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Mittwoch, 07. Oktober 2009

Nachhaltige Investments: Megatrend oder Marketingmasche?

Der Markt für nachhaltige Investments boomt. Fast täglich werden neue Produkte angeboten, die sich die Themen Ethik und Ökologie auf ihre Fahnen schreiben. Die Finanzkrise hat das Interesse an nachhaltigen Investments erfreulicherweise zusätzlich gestärkt.

Nachhaltigkeit kostet keine Rendite - im Gegenteil. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass Unternehmen, die sorgsam mit Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und der Umwelt umgehen, unter Renditegesichtspunkten genauso gut abschneiden wie herkömmliche Firmen. Eine geringe Fluktuation der Beschäftigten oder der sparsame Einsatz von Energie sind also nicht nur unter ethischen und ökologischen Gesichtspunkten erstrebenswert, sondern wirken rational nachvollziehbar auch langfristig gewinnsteigernd.

Dass zahlreiche nachhaltig wirtschaftende Unternehmen in Zukunftsbranchen wie Wasseraufbereitung, Windkraft oder Geothermie tätig sind, erhöht ebenfalls die Renditechancen. Aber nicht nur die entsprechenden Unternehmen selbst werfen gute Gewinne ab - gleiches gilt für ihre Aktien. Die Annahme, dass ethische und ökologische Kapitalanlagen unter dem Strich nur Geld kosten, gehört definitiv der Vergangenheit an.

Es ist kein Wunder, dass immer mehr Anleger eine langfristige Gewinnorientierung mit der Verantwortung für die Zukunft von Mensch und Umwelt verbinden möchten. Die Zahlen belegen das. So genannte SRI-Fonds (Sustainable and Responsible Investments) verzeichneten nach Berechnungen des Analysehauses Lipper 2008 in Europa Mittelzuflüsse von netto 5,6% - trotz bzw. gerade wegen der Finanzkrise. Bei konventionell gemanagten Fonds zogen Anleger dagegen 6% des Kapitals ab. Diese Entwicklung setzte sich im ersten Halbjahr des laufenden Jahres fort. Die Finanzindustrie hat diesen Trend erkannt und flutet den Markt mit neuen Produkten. Von Mitte 2008 bis Mitte 2009 nahm die Zahl der in Deutschland zugelassenen SRI-Fonds um 17% zu.

Best in Class fällt durch

Diese Entwicklung birgt aber auch Gefahren: Denn immer wieder nutzen Emittenten das Thema Nachhaltigkeit auch vor allem zu Marketingzwecken. Bei der Auswahl der Aktien machen sie es sich einfach und setzen auf relativ unreflektierte Auswahlmethoden. Weit verbreitetet ist auch der "Best in Class"-Ansatz. Hierbei werden die jeweils nachhaltigsten Firmen einer Branche ausgewählt. Dass dieser Ansatz aber zu kurz greift, zeigt sich beispielsweise bei Goldminenaktien: Der industrielle Abbau von Gold ist hochgradig umweltschädlich. Im Durchschnitt fällt für die Produktion eines Gramms Gold ein Tonne Abhub an, der zum Teil mit Chemikalien wie Zyanid oder Quecksilber stark vergiftet ist. Zudem wird der überwiegende Teil des geförderten Golds zu Schmuck, Barren und Münzen verarbeitet und erbringt damit nur einen geringen realwirtschaftlichen Nutzen. Uns ist leider noch kein Goldproduzent bekannt, der unter ethischen und ökologischen Gesichtspunkten unbedenklich wirtschaftet. Nachhaltigkeitsfonds, die einfach den am wenigsten umweltschädlichen Goldförderer auswählen, machen es sich zu leicht.

Um tatsächlich nachhaltige Investments zu identifizieren, muss die Analyse der Renditeaussichten um eine ebenso detaillierte Bewertung ethischer und ökologischer Aspekte erweitert werden.

Das Research der Dr. Höller Vermögensverwaltung stuft unter anderem folgende Aktien als nachhaltige Investments ein:

Geberit (ISIN: CH 003 017 040 8) - Das Unternehmen ist europäischer Marktführer im Bereich Sanitärtechnik. Die Produkte gelten als langlebig und ökologisch effizient. Die Unternehmensführung basiert auf Werten wie Integrität und Teamgeist.

Verbund (ISIN: AT 000 074 640 9) - Der österreichische Versorger zählt zu den größten Wasserkrafterzeugern Europas. Der Verbund selbst versteht sich als treibende Kraft für saubere Energie. Die Mitarbeiter orientieren sich an einem Verhaltenskodex, der unter anderem eine faire Zusammenarbeit, eine klare und offene Kommunikation, einen partnerschaftlichen Umgang mit Lieferanten und Kunden sowie einen fairen Wettbewerb umfasst.

Synthes (ISIN: US 871 62M 409 6) - Der schweizer-amerikanische Medizintechniker produziert Instrumente und Implantate für chirurgische Behandlungen. Das Unternehmen legt großen Wert auf die Weiterbildung seiner Mitarbeiter und Kunden. Zu seinen Unternehmenswerten zählt Synthes unter anderem die Orientierung an den Bedürfnissen der Patienten und das ethische Verhalten der Belegschaft.

Canadian Pacific Railways (ISIN: CA 136 45T 100 3) - Ziel der Kanadier ist es, die sicherste und reibungsloseste Eisenbahngesellschaft Nordamerikas zu sein. CPR zählt den Schutz der Umwelt und die Gesundheit und Sicherheit der eigenen Mitarbeiter zu den Bestandteilen seiner Unternehmenskultur. Der dem Schienengütertransport inhärente Umweltnutzen spricht zusätzlich für diese Dienstleistung.

Die in diesem Dokument enthaltenen Angaben stellen keine Anlageberatung dar. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Roman Limacher ist Mitglied der Geschäftsleitung der Dr. Höller Vermögensverwaltung, einer 100%igen Tochter der Hauck & Aufhäuser Privatbankiers. Das Unternehmen legte 1995 den ersten Ethikfonds Kontinentaleuropas auf und gilt als Pionier bei nachhaltigen Investments.

Quelle: n-tv.de