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Montag, 20. Februar 2017

Welt-Handelsindex: Welthandel trotzt Trump

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Die Weltwirtschaft wird weiter robust wachsen. Daran ändern auch die gegenwärtigen politischen Instabilitäten und Risiken nichts - vorausgesetzt, es gibt keine weiteren politischen Eskalationen.

Die Handelsaktivität in den globalen Handelsrouten zwischen den Kontinenten sowie innerhalb der wichtigsten Binnenmärkte (Nordamerika, EU und Asien) konnte die im vierten Quartal eingeschlagene positive Entwicklung bestätigen. Waren und Güter sowie Dienstleistungen befinden sich in einem regen Austauschverhältnis mit weiteren Zuwächsen, welches wiederum frühzyklische positive Signale für das gesamtwirtschaftliche Wachstum in der Weltwirtschaft verifiziert. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir im Jahr 2017 die Wachstumshürde von 3,5 Prozent übertreffen. Vorausgesetzt wir erleben keine politischen Eskalationen durch antieuropäische Kräfte, die womöglich durch die bevorstehenden Wahlen in Europa an Einfluss gewinnen oder einen US-Präsidenten, der zu scharfe protektionistische Maßnahmen ergreift, konstatiert Dr. Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung aus Köln, welche monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht.

Indikationen für die Belebung des Welthandels können vielerorts verifiziert werden. Südkorea beispielsweise, die führende Außenhandelsnation nach China in Asien, verzeichnete ein Exportwachstum jüngst von über 11 Prozent. Hervorzuheben waren die Exporte nach China die um +13,5 Prozent zum Vorjahresmonat, nach Japan um +19,2 Prozent und in die EU um +13,4 Prozent anstiegen. Primär exportiert das Land integrierte Schaltungen, Autos sowie Passagier- und Frachtschiffe und LCDs. In allen vier Bereichen waren die Wachstumsgrößen zweistellig zum Vorjahresmonat. "Was wir in Südkorea messen, ist ein Spiegelbild der derzeitigen Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern. Gerade die asiatischen Nationen durchliefen eine Untersättigung der Konsum- und Investitionszyklik aufgrund der Abschwächungen im Industriesektor in China. Die hohe Handelsdynamik verdeutlicht derzeit, dass sich die Untersättigung sukzessive auflöst", so Zschaber weiter.

Im Rahmen der Analyse zum Welt- Handelsindex konnten steigende Kapazitäten in vielen Industriesektoren, die als Reaktion auf die robuste Nachfrage entlang der gesamten internationalen industriellen Wertschöpfungskette entstanden sind, erkannt werden. Vor allem China und Südostasien sind auf dem Vormarsch. Fakt ist, der deflationäre Druck lässt deutlich nach, gerade der Anstieg der Produzentenpreise dürfte die Lage bei vielen chinesischen Unternehmen verbessern.

Kurzfristig ist Donald Trump bzw. seine Außen- und Handelspolitik das größte Risiko für den Welthandel. "Fakt ist, dass viele Menschen in den USA die Globalisierung dafür verantwortlich machen, dass es ihnen tatsächlich oder gefühlt schlechter ergeht als noch vor Jahren. Großen Zuspruch und viele Stimmen bekam Trump beispielsweise auch gerade in früheren amerikanischen Industriezentren, die nun keine wirtschaftlich bedeutende Rolle mehr spielen. Doch die Wahrheit ist, dass nicht die Globalisierung der wesentliche Grund für wachsende Ungleichheit und drohende Verteilungskonflikte ist. Alle wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema belegen, dass der technische Fortschritt im Bereich der Digitalisierung verantwortlich war und ist, dass zumal in der Industrie tendenziell weiter Menschen durch Maschinen ersetzt werden", führt der Experte aus.

"Sollte Trump seine Ankündigungen wirklich umsetzen und eine protektionistische Politik mit Tarif- und Handelsbarrieren, eventuell gekoppelt mit einer nationalistischen Politik und einer Industriepolitik, die nur auf den Heimatmarkt konzentriert ist, durchsetzen, wird sich das langfristige Wachstum der USA reduzieren. Dieses würde zu Fehlallokationen von Kapital führen, welches wiederum die Güter- und Finanzmärkte verzerrt und die langfristige Produktivität absenkt. Handel fördert die Verbreitung von produktiven Ideen und neuen, besseren Produkten. Durch den Handel steigt die Produktivität, welches letztlich auch zu steigenden Löhnen führt. Ich hoffe wirklich, dass uns hier keine Eskalation droht, da dann alle guten Entwicklungen im Welthandel aus den letzten Monaten hinfällig wären", verdeutlicht Zschaber.

