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Anleger scheuen Einstieg zu Höchstwerten. Geht die Börsenrally weiter?
Anleger scheuen Einstieg zu Höchstwerten. Geht die Börsenrally weiter?(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)
Montag, 01. Mai 2017

Aktienrally geht weiter: Zehn Gründe für steigende Kurse

Ein Gastbeitrag von Stefan Eberhardt

Dax, Dow Jones und andere wichtige Indizes stehen auf Rekordniveau – da fällt es Anlegern vor allem psychologisch schwer, in die Aktienmärkte noch einzusteigen. Dabei ist ein Ende der Rally nicht in Sicht.

Zu Höchstkursen kauft kein Investor gerne Aktien. Dennoch dürfte sich ein Einstieg auch jetzt noch lohnen. Denn das Umfeld ist nach wie vor positiv – zehn Argumente für Aktien:

  1. Es herrscht nach wie vor eine extrem hohe Liquidität an den Finanzmärkten. Und diese steigt weiter. Alleine die Europäische Zentralbank (EZB) pumpt in diesem Jahr insgesamt 780 Milliarden Euro in das Finanzsystem. Ein ungeheurer Betrag. Nur mit dem EZB-Geld ließe sich mehr als die Hälfte der 30 Dax-Unternehmen kaufen. Die Bank of Japan schöpft noch aggressiver Geld. Und Liquidität kennt keine Grenzen.
    Stefan Eberhardt ist Leiter des Portfoliomanagements der Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung. Außerdem ist der Finanzexperte nebenberuflich als Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg tätig.
    Stefan Eberhardt ist Leiter des Portfoliomanagements der Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung. Außerdem ist der Finanzexperte nebenberuflich als Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg tätig.

     
  2. Die amerikanische Notenbank Fed verfolgt ebenfalls noch eine aktienmarktfreundliche Geldpolitik. Bislang entzieht sie den Börsen keine Liquidität und dreht nur sehr behutsam an der Zinsschraube. In der Vergangenheit sind die Aktienmärkte in solchen Phasen gestiegen.
     
  3. Das konjunkturelle Umfeld stimmt. Die Weltwirtschaft wächst in diesem Jahr voraussichtlich um 2,5 bis drei Prozent. Die Unsicherheiten bezüglich des chinesischen Wirtschaftswachstums haben sich relativiert. Es scheint keine "harte Landung" der Volksrepublik zu geben. Die chinesischen Festlandsbörsen haben sich nach ihrem Einbruch Anfang 2016 wieder deutlich erholt. Die Aktienmärkte in anderen Schwellenländern wie Brasilien, Indien oder Russland haben sich in den zurückliegenden zwölf Monaten ebenfalls stabilisiert.
     
  4. Der Ölpreis ist und bleibt vorerst tieft. In den USA waren nach Angaben von Baker Hughes zuletzt wieder 857 Ölbohrtürme in Betrieb und damit doppelt so viele wie vor einem Jahr. Wenn die amerikanische Frackingindustrie den Ölhahn aufdreht, kann der Preis für den wichtigen Energierohstoff kaum steigen. Davon profitiert die Erdöl verarbeitende Industrie – und zwar weltweit. Den Konsumenten kommt der niedrige Ölpreis ebenfalls zugute.
     
  5. Nach eineinhalb Jahren Flaute steigen wieder die Unternehmensgewinne. Sowohl in den USA als auch in Europa ist ein mittleres bis höheres einstelliges prozentuales Gewinnwachstum zu erwarten. Und die Unternehmensanalysten erhöhen mehrheitlich ihre Gewinnprognosen. Wenn die Unternehmen wieder mehr Geld verdienen, legen meistens auch deren Aktienkurse zu.
     
  6. Noch immer sind viele Marktteilnehmer bei Aktien unterinvestiert. Das gilt sowohl für die privaten Anleger, die weiterhin das Sparbuch oder das Bankkonto favorisieren, als auch für die institutionellen Investoren. So haben die allermeisten Versicherungen ihre zulässigen Aktienquoten bei Weitem nicht ausgeschöpft. Damit stehen noch enorm hohe Geldbeträge für mögliche Strategieanpassungen pro Aktien zur Verfügung.
     
  7. Dividendenrenditen der Unternehmen sind historisch hoch. 24 von 30 Dax-Unternehmen erhöhen dieses Jahr nochmals die Gewinnausschüttung. Die Dividendenrendite des Dax liegt bei rund drei Prozent.
     
  8. An den Rentenmärkten herrscht weiterhin Anlagenotstand. Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentieren nur mit 0,4 Prozent. Kürzere Laufzeiten werfen noch weniger ab. Das spricht klar für Aktien.
     
  9. Die Inflation zieht tendenziell an. Dadurch bewegen sich die realen Zinsen im negativen Bereich. Anleihen sind damit auf den zweiten Blick noch unattraktiver als auf den ersten. Negative Realzinsen bringen gleichzeitig Renten- und Mischfonds in Bedrängnis, da diese umfangreich in Anleihen investiert sind.
     
  10. Entwarnung auf Seiten der Politik. Die Frankreichwahl scheint glimpflich auszugehen. Die deutsche Bundestagswahl im Herbst wird voraussichtlich kaum Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben – außer es kommt zu einer rot-rot-grünen Regierung, was jedoch eher unwahrscheinlich ist. Die Flüchtlingskrise hat sich massiv entschärft. Und US-Präsident Donald Trump scheint im Amt deutlich zahmer zu agieren, als im Wahlkampf angekündigt.

Natürlich ist die Welt nicht rosarot und es bestehen weiter signifikante Risiken – auch für die Aktienmärkte: Mögliche Neuwahlen in Italien, Erdogan in der Türkei oder vielleicht eine stärkere Einmischung der USA in Syrien oder Nordkorea. Kurzfristig sind solche Verwerfungen jedoch kaum zu erwarten. Und kämen sie doch, würde dies günstige Einstiegskurse bedeuten. Denn nach wie vor spricht deutlich mehr für als gegen Aktien.

Disclaimer

Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben. www.e-cie.de

Quelle: n-tv.de