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Montag, 18. April 2016

Welt-Handelsindex: Welthandel tritt auf der Stelle

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Viele Ökonomen befürchten eine Rezession "Made in China", welche die Weltwirtschaft empfindlich treffen könnte. Diese Angst ist übertrieben.

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In den vergangenen vier Wochen ist das Momentum des Welthandels leicht gestiegen und verharrt aktuell auf einem Niveau von 68% (Vormonat 67%) und damit weiterhin unterhalb des Niveaus, welches dem Potenzialwachstum der weltweiten Güter- und Dienstleistungsströme entspricht. Die Entschleunigung des Welthandels ist eindeutig auf die Umstrukturierung des chinesischen Konjunkturmodells sowie auf den starken Preisverfall bei den Rohstoff- und Industriemetallen zurückzuführen. "Unsere Analyse zeigt in erster Linie weiterhin, dass wir derzeit eine Anpassung auf der Angebotsseite durchlaufen, welches bedeutet, dass die Produktionsmengen leicht sinken, dadurch die Preise sich stabilisieren. Ich sehe allerdings keinen wirklichen Nachfrageschock, insofern auch keinen Grund zur wirklichen Sorge. Wir haben keinen Einbruch der Nachfrage wie z.B. 2008/2009 oder 2011", gibt Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung, die monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht, Entwarnung.

Laut Angaben des Kölner Vermögensverwalters befürchten viele Ökonomen und Marktteilnehmer eine Rezession "Made in China", welche die Weltwirtschaft empfindlich treffen könnte. Dieses sieht er aber als übertrieben eingestuft: "Ja, die Konjunkturdynamik ist moderat verhalten in China, bewegt sich aber in etwa auf dem Niveau der letzten beiden Quartale. Auch die Produktion sollte das Niveau der zweiten Jahreshälfte 2015 halten können. Was wir wahrnehmen, ist eine leichte Angebotsanpassung in China, welches an den Umschlagsmengen aller vier Transportwege (Straße, Schiff, Flug- & Schienenverkehr) in Ansätzen zu quantifizieren ist, wobei dieses auf die niedrigen Rohstoffpreise zurückzuführen ist. Ein Grund zur Sorge ist dieses sicher nicht, vor allem weil die Statistiken, gerade was den Rohstoffverbrauch betrifft, in US-Dollar gemessen werden und dieses von vielen Akteuren vergessen wird. Fakt ist, dass das Importvolumen von Rohöl im Februar um +24,4% zum Vorjahresmonat angestiegen ist, denn nur der niedrige Ölpreis drückt das importierte Volumen gemessen in Dollar. Ähnlich verhalten sich auch die Eisenerzimporte, die ebenfalls nur durch die niedrigen Preise stark negativ ausgedrückt werden. Die Menge beim importierten Rohöl sowie auch beim importierten Eisenerz sind klare Indizien dafür, dass die Nachfrage in China nicht eingebrochen ist. Es scheint nur so, dass viele Analysten zu oberflächig in der Analyse sind", fasst Zschaber zusammen.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Hinzu kommt, dass die offizielle Wachstumsrate der breit gefassten Anlageinvestitionen (privat und staatlich) im Januar und Februar kumuliert um +10,2% zum Vorjahreszeitraum anstieg, sprich eine Beschleunigung konnte quantifiziert werden. Außerdem konnten die Investitionen in die chinesische Infrastruktur mit aktuell +15,0%, von Januar bis Februar 2016 deutlich zulegen, genauso wie die Investitionen in das verarbeitende Gewerbe, die um +7,5% zum Vorjahreszeitraum anstiegen. Daher sieht der Experte die breite sektorale Industriestruktur Chinas auf einem guten Weg und das Gespenst einer harten konjunkturellen Landung in China lässt keinen mehr erzittern.

Natürlich steht der chinesischen Wirtschaft ein Anpassungsprozess bevor, welcher die konjunkturelle Dynamik dämpft. Allerdings verweist Zschaber auf die Tatsache, dass das Konjunkturmodell in China durch die Zentralregierung gemanagt wird, dieses war in den letzten dreißig Jahren so und das wird auch so bleiben. Nicht zuletzt durch die jüngste Währungsabwertung der heimischen Währung wirkt die Regierung gegen eine zu aggressive Anpassung. Auch die Geldpolitik ist heute viel expansiver als noch vor einigen Monaten bzw. in den letzten Jahren. China will die industriellen Überkapazitäten abbauen und durch steigende Lohnstückkosten den privaten Verbrauch und die eigene Binnenwirtschaft stärken. Allerdings nicht in einem Tempo, welches gefährlich sein könnte, sondern in einem Maße, welches ihrem Fahrplan entspricht.

Treibender Katalysator für den Warenhandel in der Welt ist und bleibt die Überschussliquidität, die durch die aggressive Geldpolitik der Notenbanken rund um den Globus im hohen Maße vorhanden ist. Dies führt bereits zu höheren Kapital- und Investitionsströmen. Der Produktionsfaktor Kapital ist die Grundvoraussetzung für einen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Nachfragekurve und einer höheren Wirtschaftsaktivität in 2016. Der Ausblick des Welthandels hat in 2015 und bis in den Februar 2016 zwar einen Dämpfer bekommen, bleibt aber insgesamt vorsichtig positiv für das Gesamtjahr 2016. Vor allem der private Verbrauch sollte in Europa, in den USA und in Asien ansteigen. Die niedrigen Rohstoffpreise führen zu höherer Kaufkraft, so dass eine Belebung des privaten Verbrauchs in allen Regionen sehr wahrscheinlich ist, dieses wird auch die Warenströme stabilisieren.

Für Deutschland erwartet der Experte folgende Entwicklungen: "Sicherlich werden wir auch im weiteren Verlauf des Jahres naturgemäß Unsicherheiten im Welthandel und damit auch für unsere heimische Exportindustrie erleben. Wir gehen aber davon aus, dass die Auftriebskräfte die Oberhand behalten werden." Zschaber geht sogar so weit, dass er von einem ansteigenden Exportwachstum durch den niedrigeren Eurokurs ausgeht, gepaart mit einem sich weiter freundlich entwickelnden Konsum, der auf die steigenden Lohnsummen zurückzuführen ist.

Was bedeutet das für den Anleger?

Anleger sollten sich trotz der Schwankungen an den Aktienmärkten in den letzten Wochen nicht beirren lassen. Anleger benötigen in der heutigen Zeit erstklassige Unternehmen mit einem globalen Geschäftsmodell. Besondere Merkmale bei der Unternehmensauswahl sollten sein, Unternehmen zu finden, die aktuell vom niedrigen Euro-Kurs auf der Exportseite profitieren sowie von den niedrigen Energiepreisen. Hier ist auf jeden Fall die Chance, dass die Gewinndynamik der Unternehmen mit den Kursgewinnen der Aktien am stärksten mithalten sollte, was dazu führt, dass die Bewertungen flacher ansteigen werden, am größten. Der Kölner Vermögensverwalter präferiert hier vor allem Industrieunternehmen aus den Bereichen Chemie, Maschinenbau und Konsumgüterhersteller.

Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF's auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren.

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der "Welt-Handelsindex" fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren.

Indexstände oberhalb eines Niveaus von 50 Punkten deuten einen wachsenden Welthandel an, inmitten einer expandierenden Gesamtwirtschaft. Unterhalb des Niveaus von 50 lässt sich dagegen aussagen, dass die Welthandelsaktivität schrumpft, wobei ab einem Niveau von unter 45 sogar eine deutliche Kontraktion der Gesamtwirtschaft zu erwarten ist.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "Handelsblatt" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de