In Europa zeigt sich in den erst en Wochen des neuen Jahres eine mengentechnische Belebung des interkontinentalen Handels mit Asien und den USA. Interessanterweise stiegen jüngst die Exporte aus den USA in die EU um über 10 Prozent, nach Deutschland sogar um über 12 Prozent zum Vormonat. Dieses sollte die Vorwürfe Donald Trumps, dass sich Deutschland strategisch durch einen gewollt schwächeren Euro Handelsvorteile erzielt, etwas relativieren.

Neben der Starken Nachfrage nach US-Gütern verharrt auch der europäische Binnenmarkt in einem robusten Zustand. Fakt ist, der Industriezyklus hat in den letzten vier Wochen in der Eurozone und in Asien zu einem wiederkehrenden und sich verbessernden Konjunkturtrend geführt, das zeigen eindeutig die Frühinkatoren des Welt-Handelsindex. Vor allem die Umschlagsmengen von Produktions- und Konsumgütern konnten sich im internationalen Kontext positiv entwickeln. Zukünftig unterstützend sollte der Trend zu mehr fiskalpolitischen Investitionsprogrammen in Europa, aber auch in den USA, wirken. Milliardenschwere Infrastrukturprogramme werden die Binnenmarktaktivität in den USA dynamisch ankurbeln.

Summa Summarum konnte die Geschäftslage im Handel im Vergleich zum Vormonat nochmals zulegen. Der Welt-Handelsindex konstatiert aktuell ein Niveau von 77,5 Prozent. Diese Entwicklung besagt, dass das Tempo der Zuwächse in den letzten vier Wochen, gemessen an den handelsspezifischen Konditionalitäten wie Bestellmenge, Lagerbestände, Produktionsvolumen, Warenumschlagshäufigkeit im globalen Kontext über alle vier Handelswege sich weiter verbessert haben. Damit befindet sich der Welthandel leicht oberhalb seines Trendwachstums. Wenn die großen negativen Überraschungen im Laufe des Jahres ausbleiben erwartet die V.M.Z. Vermögensverwaltung ein Wachstum des Welt-handels in 2017 von bis zu 3,5 Prozent, welches erstmals seit 2012 leicht oberhalb der gegenwärtigen Potenzialwachstumsrate von 3 Prozent liegen würde.

Was bedeutet das für den Anleger:

Mit Blick auf unser Investmentszenario, welches wir u.a. aus den Analyseergebnissen des Welt- Handelsindex ableiten, sind wir derzeit bestrebt, bei größeren Kurskorrekturen konsequent die Aktienquoten hochzufahren. Fakt ist, dass die globalen Zinslevels trotz gegenwärtigen Anstiegs historisch niedrig sind und bleiben. Gleichzeitig wirkt der QE-Modus der Notenbanken in vielen Ländern weiterhin zur globalen Geldschwemme, sprich mehr Geldmenge stößt auf konstantes Angebot von Qualitätsanlagen. Die Gewinndynamik der Unternehmen in Europa und in den USA sieht recht zuversichtlich aus. Wir determinieren eindeutig konjunkturellen Rückenwind, nicht zuletzt auch durch mehr Fiskalpolitik. Wachstumsgrößen von annualisiert über 4 Prozent im zweiten Halbjahr in den USA sind möglich, wenn auch nicht nachhaltig.

Kurz um, wir erwarten trotz aller politischen Instabilitäten und Risiken ein durchaus robustes Wachstum in der Weltwirtschaft. Sofern keine politische Eskalation, bzw. ein Extremrisiko (Wahlsieg durch den Front National in Frankreich) auftreten, sollte ein Anleger Schwankungen an den Finanzmärkten versuchen auszunutzen und Qualitätsaktien akkumulieren.

Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETFs auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren. Generelle Informationen erhalten Sie auch unter www.zschaber-events.de

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weißt der Welt - Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welthandelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal, sprich auf Höhe des Potenzialwachstums. Unter Potenzialwachstumsraten werden die Zuwachsraten, mit dem der Welthandel mittel- bis längerfristig unter normaler Ausnutzung aller Kapazitäten wachsen wird, verstanden. Konjunkturelle Schwankungen werden zut Berechnung des Potenzialwachstums absichtlich nicht berücksichtigt. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem „manager-magazin-online“ und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de