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Montag, 20. November 2017

Welt-Handelsindex: Welthandel beschleunigt sein Wachstum

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Auf der Straße, der Schiene, zu Wasser und in der Luft beschleunigt sich der weltweite Handel. Die Frühindikatoren des Welt-Handelsindex deuten darauf hin, das Handels- und Wirtschaftswachstum sich auch weiter gegenseitig stärken werden.

Gemessen am Transport- und Logistikvolumen sowie an den Bestellmengen und anderen handelsspezifischen Kennzahlen, erreicht der "Welt-Handelsindex" über alle vier primären Handelswege (Luft- See-, Straßen- und Schienenfracht), mit einem Niveau in Höhe von 85,8 Prozent, erstmals wieder seit 2006 das Expansionsniveau. "Wir erkennen somit erstmals seit 2006 wieder strukturelles Wachstum im Welthandel und nicht mehr nur rein zyklisches Wachstum und zwar auf allen vier Handelswegen. Hervorgestochen sind dabei jüngst vor allem die Transportvolumina in der Luftfracht und die Fracht über die Straße", fasst Dr. Markus C. Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung aus Köln, die monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht, zusammen.

Abgeleitet aus dem jetzigen Ergebnis des "Welt-Handelsindex" sind somit Wachstumsgrößen in den kommenden 12 Monaten für den gesamten Welthandel von rund 5 Prozent durchaus erreichbar. Im aktuellen Jahr sollte nach Angaben von Zschaber der Welthandel zwischen 4 und 4,5 Prozent gewachsen sein.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

"Ein wichtiger Faktor für die Belebung des Welthandels ist die Tatsache, dass sowohl in allen wichtigen Industrienationen als auch in vielen Schwellenländern die Investitionen seitens der Unternehmen steigen, was darauf schließen lässt, dass die Produktionen auf Hochtouren laufen. Sprich die Industrienachfrage nach Produktionsgütern, Rohstoffen, Technologien und wichtigen Dienstleistungen steigt derzeit kontinuierlich mit hoher Dynamik", so der Experte. Ebenfalls ein wichtiger Indikator, der das aktuelle Potenzial im Welthandel widerspiegelt, sind die außergewöhnlich guten Zahlen der Lkw-Bauer rund um den Globus. Ihre Umsätze wuchsen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 22 Prozent, selbst im Lateinamerika stiegen besagte Umsätze. Auch die Auftragseingänge wuchsen in den letzten drei Monaten um über 30 Prozent.

"Daraus resultiert als ein Indikator, dass mehr Beförderungs- und Nutzfahrzeuge benötigt werden, um beispielsweise produzierte und bestellte Ware zu transportieren, jetzt und auch in der Zukunft. In den USA war ableitend von dieser Situation immer von höheren Auftragseingängen und einer starken Industrienachfrage auszugehen. In vielen Branchen wird derzeit investiert, und eine neue Lkw-Flotte ist eine Investition für die Zukunft und zwar in vielen Branchen weltweit", so Zschaber weiter.

Die gute Lage im Welthandel spiegelt sich auch in den Exporten in den wichtigsten Industrienationen und aufstrebenden Wirtschaftsräumen wieder. Vor allem auf den  wichtigen Handelsrouten zwischen Asien und Europa sowie zwischen Asien und den USA ist ein sehr expansives Niveau seit ein paar Monaten zu beobachten. Insgesamt stiegen in Asien die Exporte im Jahresvergleich erneut deutlich an. Ob um über 27 Prozent wie beispielsweise in Südkorea und Taiwan oder um mehr als 25 Prozent in Indien, diese Veränderungen verdeutlichen die hohe Handelsdynamik.

Auch die Exportdaten aus Deutschland oder aus Japan sowie aus den USA zeigen einen sehr positiven Trend. "Ganz besonders gefällt mir die weitere Entwicklung der Güterströme aus und nach Europa. Es sieht so aus, als würden wir einen konjunkturellen Impuls endlich in Europa erleben. Ich rechne mit einer Belebung im globalen Logistiksektor in den kommenden Monaten", ergänzt er. Fakt ist, die sehr hohen Stimmungsindikatoren in den Schwellenländern sowie in den Industrienationen verweisen daraufhin, dass der allgemein positive Trend noch weiter andauern sollte.

An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, dass neben den für den Welthandel wichtigen globalvernetzen Handelsrouten auch die Binnenwirtschaft, gerade in den Industrienationen sowie in vielen Teilen Asiens, ein sehr robustes Nachfragevolumen nach kurz- und langlebigen Waren sowie nach Dienstleistungen anzeigt. Gerade der Online-Handel ist hierbei eine der ganz wichtigen Komponenten des Welthandels geworden, die letzten Jahre wuchs der Online-Handel weltweit um mehr als 20 Protzen pro Jahr. Mittlerweile macht der Onlinehandel in China sogar 15 Prozent oder in den USA 10 Prozent des gesamten Einzelhandels aus. Die Marktdurchdringung sollte sicherlich weiter zulegen, denn auch in den letzten vier Wochen waren die Einzelhandelsdaten in allen relevanten Regionen ordentlich. Zudem steht das Weihnachtgeschäft vor der Tür, die Prognosen sehen vielversprechend aus, dass in den kommenden Wochen starke Absätze zu erzielen sind.

