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Montag, 18. Dezember 2017

Welt-Handelsindex: Die Wachablösung des Westens

Niedrige Zinsen in den wichtigsten Volkswirtschaften dieser Welt, eine gute Konjunkturdynamik sowie eine Steigerung der Profitabilität in den meisten Branchen die für Wachstum stehen, bilden die derzeitige Grundlage für das Börsengeschehen.

Das Jahr 2018 wird für den Welthandel ein besonderes Jahr werden. Erstmals seit der großen Weltwirtschaftskrise 2008/2009 könnte es gelingen, dass der Welthandel wieder über 5 Prozent an Wachstum erreicht. Der Unterschied zur damaligen Vorkrisenzeit ist allerdings, dass die Lokomotive, welche den Welthandel hinter sich herzieht, nicht mehr die USA sind sondern China. "In einer Zeit, in der Amerikas Präsident Donald Trump neue Zollschranken errichtet und aus internationalen Verträgen über militärische Zusammenarbeit, Klimaschutz und Freihandel aussteigen möchte und wird, positioniert sich China entsprechend strategisch, um die Rolle als neue Führungsmacht zu übernehmen. Wir erleben die Wachablösung des Westen", konstatiert Dr. Markus C. Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung aus Köln, welche monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht.

Allein das Infrastrukturprogramm rund um die Seidenstraße, Chinas Prestigeprojekt, umfasst Investitionen von 900 Milliarden bis 1,1 Billionen US-Dollar. "Straßen, Eisenbahnlinien, Häfen, Kraftwerke und vieles mehr will Peking mit chinesischem und ausländischem Geld bauen. 65 Nationen machen bereits bei diesem Projekt mit. Fakt ist, dies wird den globalen Investitionszyklus anfeuern. Nicht zuletzt wird davon auch der Welthandel maßgeblich profitieren", so Zschaber weiter.

Der Welthandel prosperiert seit einigen Monaten und befindet sich seit langer Zeit wieder auf einem Niveau, von welchem wieder strukturelle Erträge für die Weltwirtschaft erzielt werden können. Zwar zeigen die jüngsten Daten leichte Dynamikverluste an, allerdings sind ist dieses eindeutig auf zyklische Effekte in der statistischen Bemessung zurückzuführen. Der "Welt-Handelsindex" fällt leicht auf ein Niveau von 83,7 Prozent (zuvor 85,8%). Ein Abbruch des positiven Trends im Welthandel kann gemessen an den vielen Datenreihen zu den globalen Handelsströmen ausgeschlossen werden.

"Ein Wachstum des Welthandels in 2018 in Höhe von 5 Prozent ist unsere Prognose für 2018, der Welthandel nimmt weiterhin spürbar und messbar an Fahrt auf. Das globale Handelsvolumen steigt weiterhin, auch in den letzten Wochen des Jahres 2017 und wird auch in 2018 auf Grund eines weiteren Anstiegs der Konsumnachfrage und der Investitionsgüternachfrage ansteigen", führt Zschaber aus. Gerade der Investitionszyklus belebt sich voller Dynamik und sollte der große Performer im Welthandel, neben den Konsumgüterströmen, werden. Die Produktionen laufen auf Hochtouren, sprich die Industrienachfrage nach Produktionsgütern, Rohstoffen, Technologien und wichtigen Dienstleistungen etc. steigt kontinuierlich mit hoher Dynamik.

Eine deutliche Belebung des Welthandels aus Asien heraus kann quantifiziert werden, aber auch in den USA und in Europa bleiben die Zahlen positiv. Europa befindet sich beispielsweise dabei wahrlich in einem Aufschwung, denn noch nie war die Zahl der noch nicht bearbeiteten Aufträge im Verarbeitenden Gewerbe in der Eurozone größer als im November - obwohl die Unternehmen bereits so viel Personal eingestellt haben, wie seit 17 Jahren nicht mehr. Die europäische Auftragslage ist wirklich atemberaubend und resultiert aus der globalen Nachfragesituation. Dieses resultiert auch aus der bereits erwähnten Situation heraus, dass die Konjunktur in China sehr stark ist und bleibt, bedenkt man wie viele Experten noch einen Abschwung in 2017 erwartet hatten. Fakt ist, dass das Geschäftsklima in China gegenwärtig sehr robust ist und vor allem die Stimmung der kleinen und mittleren Unternehmen sich deutlich aufgehellt hat. Chinas Wachstum steht somit auf breiterer Basis, welches wiederum wenig Anlass zur konjunkturellen Sorge in den kommenden Wochen und Veränderung der daraus resultierenden Welthandelsströme geben sollte.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Es kann somit davon ausgegangen werden, dass diese drei Wirtschaftsregionen den Welthandel in Sachen Zuwachsdynamik in 2018 dominieren. Außerdem verdeutlichen alle Ergebnisse zum "Welt-Handelsindex", dass China in Sachen Welthandel eine große Rolle in 2018 einnehmen wird. Die chinesische Wirtschaft sollte sich gemessen an den Prognosen weiterhin als solide erweisen, und dank Preissteigerungen wird der Druck auf die Rohstoffexporteure abnehmen. Darüber hinaus sollten bereits 2018 viele Unternehmen von den neuen internationalen Handelsabkommen profitieren, zum Beispiel von der Regional Comprehensive Economic Partnership, an der sich neben zehn Mitgliedsländern des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN) auch Australien, China, Indien, Südkorea und Neuseeland beteiligen. "Ich sehe im globalen Sektorenvergleich vor allem den Energiesektor, die Elektronik, Elektroerzeugnisse, Maschinen- und Anlagebau und die chemische Industrie als die Hauptprofiteure, welche an der hohen Investitionsdynamik profitieren werden", so der Zschaber. Gleichzeitig zeigt aber auch der private Konsument in Asien, USA und Europa ein sehr robustes Nachfragevolumen nach kurz- und langlebigen Waren sowie nach Dienstleistungen. Vor allem in diesen Regionen werden die Handelsströme auf den Binnenmärkten weiter zulegen.

