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Montag, 21. Dezember 2015

Welt-Handelsindex: Was bringt das kommende Jahr?

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Ein für den Welthandel schwieriges Jahr geht zu Ende. Wird es 2016 anders? Vermögensverwalter Markus Zschaber blickt in das nächste Jahr und erklärt, was ihm Sorgen und was ihm Hoffnung macht.

Mit Blick auf die im Rahmen des "Welt-Handelsindex" analysierten Transport- und Logistikdaten sprechen diese dafür, dass der Welthandel in den letzten vier Wochen stagniert haben sollte und daraus ableitend, dass die Weltwirtschaft nur ein moderates Wachstum verzeichnet hat. Vor allem die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe zieht sich nun deutlich länger als noch zu den Sommermonaten angenommen. Dagegen stemmen sich die Binnenhandelsdaten in allen relevanten Volkswirtschaften, welche zuletzt deutlich positiver tendierten. Hervorzuheben waren jüngst die USA, Europa, China und Indien.

"Vor allem den Verfall der Ölpreise sehe ich für den Binnenmarkt als außergewöhnlichen Impuls für das kommende Jahr 2016. Viele ölimportierende Länder können bereits schon jetzt beachtliche Kaufkraftgewinne verbuchen. Aber auch unter den Schwellenländern gibt es Gewinner – etwa die großen Länder Asiens, vor allem China, Indien und Indonesien. Dies wird verbesserte Wachstumskräfte im globalen Kontext in 2016 hervorrufen, auch wenn der Gegenwind aus der Weltindustrieproduktion noch etwas andauern wird", konstatiert Dr. Markus Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung, die monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht. "Fakt ist aber auch, der Preisrückgang beim Öl senkt die Kosten der Produktion und steigert unmittelbar die Kaufkraft der Konsumenten", so der Experte weiter.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Sorgen bereiten dem Vermögensverwalter die stagnierenden Kapazitäten in vielen Industriesektoren, die als Reaktion auf die schwache industrielle Nachfrage entlang der Wertschöpfungskette entstanden sind. Nicht zuletzt kann dies weiterhin auf die heterogenen Nachfrage- und Produktionszyklen aus den Schwellenländern zurückgeführt werden. Positiv sieht er allerdings, mit Blick auf das Jahr 2016, eine sich durchaus verbesserte US-Konjunktur und eine sich stabilisierende Euro-Wirtschaft und natürlich die horrenden Bereitstellungen an Liquidität durch die Notenbanken: "Ich sehe die Potenz in der Weltwirtschaft, im kommenden Jahr die 3-Prozent-Wachstumshürde zu erreichen, da die USA, als größte Volkswirtschaft der Welt, gerade hinsichtlich der privaten Nachfrage einen Sprung nach vorne machen wird". Der größte Konsument der Welt wird somit die Lokomotive des Welthandels darstellen.

Die Dynamik der Weltwirtschaft wird allerdings auch im Jahr 2016 in den unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Geschwindigkeiten verzeichnen. Gerade die Unterschiede zwischen Europa und den USA dürften ähnlich groß ausfallen wie bereits in 2015.

Während die US-Wirtschaft getragen durch eine starke Binnennachfrage in allen Schlüsselfunktionen ihres Wachstums profitieren sollte, kann für Europa zwar eine ansteigende aber noch eher instabilere binnenwirtschaftliche Aktivität erwartet werden. Dieses liegt untere anderem an der Unterauslastung der europäischen Industrie und der daraus abzuleitenden hohen Arbeitslosigkeit. Zwar bestehen hier die größten Überraschungschancen durch die jüngst angekündigten Maßnahmen der EZB sowie zyklische Effekte, die durchaus für einen gewissen temporären konjunkturellen Impuls sprechen könnten. Die strukturellen Gräben allerdings, wie die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit gerade in der europäischen Peripherie, sind aber insgesamt noch zu tief, um diese bereits in 2016 nachhaltig zu überwinden. Seitens des europäischen Außenhandels sollte es einen klaren Gewinner geben – Deutschland, während Frankreich, Italien und Spanien weiterhin eher nur einen unterproportionalen Außenhandelsbeitrag erzielen dürften.

