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Montag, 19. März 2018

Welt-Handelsindex: Handel unter Einfluss von Trump

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Die Gefahr eines spiralförmigen Handelsstreits, welcher sich wechselseitig immer stärker ansteckt, ist definitiv gegeben.

Der "Welt-Handelsindex" fällt auf ein Niveau von 79,2 Prozent (zuvor 81,5%) zurück. Hintergrund ist unter anderem die verschärfte Rhetorik des US-Präsidenten, neben den bevorstehenden Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte noch weitere Zölle auf Importprodukte einzuführen. Außerdem steigen die Sorgen, dass mit entsprechenden Gegenmaßnahmen seitens der EU oder aus Asien zu rechnen ist. Glaubt man den jüngsten Aussagen von Donald Trump, würden auf solche Gegenmaßnahmen aus Europa und Asien wiederum noch schärfere Zölle oder Steuern auf importierte Waren und Dienstleistungen in die USA folgen. Die Gefahr eines spiralförmigen Handelsstreits, welcher sich wechselseitig immer stärker ansteckt, ist definitiv gegeben.

Nicht wenige Marktteilnehmer aus Politik und Wirtschaft stellen sich nach den bisherigen Ereignissen die berechtigte Frage, ob es das schon wieder war mit dem Konjunkturturbo, welcher den Welthandel in den letzten beiden Jahren maßgeblich beeinflusste.

"Unsere Auswertungen der vielen Datenmengen, welche unser Haus im Rahmen der monatlichen Konzeption des "Welt-Handelsindex" auf allen vier primären Handels- und Transportwegen einsammelt und analysiert, sprechen eine eindeutige Sprache. Es existiert seit einigen Wochen eine zunehmende Zurückhaltung an vielen Stellen der Prozesskette des Welthandels. Die Stimmung hat sich bis auf die Handelsaktivtäten in den Binnenmärkten eingetrübt. Während im Januar noch regelrechte Euphorie im gesamten interkontinentalen Handel vorherrschte, welches wiederum eine hohe Planungs- und Bestelloffensive für den gesamten Welthandel bedeuten sollte, ist davon aktuell nicht mehr viel übrig geblieben", fasst Dr. Markus Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung, welche monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht, zusammen.

Schuld daran ist natürlich der aufkommende Protektionismus. Die Handelskriege aus der langen Historie des Welthandels untermauern regelrecht die horrenden Kosten und die vielen negativen Effekte die hierbei zukünftig entstehen könnten. Dennoch, mit der Aussage von Donald Trump, dass die Freunde und Feinde Amerikas sich jahrelang auf Kosten seines Landes bereichert haben und dass dies jetzt ein Ende haben wird, hat der US-Präsident klar gemacht, dass er Handelszölle umsetzen wird.

Was möchte er aber damit bezwecken? "Im Übertragenen Sinn möchte Donald Trump, dass beispielsweise in Berlin genauso viele US-Autos fahren, wie in Washington deutsche Autos. Das dieses vollständig jeglicher internationalen Wettbewerbstheorie widerspricht, scheint dem US-Präsidenten nicht klar zu sein. Fakt ist, dass internationale Arbeitsteilung sehr effizient ist und faktisch den Wohlstand insgesamt erhöht. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, war der Freihandel über die letzten Jahrzehnte stets das Schmiermittel für die Räder der Weltwirtschaft", so Zschaber. Die Historie des Handelns lehrt unmissverständlich, wenn eine Nation, eine Region oder ein Unternehmen, eine Sache besser macht als ein Anderer, dann sollten beide miteinander Handel betreiben.

Für den Vermögensverwalter ist dabei aber ganz entscheidend:  Ob zwischen den Nationen oder Unternehmen Handel betrieben wird, sollte nicht nur die Politik entscheiden, sondern ein geregelter Markt, mit Zollabkommen und hohen Handelsaktivitäten. Um beim benannten Beispiel des US-Autos zu bleiben, so ist für deutsche Verbraucher dieses schlichtweg nicht gut genug. Sie haben kein wirkliches Interesse große Stückzahlen an US-Autos zu kaufen, während deutsche PKWs durch die US-Verbraucher seit Jahren in hohen Stückzahlen gefragt sind. Hintergrund ist, dass die Qualität des Produktes einfach eine bessere ist, sprich hier ein hoher Unterschied in der Wettbewerbsfähigkeit vorherrscht und die Folge ist, dass deutsche Autos in den USA zum Kassenschlager gehören.

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Das ist die Funktionsweise einer modernen Wirtschaft, die multinational vernetzt ist. Donald Trump scheint diese Gesetzmäßigkeit nicht nachvollzogen zu haben. Zusammengefasst zeigen vor allem die weichen Indikatoren, sprich die Umfragen zum Geschäftsklima zur aktuellen Lage und zur näheren Zukunft, bei nahezu allen Protagonisten, auf allen Handelsrouten, eine Eintrübung der Stimmung. Räumlich betrachtet kann dies vor allem in China, den USA und in der EU festgestellt werden. Einzelne Indikatoren aus den Schwellenländern dagegen scheinen sich nach wie vor noch von der US-Dramaturgie rund um die Handelsbeschränkungen lösen zu können. Ein Übergreifen auf die realen Indikatoren des Welthandels kann zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht festgestellt werden. Hier muss abgewartet werden, welche Aktionen und Reaktionen in Sachen Protektionismus jetzt angegangen werden könnten. "Aktuell halten sich die Kosten für den Welthandel noch in Grenzen. Waschmaschinen, Solarmodule, Stahl und Aluminium machen zusammen rund 1,7 Prozent der globalen US-Importe aus", so Zschaber weiter.

