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Samstag, 22. August 2015

Dax-Korrektur: Ist wirklich alles so schlimm?

An den Aktienmärkten geht es abwärts. Auch der deutsche Leitindex lässt Federn. Für den Vermögensverwalter Markus Zschaber ist das kein Grund, die große Verkaufswelle zu starten. Im Gegenteil.

Die aktuelle Woche ist eine Woche, in der die Finanzmärkte sehr großem Druck ausgesetzt waren. Psychologie und Stimmungen dominierten das aktuelle Börsenumfeld. Die sachliche Analyse wurde vollständig ausgeblendet. Trotz der unerwarteten dynamischen Kursschwäche in den letzten drei Tagen, sehen wir die aktuelle Phase nicht als Grund für vorschnelle Handlungen bzw. machen uns keine Sorgen um unser und das allgemeine positive Weltbild. Als sachlicher Investor und Vermögensverwalter, welcher primär die langfristigen Trends fokussiert und seine Anlagestrategien daran orientiert und koordiniert, gleichzeitig aber systemische Risiken detailgenau analysiert, schauen wir genau hin.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Zu den Fakten. Aus unserer Sicht sind die langfristigen Trends vollständig intakt - sie werden sogar durch die aktuelle Phase verstärkt, und wir sehen auch kein systemisches Risiko wie z.B. in 2008 oder in 2011. Dementsprechend halten wir Adjustierungen oder die Reduzierungen für höher gewichtete Aktienstrategien für nicht gerechtfertigt, im Gegenteil!

Ausgangspunkt der gegenwärtigen Marktkonsolidierung war die Abwertung der chinesischen Währung in der vergangenen Woche. Wir möchten nochmals betonen, dass wir diesen Schritt hin zu einer Modifizierung des Wechselkurses als nachhaltig entscheidenden Faktor sehen, da die chinesische Regierung damit ihre Bereitschaft signalisiert, mit der graduellen Öffnung der Kapitalbilanz und der Liberalisierung des Wechselkursregimes fortzufahren.

Sicher ist das Timing dieses Schrittes unter konjunkturellen Aspekten bemerkenswert. Die chinesische Regierung hat die konjunkturelle Situation antizipiert und stellt sich dagegen. Von der Währungsabwertung verspricht sich die chinesische Regierung eine konjunkturelle Besserung. Der Export dürfte angesichts der Abwertung um einige Prozentpunkte ansteigen. Er wird aber sicherlich nicht zum Hauptträger der Konjunktur werden. Die wesentlichen Impulse werden im Jahr 2015 vom privaten Verbrauch und von den Investitionen kommen. Dabei hat der private Verbrauch erfreulicherweise Boden gegenüber den Investitionen gut gemacht.

Die weltwirtschaftlichen Auswirkungen der Währungsabwertung werden regional sehr differenziert sein. Im intraasiatischen Handel werden sich keine größeren Verschiebungen ergeben, denn die meisten asiatischen Währungen hatten bereits gegenüber dem US-Dollar abgewertet und vollziehen nun auch die Entwicklung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar in abgeschwächter Form nach. Der Trend zur Zerlegung von Wertschöpfungsketten und der Anstieg der intraasiatischen Direktinvestitionen werden anhalten.

Für die Industrieländer sind durchaus stärkere Auswirkungen zu erwarten, insbesondere für die USA, deren Handel mit China sehr ausgeprägt ist und deren Währung gegenüber dem Euro und dem Yen bereits sehr stark zugelegt hat.

Insofern ist damit zu rechnen, dass das Außenhandelsdefizit der USA zunimmt und die Konsumnachfrage für das US-Wirtschaftswachstum noch größere Bedeutung erlangt. Da der Konsum einiges an Dynamik aufweist und durch den jüngsten Ölpreisrückgang weiter unterstützt wird, rechnen wir nach wie vor mit einer ersten Zinserhöhung seitens der Fed. Das "Zinswendchen" in den USA wird allerdings durch die Abwertung der chinesischen Regierung sogar noch niedriger ausfallen als angenommen. Dazu später mehr.