Deutschland wird nach Angaben von Zschaber aller Voraussicht nach im kommenden Jahr wieder der Lichtblick am Konjunkturhorizont der Eurozone sein. Vor allem die deutsche Konsumkonjunktur zeigt sich sehr robust und wird durch einen stabilen Arbeitsmarkt getragen, die Industriekonjunktur leidet zwar unter der allgemeinen Schwächephase der globalen Wirtschaft, kann aber nach wie vor, trotz aller Störfeuer, die internationalen Absatzzahlen verteidigen. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie bleibt hoch.

Der Kölner Vermögensverwalter stellt klar: "Deutschland ist und bleibt industrielles Schwergewicht und erwirtschaftet mit rund einem Drittel der industriellen Wertschöpfung den Löwenanteil in der EU. Mein Team und ich sehen sehr gute Chancen gerade im Bereich der intelligenten Verfahren und Produktionsprozesse unter dem Deckmantel der Vollautomatisierung, da dies die industrielle Antwort sein wird auf die steigende Komplexität, was wiederum den Effizienzgedanken maßgeblich positiv beeinflussen sollte!"

"Gerade die Kommunikation zwischen Mensch, Maschine, Ressourcen und Überwachung wird innerhalb des Herstellungsprozesses eine noch größere Rolle einnehmen, was schlussendlich auch den Fertigungsprozess, die industrienahe Dienstleistung sowie die Logistik miteinander verbinden wird. Ich gehe sogar soweit, dass diese Entwicklung ein neuer Superzyklus der Zukunft sein wird", ist sich Zschaber ganz sicher. Damit werden sich die altbekannten Wertschöpfungsketten fortentwickeln und völlig neue Geschäftsmodelle etablieren. Die Verknüpfung von Produktion, Marketing und Logistik miteinander über die Informationstechnologie geht unaufhaltsam weiter und erfasst dabei alle Betriebsmittel, Produktionsstätten und Lagersysteme. Die Technologie für diesen Trend ist vorhanden. Wir werden Potenziale in der gesamten Wertschöpfungskette zukünftig neu definieren.

Für das Gesamtkorsett des Welthandels bedeuten diese Entwicklungen, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion und die Nachfrage nach wirtschaftlichen Gütern langfristig weiter ansteigen sollten und dadurch höhere Kapazitäten bei den Unternehmen erforderlich werden. "Ich gehe davon aus, dass bereits im kommenden Jahr eine sukzessive höhere Traktion in der Weltwirtschaft wahrzunehmen ist", so Markus Zschaber weiter. Zwar erwartet der Experte keine Höhensprünge des Welthandels, allerdings ein besseres Jahr als das vergangene.

Das Tempo im Welthandel hat zuletzt wieder etwas zugelegt, was auch das aktuelle Ergebnis von 69,4 Prozent des Welt-Handelsindex widerspiegelt. Wichtig festzuhalten ist, dass erst Werte oberhalb des Niveaus von 70 Prozent den Trend des Potenzialwachstums im Welthandel widerspiegeln. "Mit Blick auf die vorausschauenden Daten sehe ich Chancen, dass das Niveau des Potenzialwachstums im ersten Quartal 2016 wieder erreicht werden könnte. Gerade die Dynamik in den Binnenmärkten wie in den USA, Europa und in China zeigt sich robust und mit Potenzial. Das sollte auch auf die Außenhandelsdaten sukzessive positiv ausstrahlen", ist sich Zschaber sicher.

Was bedeutet das für den Anleger:

In einer Phase der extrem lockeren Geldpolitik, die von einem schwierigem Umfeld im Welthandel sowie von politischen Risiken heimgesucht wird, ist es ganz entscheidend für Anleger auf Qualität bei der Aktienauswahl zu achten. Es werden auch in 2016 die Unternehmen gefragt sein, die ein gesundes und diversifiziertes Produktportfolio aufweisen, um an den unterschiedlichen Geschwindigkeiten flexibel zu partizipieren. Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen.

Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF`s auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren. Informationen hierzu unter www.welthandelsindex.de.

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index.

Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Indexstände oberhalb eines Niveaus von 50 Punkten deuten einen wachsenden Welthandel an, inmitten einer expandierenden Gesamtwirtschaft.

Unterhalb des Niveaus von 50 lässt sich dagegen aussagen, dass die Welthandelsaktivität schrumpft, wobei ab einem Niveau von unter 45 sogar eine deutliche Kontraktion der Gesamtwirtschaft zu erwarten ist.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "Handelsblatt" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de

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