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Montag, 17. Dezember 2018

Welt-Handelsindex: Hoffnung für den Welthandel kehrt zurück

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Der Handelsstreit zwischen den USA und China entscheidet über Wohl und Wehe des Welthandels. Das jüngste Tauwetter zwischen den Konfliktparteien macht Hoffnung - doch weitere Maßnahmen müssen folgen.

Der alles entscheidende Faktor für die weitere Entwicklung des Welthandels in 2019 ist der zukünftige Verlauf der Handelsstreitigkeiten zwischen den wirtschaftlichen Supermächten USA und China. Derzeit ist durchaus mit Entspannungspotenzial zu rechnen: Zum einen schuf der G20 Gipfel eine neue Ausgangssituation für beide Machthaber, also Donald Trump und Xi Jinping, zum anderen signalisierte die aktuelle Aussetzung der Strafzölle Chinas auf US-Autos zumindest eine kurzfristige Entspannung.

Aber auch ein weiterer Schritt, nämlich in Richtung EU und Autozölle, müsse kommen, damit es auch für unseren Kontinent ein Signal für unser Wirtschaft und den zukünftigen Verlauf gibt. "Die Welt muss wieder erkennen, dass nur ein offener aber regelbasierender Welthandel eine Win-Win-Situation für alle darstellen kann. Dafür bedarf es allerdings gerade seitens der USA, aber auch seitens der EU und in vielen Nationen in Asien handelsspezifische Übereinkünfte, die Nachhaltigkeit und Konstanz verkörpern", fasst Dr. Markus C. Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung in Köln, welche monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht, die aktuelle Situation zusammen.

Die Globalisierung müsse wieder der positive Einflussfaktor, quasi das Narrativ für die Weltwirtschaft auch in den Köpfen der Regierungen und Unternehmenslenker werden. "Mit Blick auf die Historie bleibt festzuhalten, dass das Wachstum des Welthandels nicht denkbar gewesen wäre, ohne den Abbau von Zöllen und anderen Handels-Hemmnissen."

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Doch trotz der offensichtlichen Vorteile der internationalen Arbeitsteilung schotten sich viele Staaten weiterhin ab, die Industrieländer wehren sich mit Handelsbarrieren und Subventionen gegen billige Agrarprodukte aus Entwicklungsländern und hindern diese Staaten so daran, ihren Lebensstandard zu heben. Viele Schwellenländer schützen umgekehrt ihre Industrien mit Zöllen und schotten ihre Dienstleistungsmärkte ab. Den ärmsten Ländern fehlen häufig die Möglichkeiten, sich in die Weltwirtschaft zu integrieren, weil es an einer verlässlichen Infrastruktur und einer wachstums-förderlichen Wirtschaftspolitik mangelt.

"Es existieren somit ausreichend Projekte und Programme, mit denen sich die Weltpolitik auseinandersetzen sollte, um die Globalisierungseffekte weiter zu optimieren. Was es ganz sicher nicht bedarf, ist ein Donald Trump, der die Erfolge der globalen Arbeitsteilung und der effizienten Märkte leugnet, ignoriert und rückabwickeln möchte. Daraus folgt, der handelsspezifische Kurs der USA sowie die Schwächung der Welthandelsorganisation sorgen bei vielen Unternehmen, die ein globales Geschäftsmodell aufgebaut haben, für große Unsicherheit", fasst Zschaber zusammen.

Der ganz große Eckpfeiler des Welthandels war in 2018 zum einen die Handelsdynamik auf den großen Binnenmärkten wie etwa in den USA, der EU, China, Indien und der grenzübergreifende Binnenmarkt in Asien und in den Tigerstaaten. Hier konnten sehr große und zusätzliche Handelsvolumina in den vergangenen Monaten quantifiziert werden. "Darüber hinaus befand sich der globale Dienstleistungssektor förmlich in einer Boomphase", so Zschaber weiter. Der Vermögensverwalter aus Köln ist sich sicher, dass diese beiden Segmente die dynamischen Motoren des Welthandels waren, so dass trotz aller politischen Manöver, wie etwa der Handelskrieg, der Brexit, die Finanzkrise in Italien und andere protektionistischer Entwicklungen, der weltweite Handel in 2018 mehr als 3,5 Prozent gewachsen sein sollte.

Der Handelskrieg ist und bleibt das dominante Thema im Gesamtkontext des Welthandels, der Realwirtschaft und der Weltfinanzmärkte. Viele Unternehmen aus allen Regionen der Weltwirtschaft haben sich zu dieser Themenlage sehr besorgt geäußert, nicht wenige befürchten sogar eine harte Landung der Weltwirtschaft. "Nach meiner Einschätzung sind die Ängste vor einer anstehenden Rezession stark übertrieben und unrealistisch."

Die Wirtschaftsschwäche in Europa, Deutschland und Japan basiert auf vorübergehenden Phänomenen, wie den Engpässen in der Autoindustrie, niedrigen Wasserständen auf Schifffahrtswegen sowie der Taifunkatastrophe und dürfte entsprechend begrenzt bleiben. Auch in den USA sollte der fiskalische Stimulus der Trump-Regierung im kommenden Jahr noch anhalten, während China die eigenen Stabilisierungsmaßnahmen erhöht. Unser Haus kalkuliert daher für 2019 mit einem Weltwirtschaftswachstum in Hohe von etwa 3,5 Prozent. Der makro-ökonomische Saldo der globalen Handelsdaten, welche wir im "Welt-Handelsindex" gewichten und verdichten, beträgt dementsprechend aktuell 79,1 Prozent.

Was bedeutet dieses für den Anleger:

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Die politischen Risiken hängen wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Einmal ist es der internationale Handelskrieg, ausgelöst durch die USA oder die restriktivere Zinspolitik der US- Notenbank, dann wiederum die Sorgen um den Brexit oder die negativen Konsequenzen aus der fragwürdigen Wirtschafts- und Finanzpolitik der neuen Regierung in Italien, welche die Weltfinanzmärkte beeinflussen und alles andere überschatten.

Höhere Schwankungen sind somit auch zukünftig zu erwarten, aber es werden sich Gelegenheiten bieten. Gerade bei Unternehmen, die oben auf der Wertschöpfungskette angesiedelt sind, sieht der Geldmanager besondere Attraktivität. Diese Unternehmen sollten imstande sein, höhere Kosten, die durch mehr Protektionismus anfallen können, an die Abnehmer weiterzureichen und ihre operativen Margen zu schützen. Gerade aktive Anleger sollten hier ganz genau hinsehen.

Trotz der wahrscheinlichen Abflachung der Weltkonjunkturkurve sollte das globale Wachstum noch eine ganze Weile oberhalb der Potenzialrate liegen. "Eine kräftige Abkühlung des Welthandels oder gar eine Rezession lassen die Daten zum "Welt-Handelsindex" nicht erkennen. Daraus resultiert, dass die Wachstumskräfte weiterhin positiv verlaufen sollten, doch nehmen trotz des positiven Grundszenarios die Unterschiede zwischen den Ländern und Regionen zu.

Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF`s auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren. Informationen hierzu finden Sie auch unter www.kapitalmarktstudie.de

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weißt der Welt - Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welthandelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "manager-magazin-online" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de