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Freitag, 15. Januar 2010

Wolfgang Weber, Taurus Investors: Silber wird knapper

(Foto: REUTERS)

Die vergangene Handelswoche durchlief der Goldpreis die erwartete Handelsspanne zwischen 1120 und 1150 US-Dollar die Unze. Das ist auch der Preisbereich, den die kurzfristigen Widerstände nach oben und Unterstützung nach unten abbilden. Der Markt ist nach wie vor in allen Zeitfenstern bullisch, es gibt keinerlei echte Anzeichen die einen starken Kursrückgang ankündigen würden.

Lediglich ein außergewöhnliches Widererstarken des US-Dollars und eine Flucht der Investoren aus Gold in andere Anlageformen würde das gelbe Metall wieder deutlich verbilligen können. Übergeordnet ist dieses Szenario derzeit eher unwahrscheinlich. Fast täglich kommen neue "Gold-Produkte" in Form von Anlagemöglichkeiten weltweit auf den Markt, und die Renaissance des Edelmetalles ist voll im Gange. Durch die Flut der Produktangebote ist es noch wichtiger geworden die Spreu vom Weizen zu trennen und sich immer wieder bewusst zu machen, dass nur der persönliche Besitz und das Eigentum an Gold dessen Vorteile sind.

Wolfgang Weber
Wolfgang Weber

"Papiergold" in Form von Minenaktien oder Schuldverschreibungen sind Versprechungen und im Härtefall Schall und Rauch. Die Marktversorgung für Investoren und Goldkäufer der klassischen Anlagesorten eine Unze Anlagemünze, Barren von 100 bis 1000 Gramm (Gold!) sind derzeit sehr gut und ohne Störungen. Die Raffinerien und Prägestätten haben sich auf die große Nachfrage langsam eingestellt und kommen derzeit mit den Auslieferungen hinterher.

Allerdings ist diese Angebotsbefriedigung äußerst labil, denn schon eine weltweite Steigerung der Nachfrage um wenige Prozentpunkte führt wieder an die Belastungsgrenze der Verfügbarkeit von Edelmetallen. Dies trifft insbesondere auf Silber zu. Das "Gold des kleinen Mannes" entwickelt sich wirklich zum Superstar unter den Edelmetallkäufern und auch breite Investorenschichten haben das Metall entdeckt.

Die Notenbanken halten nur noch knapp 56 Millionen Unzen Silber was geradezu lächerlichen 700 Mio. Euro entspricht. Alleine die USA hatten 1940 noch 3135 Millionen Unzen als Devisenreserve, welche auf aktuell 20 Millionen Unzen im wahrsten Sinne des Wortes zusammengeschmolzen ist. Die beliebteste Anlagemünze der Welt der US-Eagle, Silber, 1 Unze wurde in 2009 29 Millionen mal verkauft, und die USA mussten 90 Prozent des Silbers in erster Linie aus Mexiko importieren. Die Ausgabe des Eagles 2009 ist ausverkauft, und die Belieferung des Eagles 2010 läuft mehr als stockend. Die US-Mint, die australische Perth-Mint und die Royal Canada Mint laufen seit Monaten im Drei-Schicht-Betrieb um die Nachfrage nach 1 Unze Anlagemünzen bis 1000 Gramm Anlagemünzen wenigstens annähernd zu befriedigen.

Führende Geologen gehen davon aus, dass nur mehr 13 Jahre wirtschaftlich abbaubare Silbervorkommen auf der Erde existieren. Pro Jahr gelangen nur 21.000 Tonnen auf den Markt und die letzten zehn Jahre wurden im Schnitt 30.000 Tonnen nachgefragt. 76 Prozent des Silbers kommt aus Minen (davon 70 Prozent als Beiprodukt zu Gold, Kupfer, Blei etc.) nur 20 Prozent aus dem Recycling und gerade mal 4 Prozent aus den verbliebenen Regierungsverkäufen. Der Verbrauch erfolgt zu 51 Prozent in der Industrie (und ist damit praktisch verschwunden), 24 Prozent Tafelsilber, Schmuck, 12 Prozent Fotografie und bereits 13 Prozent Investoren und Silberkäufer.

Somit sind die Zutaten für ein hoch interessantes Absicherungsinvestment vollends gegeben: ein knappes Gut (endlicher Rohstoff), praktisch nicht recycelbar, permanent steigende Nachfrage aus Industrie (Elektronik), nicht durch andere Stoffe substituierbar, das eigentliche Absicherungsinstrument zur Erhaltung der Zahlungsfähigkeit breiter Bevölkerungsschichten und nicht zuletzt immer wieder Gegenstand von Spekulationen, dass Silber wieder monetären Standard zumindest teilweise erhalten könnte. Hier konnte man die letzten zehn Jahre nichts falsch machen und auch die kommende Dekade scheint ein, wenn nicht das, Silber-Jahrzehnt zu werden.

Am preiswertesten kauft man Silber in 1000-Unzen-Barren (31,10 kg), mehrwertsteuerfrei und lagert diese ein. "Silber am Mann" ist die 1-Unze-Münze, ausrangierte Silberzahlungsmünzen und aus Gründen der Mehrwertsteuer die 1000-Gramm-Anlagemünze verschiedener Hersteller und Ausgabestaaten, da diese nur 7 Prozent Mehrwertsteuer aufweisen. Auch reine Silbergranulate können interessant sein wenn der Preis stimmt. Medaillen, Gedenkmünzen und Numismatik haben nur ganz entfernt mit Silberinvestments zu tun, da die Preise hier einfach bis zu mehrere einhundert Prozent über dem Metallpreis liegen. Silber-Investments in physischer Form (ETF's nur eingeschränkt!) sind, wie Gold, auch abgeltungssteuerfrei.

Die aktuelle Edelmetallaufteilung eines Depots empfehlen wir zu 50 Prozent Gold und zu 50  Prozent Silber.

Quelle: n-tv.de