Der Online-Handel ist sicherlich eine der ganz wichtigen Komponenten des Welthandels geworden. Die letzten Jahre wuchs der Online-Handel weltweit um 20 Prozent pro Jahr. Mittlerweile macht der Onlinehandel in China sogar 15 Prozent oder in den USA 10 Prozent des gesamten Einzelhandels aus. Die Marktdurchdringung sollte aber sicherlich weiter zulegen. Auch in den letzten vier Wochen waren die Einzelhandelsdaten in allen relevanten Regionen ordentlich. Hinzu kommt, dass das Weihnachtgeschäft vor der Tür steht. Neue Umsatzrekorde sind realistisch. Die Prognosen sehen auf jeden Fall vielversprechend aus, dass in den letzten Wochen in 2017 aber auch im ersten Quartal 2018 starke Absätze zu erzielen sind.

Chancen für ein richtig gutes Jahr im Welthandel sind also zu reichlich vorhanden, aber es existieren natürlich auch Risiken für diesen. Zum einen die potenzielle Handelsschranken insbesondere von den USA ausgehend. Auch zeigt die Historie, dass einzelne politische Maßnahmen, wie beispielsweise die US-Steuerreform, welche hohe Wettbewerbsvorteile für ein einziges Land bedeuten, dazu führen könnten, dass sich weniger Kapital sich um den Globus bewegt.

Somit besteht in 2018 die Gefahr, dass durch die Maßnahmen Trumps die US dominierten Kapitalströme sich wieder vermehrt in Richtung Heimat bewegen, und dieses wäre gerade für die Schwellenländer ein ernsthaftes Problem. Natürlich bestehen weiterhin geopolitische Instabilitäten wie in Nordkorea oder zum jetzigen Zeitpunkt verstärkt im Nahen Osten, die bei einer Eskalation auch dem Welthandel großen Schaden zufügen können.

Was bedeutet das für den Anleger?

Niedrige Zinsen in den wichtigsten Volkswirtschaften dieser Welt, eine gute Konjunkturdynamik sowie eine Steigerung der Profitabilität in den meisten Branchen, die für Wachstum stehen, bilden die derzeitige Grundlage für das Börsengeschehen. Natürlich wird es auch Konsolidierungen geben, denn mit einer realistischen Entwicklung ist allen Kapitalmarktanlegern mehr geholfen als eine Übertreibungsphase. Somit bleibt es dabei, das "A und O" neben der Analyse der großen Zusammenhänge und Trends ist die Auswahl der Investments, Qualität und die Diversifikation, dieses bleiben die entscheidenden Kriterien. An erstklassigen Unternehmen mit einem starken Geschäftsmodell, einem sehr guten Management und einer substanzstarken Bilanz kommt derzeit kein Investor vorbei, auch wenn es in 2018 sicherlich zu hohen Schwankungen kommen wird, dieses aber nicht durch fundamentale Veränderungen sondern eher durch politische Strömungen.

Auf der Aktienseite werden aus der Eurozone sicherlich Industrie- und Konsumunternehmen aus Deutschland, Frankreich, Niederlande, Spanien und Österreich als interessant eingestuft. Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETFs auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren. Informationen hierzu finden Sie auch unter www.kapitalmarktstudie.de

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weißt der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welt-Handelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal, sprich auf Höhe des Potenzialwachstums. Unter Potenzialwachstumsraten werden die Zuwachsraten, mit dem der Welthandel mittel- bis längerfristig unter normaler Ausnutzung aller Kapazitäten wachsen wird, verstanden. Konjunkturelle Schwankungen werden zur Berechnung des Potenzialwachstums absichtlich nicht berücksichtigt. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "manager-magazin-online" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de