Weiterhin existiert kein wirklicher Inflationsdruck, so dass die Leitzinsen der großen Notenbanken bis auf weiteres auf niedrigen Niveaus verharren dürften, trotz der Zinsänderungsstrategie in den USA. Daraus resultiert aus gesamtwirtschaftlicher Sichtweise ein positives Klima sowohl für private als auch staatliche Investitionen. "Gerade was den globalen Investitionszyklus betrifft sehe ich weiteren Spielraum, vor allem wieder in den USA, aber auch in Europa sowie in Asien", stellt Zschaber fest. Für den langfristigen Ausblick des Welthandels sieht der Vermögensverwalter aber als ganz entscheidenden Faktor an, dass die befürchteten Handelshemmnisse gerade mit Großbritannien und den USA oder Europa, keine Eskalation erleben.

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Die Zuversicht an den Weltmärkten ist groß, dass endlich nach Jahren der unterproportionalen Entwicklung, gemessen am Potenzial der Weltwirtschaft, wieder ein Niveau erreicht wird, welches den Welthandel zurück in ein nachhaltig expansives Umfeld führen könnte. "Diese Chance für viele Nationen, teilzuhaben am globalen Wachstum, sollten wir nicht durch politische Fehlleitungen riskieren. Protektionismus und falsche Rhetorik sind in diesem Kontext Gift für den Welthandel!", mahnt Zschaber.

Weitere Risiken für den Welthandel sind womöglich zu steil ansteigende Zinskosten in den USA. Darüber hinaus bestehen geopolitische Risiken wie zum Beispiel in Nordkorea oder politische Risiken wie die Wahlen in Italien. 

Außerdem könnte die gezielte Reduktion der staatlichen Nachfrage in China im kommenden Jahr ein selektives Risiko für den Welthandel darstellen. Die chinesische Regierung hat jüngst in diesem Zusammenhang nochmals betont, zu mehr qualitativen Wachstum zurückkehren zu wollen, was bedeutet, dass die staatlichen Investitionsprogramme dynamisch zurück gefahren werden und der Konsument und die Dienstleistung gestärkt werden sollen. "Ich sehe im strukturellen Wandel Chinas so lange kein gesamtwirtschaftliches Problem für den Welthandel, als dass die positiven Binnenmarkteffekte die abnehmenden außenwirtschaftlichen Entwicklungen über-kompensieren", so Zschaber weiter.

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Das Gesamtbild im Welthandel ist somit auf solidem Fundament gebaut. Davon profitieren nicht zuletzt auch die angesprochene Weltindustrieproduktion und damit der globale Investitionsgüterzyklus. Sofern die jetzigen Analysen richtig sind, sollten sich die Kapazitäten im verarbeitenden Gewerbe weiter erhöhen. Der jüngste Anstieg der Auftragseingänge in der Industrie in vielen Regionen der Welt lässt erwarten, dass die Industrieproduktion in den kommenden Monaten wieder anzieht. Dies ist als Reaktion auf die robuste Nachfrage entlang der gesamten internationalen industriellen Wertschöpfungskette zu verstehen und damit als der wichtigste Beweis für den ordentlichen Status in der Weltwirtschaft.

Was bedeutet das für den Anleger:

Die global gute Konjunktur spiegelt sich auch in der Gewinnberichterstattung der Unternehmen wider. Ein Ende dieser erfreulichen Entwicklung ist noch nicht in Sicht und spricht weiterhin für Aktien. Gerade zyklische Aktien aus Europa stehen vorerst weiter im Aufwind aber auch ein Blick auf die Schwellenländer lohnt sich. US-Aktien bleiben weiterhin attraktiv, sofern die US-Notenbank nicht zu stark die geldpolitischen Zügel anzieht und Präsident Donald Trump seine Steuersenkungsprogramme durch den Kongress bringen kann.

Das "A und O" neben der Analyse der großen Zusammenhänge und Trends ist die Auswahl der Investments, Qualität und Diversifikation sind hier die entscheidenden Kriterien. An erstklassigen Unternehmen mit einem starken Geschäftsmodell, einem guten Management und einer substanzstarken Bilanz kommt derzeit kein Investor vorbei. Risiken verifiziert Vermögensverwalter Zschaber in erster Linie auf den Zinsmärkten. Sollten die Zinsen zu steil ansteigen, könnte dies kurzfristig negative Folgen für die Aktienmärkte haben. Ansonsten sollte der Anleger auch weiterhin auf die geopolitischen Entwicklungen in Nordkorea Acht geben. Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandels-portfolio erfolgen.

Informationen hierzu finden Sie auch unter www.kapitalmarktstudie.de

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weißt der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welt-Handelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal, sprich auf Höhe des Potenzialwachstums. Unter Potenzialwachstumsraten werden die Zuwachsraten, mit dem der Welthandel mittel- bis längerfristig unter normaler Ausnutzung aller Kapazitäten wachsen wird, verstanden. Konjunkturelle Schwankungen werden zur Berechnung des Potenzialwachstums absichtlich nicht berücksichtigt. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "manager-magazin-online" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de