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Rosneft sorgt für einen Großteil der Staatseinnahmen Russlands.
Rosneft sorgt für einen Großteil der Staatseinnahmen Russlands.(Foto: imago/Russian Look)
Dienstag, 16. September 2014

Anleihen unter Druck: Für Russland wird es ernst

Von Egmond Haidt

Die Sanktionen des Westens zielen auf den russischen Öl-Sektor. Mit Rosneft und Gazprom bekommen Russlands wichtigsten Konzerne langsam Probleme mit der Finanzierung. Das zeigt sich auch am Anleihemarkt.

Kräftiger Druck auf den Ölpreis: Die Notierung der Nordseesorte Brent ist unter die Marke von 100 Dollar je Barrel gerutscht. Der Preisverfall ist eine deutliche Belastung für Russland, machen die Steuern auf Öl und Gas doch rund die Hälfte der Einnahmen des Staates aus. Die EU will angesichts der Ukaine-Krise den Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin weiter erhöhen und nimmt mit ihren neuen Sanktionen den Ölsektor ins Visier.

Betroffen sind Gazprom Neft, also die Ölsparte von Gazprom, der Betreiber von Erdöl-Pipelines Transneft und der Ölmulti Rosneft. Diese und zwölf weitere Unternehmen aus dem Finanz- und Rüstungssektor können künftig in der EU keine neuen Aktien mehr ausgeben, oder Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als 30 Tagen emittieren. Ausländische Unternehmen wie Exxon Mobil oder Royal Dutch Shell, die mit den russischen Unternehmen aus dem Ölsektor kooperieren und gemeinsam Öl fördern, müssen die dortigen Aktivitäten innerhalb von 14 Tagen einstellen. Das fehlende Geld und Know How aus dem Ausland ist eine erhebliche Belastung für die russischen Ölfirmen. Russland legt daher einen Krisenfonds auf, um sämtliche Firmen zu unterstützen, die unter den Sanktionen des Westens leiden.

Gazprom-Anleihen fallen

Wegen der Sanktionen befindet sich die russische Wirtschaft am Rande der Rezession. Der Rubel ist auf 38 Rubel je Dollar und damit auf neue Rekordtiefs gefallen. Die Notenbank steckt in der Zwickmühle: Um dem Verfall des Rubels entgegenzusteuern, müsste sie die Zinsen anheben. Hingegen bräuchte die schwache Wirtschaft Zinssenkungen. Angesichts der hohen Inflation von zuletzt 7,7 Prozent kann die Notenbank das aber nicht umsetzen. Dabei bremsen die Zinsen von 8 Prozent die Wirtschaft erheblich. Wegen der sich eintrübenden Geschäftsperspektiven sinken die Anleihen von Gazprom zusehends. Da kein Ende der Spirale aus Sanktionen der EU sowie der USA einerseits und Gegenmaßnahmen von Russland andererseits in Sicht ist, könnte der Abwärtstrend bei den Anleihen von Gazprom weitergehen.

Die Sanktionen gegen die russischen Ölfirmen belasten allerdings auch deren Partner aus den USA und Europa. So hatte sich der US-Konzern Exxon Mobil vor zwei Jahren in einem 3,2 Milliarden Dollar schweren Deal mit Rosneft zusammengetan, um im Arktischen Ozean Öl zu fördern und so die Produktion zu erhöhen. Das Projekt liegt nun sprichwörtlich auf Eis - ebenso wie die Projekte europäischer Firmen wie Royal Dutch Shell, Statoil und ENI mit deren russischen Partnern.

Da der Schlagabtausch zwischen dem Westen und Russland vermutlich noch nicht am Ende ist, könnte der Druck auf den Ölpreis, den Rubel und die Anleihen russischer Ölmultis anhalten. Vorsichtige Anleger sollten sich die Entwicklung aus weiter Entfernung anschauen.

Quelle: n-tv.de