Fazit: So lange die Konjunkturentwicklung in China aufwärtsgerichtet bleibt, und dies wird durch die leichte Abwertung eher gefördert, werden auch die Exportchancen nach China weiterhin positiv bleiben. Fakt ist, das Ausmaß der negativen Marktreaktionen der letzten Tage auf die Renminbi-Abwertung und die konjunkturelle Schwäche in China ist daher nach unserer Einschätzung maßlos übertrieben.

Grundsätzlich möchten wir festhalten: China wird keine Rezession erleben. Das jährliche Wachstum schwächt sich von 7 % p.a. auf 6,5 % p.a. vielleicht sogar bis auf 6 % p.a. ab. Damit führt China weiterhin gemessen am Wachstumstempo mit deutlichem Abstand gegenüber allen relevanten Volkswirtschaften in Nord- und Südamerika, Europa und Asien. Wichtig: Das BIP von China beträgt heute 10.400 Milliarden USD. Ein verlangsamtes Wachstum von 6% p.a. bedeutet ein Zuwachs von 624 Milliarden USD pro Jahr. Das entspricht mehr als dem gesamten BIP von Schweden, welches in der gesamten Historie von Schweden aufgebaut wurde. Sprich bei 6 % p.a. Wachstum entsteht nur durch China jedes Jahr "ein neues Schweden", rein an der Wirtschaftsleistung gemessen. Nochmals, wir haben eine leichte Abschwächung der konjunkturellen Performance in China, keine Rezession. Insofern bewerten wir die Reaktion an den Finanzmärkten als nicht effizient.

Märkte können unsachliche Bewegungen forcieren - zeitweise neigen sie zu ungerechtfertigtem Pessimismus. Allerdings ist dies nichts Neues. Selbst dann, wenn wir auf die letzten vier Jahre schauen und als Ausgangspunkt das dritte Quartal 2011 und den DAX als Gradmesser heranziehen. Sprich einen Zeitraum betrachten, welcher die großen Krisen 2008/2009 bzw. Frühsommer 2011 bewusst ausblendet. Im besagten Zeitraum von vier Jahren, sahen wir 8 Börsenphasen (inklusive der aktuellen), in denen der DAX zwischen -7,5 % und -18 % (dreimal zwischen -7,5 % und -8,5 %, fünfmal zwischen -10 % und -18 % (aktuell -16,8 % vom Höchstpunkt 12.400 im DAX) temporär an Kursschwankungen hinnehmen musste. Wichtig: Unterm Strich steht in diesem Gesamtzeitraum von 4 Jahren, trotz jener  8 Konsolidierungsphasen, ein Kursplus von rund +97 % zu Buche.

Interessanterweise dauerte die Erholung bis die alten Höchststände wieder erreicht wurden im Schnitt nur halb solange wie die vorherige Korrekturphase. Marktineffizienzen werden zügig abgebaut.

Volatilität gehört zu den Finanzmärkten dazu, Linearität existiert nicht. Wichtig ist, die Kalkulation bzw. fundamentale Einschätzung der Realitäten auch in solchen Phasen richtig bewerten zu können. Die aktuelle Lage ist deutlich besser als die Stimmung, sowie in allen 8 Marktkorrekturen in den letzten vier Jahren.

