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Montag, 17. September 2012

Staatsfinanzierung über die Notenpresse: Bald 10 Prozent Inflation?

von Markus Steinbeis von Huber, Reuss und Kollegen

Die Politiker der Euro-Länder strecken die Waffen: Nun sollen es die Notenbanker richten und unlimitiert öffentliche Schulden aufkaufen. Das drückt die Zinskosten für weitere Staatsausgaben und baut den Schuldenberg auf Kosten der Sparer ab. Ein solches "Experiment" in den USA endete in den 1940er-Jahren mit jährlichen Inflationsraten von über zehn Prozent.

Related contentDie jüngere Wirtschaftsgeschichte der westlichen Welt ist eine Geschichte der Verschuldung, die vor etwa 40 Jahren ihren Lauf nahm. Mit der Beendigung der Goldpreisbindung des US-Dollars legte US-Präsident Nixon im August 1971 die Basis für unser ungedecktes Währungssystem. Darauf folgten Jahrzehnte ungezügelten Kredit- und Schuldenwachstums von privaten Haushalten, Unternehmen und Staaten.

Insbesondere die Staatsverschuldung hat nach dem Ausbruch der Finanzkrise zugenommen. Nach Aussagen des Internationalen Währungsfonds ist für die Industrieländer im Jahr 2012 mit einer Schuldenquote - das ist der Schuldenstand geteilt durch das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) - von 110 Prozent zu rechnen, Tendenz steigend. 2008 betrug die Quote lediglich 81,6 Prozent.

Illusorische Erwartungen an die Politik

Es ist illusorisch zu erwarten, dass die Politik die Schuldenquoten reduziert. Dazu müsste sie entweder den Schuldenstand senken, indem sie Ausgaben kürzt und/oder die Steuern erhöht. Oder sie müsste fiskalpolitische Wachstumsimpulse setzen, um das BIP zu stärken. Die Historie zeigt jedoch, dass Staaten nicht in der Lage sind, nachhaltige Budgetüberschüsse zu erwirtschaften. Deutschland kommt selbst bei Rekord-Steuereinnahmen nicht umhin, Nettokredite aufzunehmen. Dazu trägt bei, dass Politiker in Wahlperioden denken, was Einsparmaßnahmen und Reformen bei ihnen unbeliebt macht. Aber auch das reale Wirtschaftswachstum lässt sich nicht so einfach erhöhen, denn oft leiden die Staaten an mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und demographischen Problemen.

Notenbanker drücken Zinsen - und Schulden

Soll ein Staatsbankrott vermieden werden, wird daher oft nach den Notenbanken gerufen. Deren Einsatz ist nichts anderes als eine Staatsfinanzierung über die Notenpresse: Die Notenbanken kaufen Staatsanleihen und drücken so künstlich das Zinsniveau an den Finanzmärkten. Das wirkt sich zweifach positiv auf die Schuldenquote aus. Erstens verringern sich die Zinskosten, was das Staatsbudget entlastet und den Schuldenstand senkt. Zweitens resultieren aus dieser Politik starke Inflationsrisiken. Inflation aber würde das nominale Bruttoinlandsprodukt erhöhen - und die Schuldenquote senken, weil sich das BIP im Nenner der Gleichung erhöht.

FED setzte Zinsobergrenzen fest

Diese Monetarisierung hat längst begonnen. Seit 2009 weiten insbesondere die angelsächsischen Notenbanken, aber auch die Europäische Zentralbank, ihre Bilanzen deutlich aus. Die US-Notenbank FED ist in kürzester Zeit zum größten Gläubiger der USA aufgestiegen. Zu was diese Politik führen kann, lässt sich an den 1940er-Jahren in den USA studieren. Die Vereinigten Staaten waren damals mit der Finanzierung der Kriegskosten konfrontiert. In der Folge wurden deutlich mehr Staatsanleihen ausgegeben. Um die Zinsen nicht steigen zu lassen, führte die FED im April 1942 für langfristige Staatsanleihen eine Zinsobergrenze von 2,5 Prozent ein, indem sie diese zu pari aufkaufte. Bei kurzlaufenden Anleihen wurden maximal 0,38 Prozent toleriert. Erst im März 1951 wurde diese Zinskontrolle beendet.

Zehn Prozent an jährlicher Inflation

Für die Bevölkerung hatte diese Politik dramatische Folgen: Aufgrund der drastisch erhöhten Geldmenge stiegen die Inflationsraten weit über zehn Prozent; die Kaufkraft des US-Dollars erodierte. Es entstand ein Regime negativer Realzinsen, das heißt die Inflationsraten lagen weit über der Nominalverzinsung. Es kam zu einer sukzessiven Enteignung der Sparer beziehungsweise zum Vermögenstransfer vom Gläubiger zum Schuldner. Die USA entschuldeten sich deutlich.

Dow Jones verdreifachte sich in wenigen Jahren

Die aktuelle Situation ist vielleicht nicht komplett damit vergleichbar, Motivation und Ziele von Politikern und Notenbanken weisen aber erstaunliche Parallelen auf. Auch ist der Schritt von unlimitierten Aufkäufen von Staatsanleihen zur Zinskontrolle nicht sehr groß. Höchste Zeit also, sich als Anleger in Sachwerten zu engagieren. Denn während die Sparer die Zeche für die Staatsentschuldung zahlten, freuten sich Aktionäre von 1943 bis Anfang der 50er-Jahre über eine Verdreifachung des Dow Jones-Index. Mit Gold jedoch gab es nichts zu verdienen, denn der Goldbesitz war in den USA verboten.

Der Autor Markus Steinbeis ist Leiter des Fondsmanagements bei der Huber, Reuss und Kollegen Vermögensverwaltung sowie Experte des Internetportals Vermoegensprofis.de.

Quelle: n-tv.de