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Fallen jetzt auch andere südeuropäische Länder um und geben das Sparen auf?
Fallen jetzt auch andere südeuropäische Länder um und geben das Sparen auf?(Foto: Kurt F. Domnik / pixelio.de)
Dienstag, 03. Februar 2015

Begehrter Schuldenschnitt: Griechenland wird zum Dominostein

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Jetzt soll es nicht mehr Schuldenschnitt heißen, sondern Umschuldung. Was besser klingt, aber im Endeffekt nichts anderes ist. Einen Schuldenschnitt fordern jetzt auch Politiker in Spanien, wo Wahlen anstehen.

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In der Griechenland-Krise ist guter Rat inzwischen teuer: vielen Anlegern dämmert es langsam, dass es schon längst nicht mehr darum geht, ob es zu einem erneuten Schuldenschnitt für Griechenland kommt, sondern nur noch wie groß er ausfallen wird und welchen Namen das Kind bekommt. Es bewahrheitet sich, wie das Zentrum für Europäische Politik (CEP) die Lage in Griechenland von Anfang an eingeschätzt hat.

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Rückkehr Griechenlands im April 2014 an den Finanzmarkt noch frohlockt hatte, das sei ein "Aufbruchssignal", hatte das Zentrum für Europäische Politik schon damals erklärt: "Zurückzuführen ist die Platzierung nicht auf erfolgreiche Reformen, sondern darauf, dass die finanz- und geldpolitischen Interventionen der vergangenen Jahre die marktwirtschaftlichen Kräfte außer Kraft gesetzt haben." Die Wissenschaftler betonten, dass sich der Verfall der Kreditfähigkeit Griechenlands vielmehr ungebremst fortsetze: "Es gibt weder Anzeichen noch Hoffnung, dass Griechenland in absehbarer Zeit wieder kreditfähig werden könnte."

Kreditwürdigkeit Griechenlands weiter gesunken

Zuletzt hat das CEP erneut eine Studie zu Griechenland veröffentlicht. Und das Ergebnis ist eindeutig. "Der Verfall der Kreditfähigkeit Griechenlands hat sich 2014 nicht nur fortgesetzt, sondern sogar noch beschleunigt", schreiben Lüder Gerken, Vorstand des CEP und Matthias Kullas, Leiter des Fachbereichs Wirtschafts- und Fiskalpolitik. Dazu berechnen die Experten den sogenannten cepDefault-Index. Er misst, wie sich die Fähigkeit der einzelnen Länder zur Rückzahlung der Auslandskredite und damit die Kreditwürdigkeit entwickelt.

Demnach ist die Lage in Griechenland ernst, es fehlt an Investitionen und Kapital verlässt das Land. "Seit 2011 weist Griechenland negative kapazitätssteigernde Investitionen auf. Dies hat zur Folge, dass der griechische Kapitalstock zunehmend veraltet und immer kleiner wird. Diese negative Entwicklung hat sich dramatisch beschleunigt: im ersten Halbjahr 2014 ist der griechische Kapitalstock im Umfang von 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschrumpft", betonen die CEP-Experten.

Schuldenschnitt löst die Probleme nicht

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"Ein Schuldenschnitt würde nur bei der bestehenden Staatsverschuldung ansetzen. Er könnte daher die zentrale Ursache der griechischen Misere – nämlich die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit und der damit einhergehende Verlust der Kreditfähigkeit der Volkswirtschaft insgesamt nicht beseitigen", betonen Gerken und Kullas. Viele Investoren machen sich noch keine Sorgen, wie es nach einem Schuldenschnitt für Griechenland mit Ländern wie Spanien und Italien weitergehen könnte. Deswegen sind die Zinsen für 10jährige spanische und italienische Anleihen in die Nähe des Rekordtiefs gesunken. Die Stimmung kann allerdings schnell umgeschlagen. Und das könnte auch bei Spanien und Italien jederzeit passieren. Noch Anfang September notierte die am 17. Juli 2017 auslaufende griechische Staatsanleihe (WKN A1ZL72) bei 100 Prozent. Inzwischen ist sie aber auf 71 Prozent zusammengebrochen, womit die Zinsen auf 20 Prozent nach oben geschossen sind.

Bankenkrise 2.0?

Ende September hatte Italien Staatsschulden von 2,13 Billionen Euro. Das waren 131,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. Um auf langfristige tragfähige 60 Prozent zu kommen, müssten die Schulden um mehr als eine Billion abgebaut werden. Spanien hat Staatschulden von 1,02 Billionen Euro. Um die Quote ebenfalls auf 60 Prozent zu drücken, müssten die Verbindlichkeiten um rund 400 Milliarden Euro gedrückt werden. Damit kämen enorme Belastungen, vor allem auf die italienischen und spanischen Banken zu, waren deren Bestände an Staatsanleihen doch in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. So besaßen die italienischen Banken im November 2014 für 411 Milliarden Euro italienische Staatsanleihen, gegenüber 209 Milliarden Euro Ende 2011. Inklusive der Anleihen anderer Länder, besaßen die italienischen Banken zuletzt für 443 Milliarden Euro Staatsanleihen. Spanische Institute kommen auf 315 Milliarden Euro, insgesamt halten die Geldhäuser der Euro-Zone fast 1,5 Billionen Euro an Staatsanleihen. Zudem haben die Institute mehr als eine Billion Euro an Krediten an die Staaten vergeben. Damit drohen den Geldhäusern bei einer möglichen Umschuldung der Staatsschulden von Ländern wie Italien oder Spanien enorme Risiken. Die Bankenkrise ist also keineswegs ausgestanden. Kein Wunder, dass sich zahlreiche Bankaktien im Abwärtstrend befinden.

In Spanien wird gewählt

Viele Investoren hoffen noch, dass ein Schuldenschnitt auf Griechenland begrenzt werden kann. Sollte die neue griechische Regierung damit durchkommen, dürften aber die Begehrlichkeiten in Spanien und Italien schnell steigen. So hat Pablo Iglesias, der Chef der spanischen Partei Podemos bei einem möglichen Wahlsieg im Herbst einen "rigorosen" Schuldenschnitt angekündigt. Der Deal "soll angemessen sein für die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone", sagte Iglesias. Wegen der Erwartung an das riesige Anleihenkaufprogramm der EZB, das im März starten soll, könnten die Zinsen für Italien und Spanien zwar kurzfristig auf Rekordtiefs sinken. Doch wenn sich die Wahl in Spanien allmählich am Horizont abzeichnet, könnte die Ruhe am Anleihenmarkt schnell vorbei sein.

Quelle: n-tv.de

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