazit.  

Das größte Risiko für den Welthandel bleibt ein eskalierender Handelsstreit zwischen den USA und China oder weiteren Ländern. Ein solches Szenario hätte das Potenzial den gesamten Welthandel und insbesondere Deutschland als große Exportnation in eine rezessive Entwicklung zu drängen. Der Welthandel ist kein Nullsummenspiel, auch nicht für die USA, dies sollten Donald Trump und alle Beteiligten verstehen. Die EU sollte allerdings größten Wert und Eile darauf legen, ihre eigenen Freihandelsabkommen mit anderen wichtigen Partnerländern umzusetzen. Europa müsste sich gemeinschaftlich gerade den offenen Märkten in Asien und anderen Teilen der Welt aktiv zuwenden, um das eigene Geschäftsmodell zu diversifizieren.  

Was bedeutet dies für den Anleger

Die fundamentale Überzeugung ist, dass mit Blick auf die Großwetterlage an den Finanzmärkten und in der Weltwirtschaft, zum einen negative Überreaktionen niemals ein guter Ratgeber sein können und zum anderen die gesamtwirtschaftliche Verfassung der Weltwirtschaft als sehr solide betrachtet werden kann. Auch in 2018 wird es wieder Skaleneffekte geben, die wiederum ganz automatisch durch die positive Anpassung der Nachfrage entsprechende konjunkturelle Impulse liefern werden.

Davon werden gute Geschäftsmodelle in vielen Unternehmenssektoren profitieren können, sprich Umsätze werden steigen und damit auch die Gewinndynamik, dies sollte die Stimmung an den Weltbörsen nachhaltig stabilisieren. Der sogenannte "Momentum-Changer" im negativen Sinnbild wäre eine Eskalation im US-Handelsstreit mit China, der EU oder aber auch anderen Länder. Hier muss der Anleger sehr wachsam agieren.

Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF`s auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren. Informationen hierzu finden Sie auch unter www.kapitalmarktstudie.de

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weist der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weist der Welt-Handelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal, sprich auf Höhe des Potenzialwachstums. Unter Potenzialwachstumsraten werden die Zuwachsraten, mit dem der Welthandel mittel- bis längerfristig unter normaler Ausnutzung aller Kapazitäten wachsen wird, verstanden. Konjunkturelle Schwankungen werden zur Berechnung des Potenzialwachstums absichtlich nicht berücksichtigt. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "manager-magazin-online" und dem "n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

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Quelle: n-tv.de