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(Foto: imago/Westend61)
Montag, 21. August 2017

Welt-Handelsindex : China - weißer Ritter der Weltwirtschaft

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Der Welthandel ist weiterhin auf solidem Fundament gebaut. Davon profitiert nicht zuletzt auch die Weltindustrieproduktion - und damit der globale Investitionsgüterzyklus.

Der große Impulsgeber für den Welthandel und die florierende gesamtwirtschaftliche Nachfrage auf den globalen Handelsrouten ist aktuell die chinesische Volkswirtschaft. Die Beschleunigung des Welthandels ist eindeutig auf das chinesischen Konjunkturmodell sowie auf den Preisanstieg bei den Rohstoff- und Industriemetallen zurückzuführen. "Unsere Analyse zeigt in erster Linie, dass wir derzeit eine positive Anpassung auf der Nachfrageseite durchlaufen, was wiederum bedeutet, dass die Produktionsmengen ebenfalls sukzessive ansteigen sollten und der Weltwirtschaft generell weiteren Auftrieb verleihen", so Markus C. Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung aus Köln, welche monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht.

In den vergangenen vier Wochen hat das Momentum des Welthandels nochmals angezogen und verharrt aktuell auf einem Niveau von 80,5 Prozent (Vormonat 76,5 Prozent). Das besagt, dass das Tempo der Zuwächse im vergangenen Berichtszeitraum, gemessen an den handelsspezifischen Konditionalitäten wie Bestellmenge, Lagerbestände, Produktionsvolumen, Warenumschlagshäufigkeit und Handelsaktivität eine sehr solide Verfassung dokumentiert. Die Perspektive des Welthandels und der Weltwirtschaft gelten somit als positiv.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Laut Angaben von Zschaber ist der große Trigger der Dynamik im Welthandel eindeutig China: "Ja, die Konjunkturdynamik steigt in China. Auch die Produktion sollte das Niveau der ersten Jahreshälfte mit Blick auf dem Spätsommer sogar noch übertreffen können. Was wir wahrnehmen, ist eine positive Nachfrageanpassung in China, was an den ansteigenden Umschlagsmengen aller vier Transportwege (Straße, Schiff, Flug- & Schienenverkehr) zu quantifizieren ist, was wiederum auf die höheren Industrierohstoffpreise zurückzuführen ist.

Kupfer verteuerte sich jüngst auf 6.400 Dollar je Tonne und erreichte damit den höchsten Stand seit zwei Jahren. Auch die Preise für Eisenerz stiegen in den letzten Wochen weiter an. Die Stahlpreise erreichten sogar den höchsten Stand seit über dreieinhalb Jahren. "Die industrielle Nachfrage steigt, China übernimmt erneut die Lokomotivfunktion der Weltwirtschaft", konstatiert Zschaber.

Chinesische Industrieproduktion wächst schnell

Dies belegt auch der Output der Industrieprodukte, welcher in 2017 um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum anstieg. Ein ähnlich wichtiger Indikator für die Belebung der chinesischen Wirtschaft ist die Produktion von Elektrizität, welche um 6,3 Prozent in 2017 anstieg. Im Vorjahreszeitraum war der Stromoutput um 4,5 Prozent gesteigen. Auch die Entwicklung der Rohstahlproduktion kann sich in China sehen lassen. So stieg diese alleine in den vergangenen vier Wochen um 5,7 Prozent zum Vorjahresmonat, auf 73,230 Millionen Tonnen. Damit produziert China fast den halben Rohstahloutput der ganzen Welt.

Deutlich höhere Wachstumsraten gab es auch zuletzt beim Output elektronischer Geräte mit 14,6 Prozent, bei der Arzneimittelherstellung, mit 13,6 Prozent und bei Lebensmitteln mit 11,0 Prozent, jeweils zum Vorjahresmonat. "Fakt ist, die chinesische Industrie liefert weiter beeindruckende Daten, die Wertschöpfung der Industrie steigt mit hoher Dynamik und zieht die Weltindustrieproduktion mit nach vorne. Dies wiederum lässt einen weiteren Anstieg der Investitionsströme erwarten. Gerade besagte industrielle Nachfrage sollte die interkontinentale Handelsdynamik ansteigen lassen", so Zschaber.