Unser positives Weltbild ist vollständig intakt und wird durch die aktuelle Phase gestärkt: Niedrigste Zinsen sind die wichtigsten Treiber für Aktien / Realkapital, da dies die Nachfrage nach Anlagen mit Renditechancen automatisch vergrößert. Vor allem die Renditedifferenz zwischen den größten Anlagemärkten Anleihen & Aktien spricht eindeutig für die Aktie, sodass die Nachfrage nach Aktien steigen wird. Die Notenbanken rund um den Globus erweitern ihre Bilanzen weiter konsequent und dynamisch, was nichts anderes bedeutet, dass im großen Stil Geld gedruckt wird. Sprich, die globale Geldmenge steigt und steigt und steigt. Die Zirkulation von Kapital erhöht sich von Monat zu Monat. Wichtig: Sollte eine konjunkturelle Schwäche sich in den Köpfen der Unternehmer aus reiner Furcht manifestieren (selbsterfüllende Prophezeiung), wird die Reaktion der Notenbanken sein, noch mehr Geld zu drucken. Daraus resultiert, dass der Realzins in allen Industrienationen negativ ist und sich weiter absenkt, gleichzeitig die Geldmenge noch größer wird, dieses wird die Seite der Aktien beflügeln.

Übrigens profitieren nicht zuletzt auch die Unternehmen in ihren Geschäftsmodellen davon, die in diesen Staaten, wie z.B. in Deutschland ansässig sind, durch niedrigste Fremdkapitalkosten. Bayer konnte sich jüngst Kapital in hoher dreistelliger Millioneneurosumme für unter 1,5 % Zinsen für fünf Jahre beschaffen.

Das bedeutet konkret:

Fremdkapitalkosten der Unternehmen senken sich ab, die operativen Margen der Unternehmen steigen. Natürliche Nachfrage nach Aktien steigt, da Aktien attraktiver werden

Aktienrückkaufproramme durch die Unternehmen werden dynamisch umgesetzt und billigst finanziert. Angebot an Aktien reduziert sich.

Fakt ist, die Nachfrage nach Aktien wird durch die natürliche Nachfrage der Marktteilnehmer und durch die Geldmengenausweitung der Notenbanken nachhaltig steigen, gleichzeitig reduziert sich das Angebot an Qualitätsaktien durch die Aktienrückkaufprogramme der Unternehmen !

Die langfristige Reaktion wird sein, wenn die Nachfrage steigt und das Angebot sinkt, dass der Preis/Kurs für Qualitätsunternehmen langfristig ansteigen wird.

Temporär können aber konjunkturelle oder zyklische Schwankungen auftreten und Marktpreise kurzfristig beeinflussen. Hintergrund ist, dass der Markt versucht, bevorstehende Veränderungen wie z.B. geldpolitische Veränderungen zu kalkulieren. Ein großes Thema ist die Zinswende in den USA. Die letzte Zinserhöhung gab es 2006, also vor fast zehn Jahren. Viele haben große Furcht vor der ersten Zinserhöhung in den USA. Fakt ist, blickt man in die Historie sind Zinserhöhungen keinesfalls negativ zu werten. Vor allem wenn Sie nur graduell verlaufen.

Wir haben viele Untersuchungen durchgeführt und sind zu folgendem Ergebnis gekommen: Seit die USA 1971 den Goldstandard verlassen haben, hat die erste Zinserhöhung nach einer längeren Phase von Zinssenkungen noch nie einen Bullenmarkt beendet. Die Börsen haben in der Zwischenzeit sechsmal einen ausgewachsenen Bullenmarkt erlebt. Alle haben mindestens anderthalb Jahre angehalten, nachdem die Fed die Zinsen erhöht hat. Im Schnitt hält eine Hausse nach der ersten Erhöhung weitere 3,3 Jahre an. Bei graduell verlaufenden Zinserhöhungen sogar tendenziell eher länger als 3,3 Jahre. Für US-Aktien beträgt die durchschnittliche Rendite zwischen Zinserhöhung und nachfolgendem Hoch insgesamt 80,6 %. Für den DAX liegt die Rendite sogar noch etwas darüber.

Erst wenn die Fed die Zinsen zu hoch steigen lassen würde, sollte man Vorsicht walten lassen. Das gilt aktuell ab einem Zinsniveau von 3 % (aktuell 0,00 bis 0,25 %). Insofern ist hier noch viel Spielraum.

