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Freitag, 30. April 2010

Wolfgang Weber, Taurus Investors: Erste Panikkäufe bei Silber

(Foto: REUTERS)

Der derzeitigen "Normalität" bei den Edelmetallen folgend legten seit Ende vergangener Woche Gold um 2,8 Prozent und Silber gleich wieder um 4 Prozent zu. Platin und Palladium hielten sich vorerst zurück und bewegten sich saldiert plus minus Null. Die Preistreiber bei Gold und Silber sind die Investoren - und dort allen voran die ETF's (Exchange Traded Funds). Der Goldkurs hämmert schon lautstark an seinem technischen Widerstand von 1170 US Dollar die Unze, und alles deutet auf vorerst weiter steigende Kurse bis in den Bereich 1200 bis 1230 Dollar hin. Erst unter 1120 Dollar die Unze wäre der Goldchart technisch leicht gefährdet.

Um als Edelmetallgroßhändler im Moment noch ansatzweise mit dem Markt mitzukommen, müssen Euro zu Dollar, der Ölpreis und vor allem die großen Investmentvehikel für Gold und Silber, also die ETF's, stündlich überwacht werden, um vorzeitige Beben in die eine oder andere Richtung zu antizipieren. Unzweifelhaft sind Gold und vor allem Silber von innerer Stärke gezeichnet und weitere, auch zeitnahe, Kursfeuerwerke sind wirklich nicht ausgeschlossen. Man kann auch noch nicht von einer echten Blase am Goldmarkt sprechen, denn es zeichnet sich keinerlei Erschöpfung auf der Nachfrageseite ab.

Wolfgang Weber
Wolfgang Weber

Somit bleiben Gold und Silber technisch und fundamental auf der long-Seite - wenngleich auch die Höhen immer luftiger werden und Absicherungen bei den laufenden steigenden Kursen per stopp loss in den Markt gelegt werden sollten. Bei Gold bieten sich hier die Unterstützungsmarken (bei long-Positionen) von 1140, 1120, 1110 und 1080 Dollar die Unze an. Mit aller Gewalt und mit großem Geld muss man derzeit auch nicht in den Markt bevor die 1230 Dollar die Unze nach oben nicht nachhaltig durchbrochen worden sind. Die Nachfrage nach "kleinem Investmentgold" in Form von 1-Unze-Gold-Barren oder Goldmünzen, allen voran der Krügerrand, ist ungebrochen beziehungsweise hat wieder stark angezogen.

Sehr gefragt sind auch 100-Gramm und 250-Gramm-Barren sowie im kleineren Segment die ¼-Unze (7,78 Gramm Feingewicht) in Münzform wie der Schweizer 20 CHF Vreneli. Noch ist die Versorgung mit Gold in kleinen Einheiten relativ stabil - aber selbst das weitere Interesse von ein bis zwei Prozent der deutschen Bevölkerung nach Gold in kleinen Einheiten, trotz der Goldhöchstkurse in Euro von aktuell 882 Euro die Unze Marktpreis, könnte vom Handel schon nicht mehr befriedigt werden.

Silber hat am Donnerstag aus technischer Sicht mit dem Durchbruch der 18,40 Dollar die Unze ein klares Kaufsignal generiert – dieses sollte allerdings noch ein bis zwei Handelstage bestätigt werden, um als stabil zu gelten. Die weitere Wegstrecke sind nun 18,57, 18,90, 19,40 bis 19,50 Dollar die Unze und jenseits der 22,50 Dollar sind wir in technisch nicht mehr fassbarem Gelände und es darf nur noch spekuliert werden. Im Gegensatz zu Gold ist die Versorgung von Investmentsilber 1 Unze bis 1000 Gramm eher wacklig. Insbesondere 1-Unze- Maple-Leaf und 1000-Gramm Zahlungsmünzen aus Andorra und Australien, welche nur 7 Prozent Mehrwertsteuer ausweisen, sind nur mit Lieferzeiten zu beschaffen.

Unsere Schalter haben teilweise schwere Zeiten, da die Kunden sehr preissensibel im "richtigen Moment" zum Marktpreis zuschlagen wollen und dann die Ware nicht immer sofort verfügbar ist. Vulkanasche, die den Flugverkehr lahm legt, und hohe Nachfrage nach Ware vertragen sich irgendwie nicht - und die Logistik kommt dann schon mal schnell ins Stottern. Mittlerweile hat es sich wieder beruhigt. Aber was ist, wenn wirklich Panik wie im Sommer 2008 die Käufer treibt und die Händler innerhalb weniger Tage leer verkauft sind? Fakt ist, die Menschen sind verunsichert und betrachten die Politik nur mehr als Komödienstadl, der unfähig ist, die fundamentalen Probleme zu lösen. Die Kunden tauschen ganz klar und unverhohlen Papier-Euro in Edelmetall und dort ganz verstärkt in das immer noch preiswerte Silber, um Kahlschlägen in den Währungen zu entgehen. Mittlerweile setzt auch der Tausch von Tafelsilber in Investment-Silber (trotz schon unverschämter Abschläge der Ankäufer!) wieder ein, das heißt, die goldenen Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts lassen grüßen.

Die Silber-Unze in Euro liegt aktuell bei 14 Euro also 450 Euro das Kilo plus (!) 19 Prozent Mehrwertsteuer oder eben 7 Prozent bei Legal Tender Silber. Darauf kommen aber noch die Aufschläge auf das Material, die bei Silber seriös mittlerweile schon zwischen 10 bis 20 Prozent liegen. Nur den 31.10 Kilo Investment-Barren bekommt man noch hie und da nur mit 5 bis 10 Prozent Aufschlag plus 19 Prozent Mehrwertsteuer. In Dollar ist Silber erst unter 17,40 die Unze kein unmittelbarer Kauf mehr. Long Positionen sollte man bei 17,80, 17,60 und spätestens 17,40 US Dollar per stopp loss absichern.

Aktuell würden wir Edelmetalle mit 65 Prozent Silber und 35 Prozent Gold als Investment aufteilen. Bei Palladium und Platin sollten Gewinne mitgenommen und der Markt vorübergehend von der Seitenlinie beobachtet werden.

Quelle: n-tv.de