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"Die Investitionen in China sind weiterhin gigantisch", stellt Zschaber fest. "Alle die davor warnen, China sei fertiggebaut und werde zwangsläufig in eine Rezession hineinlaufen, sollten sich die Investitionen in die chinesische Infrastruktur anschauen, welche um über 21 Prozent in 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum anstiegen." Bis 2020 sollen alleine 460 Milliarden Dollar in das heimische Zugnetz investiert werden. Die Investitionen in das verarbeitende Gewerbe stiegen noch um 6,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum und in der chinesischen Autoindustrie stiegen die Investitionen um 12,1 Prozent. "Zwar gibt es auch Fehlinvestitionen in der Realwirtschaft, primär am Immobilienmarkt, aber noch ist das Wachstum so stark, dass diese Entwicklungen keine relevanten Auswirkungen haben. Hinzu kommt, dass China vehement den Ausbau der Seidenstraße vorantreibt, was wiederum auch weiter für höheres Wachstum sorgen sollte", resümiert der Zschaber.

Kurskorrekturen bieten Chance zum Nachkauf

Katalysator für den Warenhandel in der Welt bleibt vorerst die Überschussliquidität, die durch die aggressive Geldpolitik der Notenbanken, nicht zuletzt auch durch China, rund um den Globus im hohen Maße vorhanden ist. Dies führt bereits zu höheren Kapital- und Investitionsströmen. Der Produktionsfaktor Kapital ist die Grundvoraussetzung für einen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Nachfragekurve und einer höheren Wirtschaftsaktivität. Der Ausblick für den Welthandel bleibt somit insgesamt positiv. Vor allem der private Verbrauch sollte in Europa, in den USA und in Asien ansteigen. "Eine weitere Belebung des privaten Verbrauchs in allen Regionen ist sehr wahrscheinlich. Dies wird auch die Warenströme stabilisieren", so Zschaber weiter.

Für Deutschland erwartet der Vermögensverwalter folgende Entwicklungen: "Sicherlich werden wir im weiteren Verlauf des Jahres naturgemäß auch geopolitische Unsicherheiten im Welthandel und damit auch für unsere heimische Exportindustrie erleben. Wir gehen aber davon aus, dass die Auftriebskräfte die Oberhand behalten werden." Zschaber geht sogar so weit, dass er von einem ansteigenden Exportwachstum trotz des gestiegenen Eurokurs ausgeht, schlichtweg da die Nachfrage insgesamt ansteigt. Gepaart mit einem sich weiter freundlich entwickelnden Konsum, der auf die steigenden Lohnsummen zurückzuführen ist, sollte das Jahr 2017 für den Welthandel das beste Jahr seit 2010 werden.

Die Gesamtentwicklung im Welthandel beruht weiterhin auf solidem Fundament. Davon profitiert nicht zuletzt auch die Weltindustrieproduktion und damit der globale Investitionsgüterzyklus. "Wenn unsere Analyse richtig liegt, sollten sich die Kapazitäten im verarbeitenden Gewerbe weiter erhöhen. Der jüngste Anstieg der Produktionsdynamik in der Industrie in vielen Regionen der Welt lässt erwarten, dass die Industrieproduktion in den kommenden Monaten wieder anzieht. Dies ist als Reaktion auf die robuste Nachfrage entlang der gesamten internationalen industriellen Wertschöpfungskette zu verstehen und damit als die wichtigste Beweisführung für den ordentlichen Status der Weltwirtschaft", konstatiert Zschaber.

Was bedeutet das für den Anleger: Die konkreten Ableitungen aus der Analyse zum "Welt-Handelsindex" sind, dass gerade die Tage mit höherer Volatilität und entsprechend negativer Kursentwicklung zum punktuellen Nachkauf genutzt werden. Die konjunkturellen Trends sollten das Umsatz- und Gewinnwachstum der Unternehmen stützen und nochmals für positive Überraschungen in vielen Sektoren sorgen. Sollten größere Volatilitäten an den Weltbörsen auftreten, so bleiben der deutsche und europäische Markt die Favoritenmärkte zum Nachkaufen. Risiken werden aktuell in erster Linie seitens der Zinsmärkte verifiziert. Sollten die Zinsen zu steil ansteigen, könnte dies kurzfristig negative Folgen für die Aktienmärkte haben. Ansonsten sollte der Anleger auf die geopolitischen Entwicklungen in Nordkorea und Katar Acht geben. Langfristige Risiken, welche eher zum Ende des Jahres eine Rolle spielen sollten, sind die anziehende Inflation sowie das politische Risiko rund um Italien und die Eurokrise.

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weist der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welt-Handelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal, sprich auf Höhe des Potenzialwachstums. Unter Potenzialwachstumsraten werden die Zuwachsraten, mit dem der Welthandel mittel- bis längerfristig unter normaler Ausnutzung aller Kapazitäten wachsen wird, verstanden. Konjunkturelle Schwankungen werden zur Berechnung des Potenzialwachstums absichtlich nicht berücksichtigt. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "manager-magazin-online" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de