Grundsätzliches zu unseren favorisierten Anlagestrategien:

Wie bereits häufig in den letzten Monaten innerhalb unserer Veröffentlichungen bei n-tv angesprochen, sehen wir eine favorisierte Stellung deutscher Aktienunternehmen in unseren Portfolios. Die Hintergründe sind:

  • Sehr Attraktive Bewertungen von deutschen Unternehmen.
  • Die Dividendenrendite deutscher Qualitätsunternehmen liegt über 2,7 % p.a., während die Zinsen bei 0 % liegen oder negativ sind. Übrigens horten die deutschen Unternehmen Rekordhöhen an Cash in ihren Bilanzen. Weitere Dividendenerhöhungen sind bereits angekündigt.
  • Die Fremdkapitalkostenquote ist auf Rekordtief --> dies erhöht die operativen Margen.
  • Der Eurokurs hat sich extrem gegenüber allen handelsrelevanten Währungen verbilligt. Das bedeutet für unsere deutschen Unternehmen, dass ihre Waren auf dem Weltmarkt günstiger werden und zugleich nehmen sie für Produkte, die beispielsweise in Dollar bezahlt werden, umgerechnet mehr ein.
  • Die niedrigen Energiepreise drücken die Kosten der Unternehmen zusätzlich und sorgen für mehr Kaufkraft bei den Konsumenten und zwar weltweit! Das ist das größte globale Konjunkturprogramm neben der Geldpolitik der Notenbanken im globalen Kontext.
  • Fakt ist, das Geschäft bei den DAX-Konzernen brummt: Gegenüber dem Vorjahresquartal stiegen die aggregierten Unternehmensumsätze um 12 % an, die Gewinne je Aktie weiteten sich durchschnittlich um 14 % aus.
  • Stichwort Berichtssaison: Entscheidend ist, dass die Ausblicke durch die Bank weg alle stabil bis vollmundig formuliert werden. Das heißt, man ist nach wie vor davon überzeugt, dass die Konjunktur weltweit stabil ist.

Hintergründe für die Übergewichtung in deutsche Aktien

Unsere Aktienauswahl umfasst nur Unternehmen die folgende 3 Primär-Kriterien erfüllt haben:

  • Solide Profitabilität: Auf die Krise 2008 wurde mit hohen Kostenkürzungen und Margenverbesserungen massiv reagiert.
  • Hohe Liquidität: Liquidität und Vermögen stehen im Mittelpunkt. Höchstes Liquiditätsvorkommen seit 60 Jahren.
  • Abbau der Verschuldung: Verringerung der Verschuldung um mindestens 50% als Lernkurve à dies unterstreicht die soliden Bilanzen.

Die Übergewichtung deutscher Qualitätsunternehmen ist somit eine fundamentale Strategie. Wir investieren mittelfristig in die qualitativ interessantesten Unternehmen mit rentablen Geschäftsmodellen, hoher operativer Performance und stetiger Wertschöpfung.

Quintessenz: Schwankungen gehören zu den Finanzmärkten dazu. Wichtig dabei ist, die Kalkulation bzw. fundamentale Einschätzung der Realitäten richtig bewerten zu können. Wir sehen unser Weltbild völlig intakt, exakt wie in den letzten vier Jahren in denen alleine 7 Marktphasen, wie die aktuelle durchlaufen wurden und ja, wir kaufen jetzt Aktien.

Ihr Markus Zschaber

Dr. Markus C. Zschaber ist geschäftsführender Gesellschafter der "V.M.Z Vermögensverwaltungs-gesellschaft" (www.zschaber.de.) Gemeinsam mit dem Nachrichtensender n-tv veröffentlicht er monatlich mit seinem "Institut für Kapitalmarktanalyse" (www.kapitalmarktanalyse.com) die Konjunkturbarometer "Welt-Index" und "Welt-Handelsindex".

Quelle: n-tv.de