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Kann der "Neue" es wirklich richten?
Kann der "Neue" es wirklich richten?(Foto: REUTERS)
Sonntag, 02. März 2014

Die heißeste Börsenwette Europas: Italien mit neuem Anlauf

Von Daniel Saurenz

Mit dem neuen Ministerpräsidenten Matteo Renzi will Italien einen Neuanfang wagen. Er soll das Land aus der Krise führen. Der italienische Aktienmarkt zeigt bereits Stärke, auch gegenüber dem Dax.

Früher war alles besser. In den 1990er- und 2000er-Jahren war Italien eine Macht, zumindest im Fußball. Doch während sich jetzt Bayern und Dortmund fast spielerisch für die Finalrunden qualifizieren, streicht mit dem AC Mailand wohl die letzte Mannschaft schon im Achtelfinale die Segel. Passender jener AC Mailand, der als Haus- und Hofverein von Silvio Berlusconi gilt. Doch vielleicht wird in den nächsten Jahren wieder alles besser, beim Milan und auch bei Italien als Wirtschaftsstandort. Denn die neue Hoffnung heißt Renzi.

Neustart geschafft

Italien steckt in einer schweren wirtschaftlichen Krise und der Neue soll helfen. Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi will zügig Strukturreformen angehen und das Land aus der Krise herausführen. Es besteht zwar das Risiko, dass Renzi ebenso wie viele seiner Vorgänger die hohen Erwartungen nicht erfüllen kann. Der Aktienmarkt ist jedoch sehr gespannt und momentan die heißeste Wette in Europa.

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Matteo Renzi ist am Ziel seiner Träume: Der 39-Jährige ist am 22. Februar als jüngster Ministerpräsident Italiens vereidigt worden. Renzi hatte sich als Bürgermeister von Florenz einen Namen als radikaler "Verschrotter" gemacht. Er will die Macht der etablierten Politiker zurückdrängen. Der Regierungschef hat ungewöhnlich schnell ein Kabinett gebildet. In den nächsten Monaten will er zügig die Reformen des Wahlrechts und der Institutionen, ebenso wie des Arbeitsmarkts und später eine Steuerreform angehen. Ob Renzi die hohen Erwartungen erfüllen kann, bleibt allerdings fraglich. So hat er Pier Carlo Padoan zum Finanzminister ernannt. Padoan hatte als Chefvolkswirt der OECD die EZB aufgefordert, die Geldpolitik aggressiv zu lockern und sich gegen einen zu strikten Sparkurs in den Krisenländern ausgesprochen. Der Finanzminister dürfte nun versuchen, eine Lockerung der Sparpolitik durchzusetzen.

EZB steht Pate

Obwohl die Arbeitslosenquote in Italien mit 12,7 Prozent in der Nähe des Allzeithochs liegt und die Staatsschulden auf 133 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geklettert sind, sind die Zinsen für zehnjährige Anleihen auf ein Acht-Jahres-Tief von nur mehr 3,55 Prozent gesunken. Im Gegenzug ist der FTSE MIB in den vergangenen Monaten gegenüber dem Dax auf die Überholspur gewechselt. Grund ist die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die EZB. EZB-Chef Mario Draghi hatte zuletzt wiederholt betont: "Wir sind willens und bereit zu handeln", falls die Gefahr zunehme, dass die Euro-Zone in die Deflation abrutsche.

Anleger, die auf eine weitere Erholung des italienischen Aktienmarkt setzen möchten, schauen sich den DWS Invest Italien Equities (WKN: A0JMLB) an. Der Fonds der Deutsche-Bank-Tochter investiert in Standardwerte und mischt mittlere und kleine Firmen hinzu und in kleinem Umfang auch Derivate. Ebenso wie bei vielen anderen Italien-Fonds macht der Finanzsektor rund ein Drittel des Gewichts in dem DWS-Fonds aus. Alternativ bietet sich der Italien ETF von Lyxor (WKN A0BLNG) an, der breit in den italienischen Börsenindex MIB investiert.

Wer dagegen auf den italienischen Fußball und seine Erholung setzen möchte, der muss wohl bis zur nächsten Championsleague-Saison warten und hoffen, dass die alte Dame Juve oder die mailändischen Vereine Inter und AC auf Touren kommen.

Quelle: n-tv.de