Derzeit ist auf die jüngsten Maßnahmen der USA noch nicht mit einer Eskalation zu rechnen, sondern noch mit einer eher besonnen Reaktion aus China, Südkorea, Japan und der EU. Auch die gegenwärtigen Gespräche der USA mit Kanada und Mexiko im Rahmen der Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens zeigen eher ein besonnenes Verhalten aller Beteiligten, dies macht zu mindestens Hoffnung.

Sicherlich könnte man theoretisch auch die potenziellen Gefahren eines Handelskriegs aus der aktuellen Gesamtsituation für den Welthandel herausrechnen. Das kurzfristige Resultat wäre, dass die bestehenden Wachstumsmotoren, insbesondere die positive Dynamik von Beschäftigung in den Industrienationen und in vielen Schwellenländern, der damit verbundenen ansteigenden Lohnsumme, in Verbindung mit zusätzlichen fiskalischen Impulsen, die derzeit eher bremsenden Faktoren, wie eine restriktivere Geldpolitik bzw. eine leichte Straffung der Kreditbedingungen und die etwas höher ausfallenden Rohstoffpreise, mehr als kompensieren würden. Das bedeutet, der globale Handel könnte erneut auch in 2018 einen wichtigen Beitrag zum Weltwirtschaftswachstum leisten, eine globale Rezession ist aber momentan eher ausgeschlossen. Zudem dürfte in diesem Jahr die Expansion des Konjunkturzyklus in den Industrie- und Schwellenländern noch mehr im Gleichklang verlaufen. Dies dürfte sich wiederum in einer weiteren Expansion der internationalen Handelsvolumen nieder-schlagen.

"Ohne die Gefahr eine globalen Handelsstreits und die Befürchtungen, dass wir uns zukünftig mit mehr Protektionismus auseinandersetzen müssten, hätten wir gute Chancen in diesem und im kommenden Jahr nochmals maßgeblich das Wachstum der Weltwirtschaft zu steigern. Das sollte sich die globale Politik und in erster Linie Donald Trump endlich vor Augen führen, fasst Markus C. Zschaber zusammen. Die attraktivste Region hinsichtlich der Expansion des Handelsvolumens ist und bleibt Asien, denn neben höheren Rohstoffpreisen spielte vor allem die gute Konjunktur in Asien hierbei eine wichtige Rolle. Der Zuwachs der Importe im Asien-Pazifik-Raum erreichte jüngst ein Plus von knapp 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Innerhalb der Region fiel die Zunahme insbesondere in Indien (+23,5 Prozent), Vietnam (+21,6 Prozent), Südkorea (+17,8 Prozent), Australien (+16,9 Prozent) und China (+15,9 Prozent) noch höher aus.

Was bedeutet dieses für den Anleger:

Im Februar korrigierten die globalen Märkte teilweise um mehr als 10 Prozent. Zum ersten Mal seit dem globalen Kurssturz zwischen November 2015 und Februar 2016, welcher damals auf eine befürchtete Schwäche des chinesischen Wachstumsmodells zurückzuführen war, gab es so starke Verwerfung. Neben den Kursverlusten in den letzten Wochen sorgte dabei auch der Anstieg der Volatilität in der Kursentwicklung, teilweise um bis zu + 50 Prozent an einem Tag, für regelrechte Irritationen in vielen Risikomodellen der Anlagemanager rund um den Globus. Die meisten Investoren hatten sich zu lange an niedrigste Kursschwankungen gewöhnt, weshalb die Märkte für vermeintlich schlechte Nachrichten schlagartig anfällig waren. Sofern nicht eine erhebliche geopolitische Krise oder Extremrisiken, wie ein völlig außer Kontrolle geratender globaler Handelsstreit, zwischen den großen Volkswirtschaften (EU, Asien und USA) oder eine außer Kontrolle geratene Inflation in besagten Wirtschaftsräumen eintreten, sollten sich die Finanzmärkte wieder beruhigen. Daraus resultiert, dass nach wie vor gute Chancen für Anleger mit einem global ausgerichtetes Portfolio bestehen, welches am soliden Wirtschaftswachstum partizipiert. Gerade die Bewertungen von risikoorientierten Anlagen wie beispielsweise Aktien liegen auf Grund der soliden Verfassung der Weltwirtschaft nicht im Bereich einer Spekulationsblase. Teilweise notieren beispielsweise deutsche Aktien, gemessen am Dax, sogar deutlich unter ihrem historischen Bewertungsschnitt und dieses bei einer gesunden Auftragslage.

Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF's auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren. Informationen hierzu finden Sie auch unter www.kapitalmarktstudie.de

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weist der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weist der Welt-Handelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal, sprich auf Höhe des Potenzialwachstums. Unter Potenzialwachstumsraten werden die Zuwachsraten, mit dem der Welthandel mittel- bis längerfristig unter normaler Ausnutzung aller Kapazitäten wachsen wird, verstanden. Konjunkturelle Schwankungen werden zur Berechnung des Potenzialwachstums absichtlich nicht berücksichtigt. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "manager-magazin-online" und dem "n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de