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Montag, 23. Mai 2016

Welt-Handelsindex: Erste Aufschwungssignale

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Der Welthandel befindet sich in seiner Grundtendenz wieder auf Erholungskurs. Die Ausgangslage ist ermutigend, denn es gibt profitable Unternehmen und zyklische industrielle Widerstandskräfte.

Die aktuelle Lage in der Weltwirtschaft, gemessen an den Nachfragezyklen und den Absatzpotenzialen, zeigt nach wie vor die Heterogenität zwischen den Regionen Nordamerika, Asien und Europa. Mit Blick auf die regionale Entwicklung könne schnell erkannt werden, dass Europa vor allem in den letzten Monaten zu einem konjunkturellen Stützpfeiler für die Weltwirtschaft geworden sei, so Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung, die monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht. Vor allem die Produktionsvolumina konnten in den vergangenen vier Wochen speziell in Europa weiter zulegen, exakt wie die Binnennachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Unter dem Strich hat Europa den langatmigen Konsolidierungsmodus aus jetziger Sicht überwunden, auch wenn die strukturellen Gräben der großen Krisen der jüngeren Vergangenheit weiterhin noch sehr groß sind.

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Allerdings gilt auch anzumerken, dass die Ansätze der EU-Kommission, den Sparmodus in 2016 weiter zu lockern, um der konjunkturellen Entwicklung in den Krisenländern der Eurozone mehr Luft zum Atmen zu verschaffen, als zuversichtlich zu bezeichnen sind. Auch die Maßnahmen der EZB, zukünftig die Finanzierungskosten der Unternehmen mit kreativen Lösungsansätzen zu bearbeiten, sollten die Nachfragekurve stabilisieren. "Die Eurokrise war und ist der Faktor, der für Unsicherheiten im Denk- und Planungsmuster vieler Unternehmenslenker geführt hat. Die Neukonfiguration, welche durch die neue Mischung aus geldpolitischer Stimulation und einer konjunkturfreundlicheren Fiskalpolitik umgesetzt wird, sollte mehr Vertrauen schaffen", so der Vermögensverwalter. Einige Nationen im Süden Europas wurden schlichtweg konjunkturell überfordert, denn beispielsweise Portugal, Griechenland und Spanien haben die aggressiven Reformmaßnahmen mitunter bis zu 5 Prozent des jeweiligen BIP gekostet, und dadurch wurden gesellschaftliche Instabilitäten für jedermann sichtbar produziert. Diese Instabilität gilt es jetzt wieder einzufangen, um höheren gesellschaftlichen Schaden abzuwenden.

Mit Blick auf die langfristige Entwicklung des Welthandels ist Zschaber aber durchaus verhalten optimistisch. Für 2017 bezeichnet er die Perspektive sogar nochmals deutlich positiver, denn er erwartet eine leichte Zunahme der Kapazitäten als auch der Handels- und Investitionsströme in den kommenden 24 Monaten.

In den ersten Monaten des Jahres 2016 konnte noch nicht von einer ausbalancierten Nachfragestruktur im globalen Kontext gesprochen werden, vor allem die Investitionen in Asien und den USA waren sehr schwach, welches im Vorfeld bereits durch die schwachen Nachfragen im Handelsvolumina zu erwarten war. Dennoch ist davon auszugehen, dass keine nachhaltigen Belastungen, welche die Weltwirtschaft in eine Rezession drängen könnten, derzeit vorhanden sind. Die Rohstahlerzeugung, die erfahrungsgemäß sehr sensitiv auf konjunkturelle Schwankungen reagiert, blieb bemerkenswert stabil, auch die arg gebeutelten Preise konnten sich in den vergangenen Tagen leicht erholen. Ein Deflationsrisiko, welches kurzfristig für Unsicherheiten gesorgt hatte, wird somit nicht bestätigt.

Dr. Markus C. Zschaber.
Dr. Markus C. Zschaber.

Der Welthandel befindet sich nach den empirischen Auswertungen zum "Welt-Handelsindex" wieder zurück auf positivem Kurs. Aktuell weist der "Welt-Handelsindex" einen Punktestand von 70 Prozent aus und ist damit weiterhin exakt auf dem Niveau, welches dem Potenzialwachstum der weltweiten Güter- und Dienstleistungsströme entspricht. "Dies bestätigt auch die These, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion und die Nachfrage nach wirtschaftlichen Gütern weiter ansteigen sollten und dadurch höhere Kapazitäten erforderlich werden. Es besteht eine klar erkennbare Untersättigung im Konjunkturzyklus, hervorgerufen durch die politischen Krisen der letzten 9 Monate", so der Vermögensverwalter.

Diese Tatsachen sollten dazu führen, dass Investitionen und die Nachfrage auch mit Blick auf die kommenden Monate eine eher ansteigende Stabilität anzeigen sollten. Unverändert kommen die nachfrageorientierten Impulse in erster Linie aus den USA und Europa, respektive Deutschland. Auch aus China stabilisiert sich jüngst die Güternachfrage.

Die USA zeigt sich wie erwartet innerhalb eines durchaus attraktiven Wachstumskorridors, trotz der eher schwächeren außenwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit aufgrund des starken US-Dollars. Gerade die Importnachfrage aus der Privatwirtschaft stützt den Welthandel derzeit. Im ersten Quartal zeigten sich zwar leichte Schwungverluste, welches aber rein zyklischer Natur sein sollte. Gegen Ende des laufenden Jahres und 2017 dürfte die US-Wirtschaft weiter an Fahrt aufnehmen. An der expansiven Geldpolitik wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern, die Heilprozesse im Finanzsektor setzen sich fort, dieses verbessert die Transmission von Kapital in die Realwirtschaft, dadurch wird die Industrienachfrage gestützt und dieses wird die Umschlagshäufigkeit auf den Handelswegen erhöhen.

Aus China bestätigt sich der Neuausrichtungstrend der eigenen Volkswirtschaft, was explizit durch die chinesische Regierung forciert wird. Qualität statt Quantität gilt als die neue Strategie Chinas, dieses bedeutet, dass eine Abkehr vom investitionsgetriebenen hin zu mehr konsumbasiertem und nachhaltigerem Wachstum angestrebt wird. Hier befindet man sich weiterhin noch am Anfang, denn das Potenzial des wahrscheinlich größten Absatzmarkts der Zukunft wird sich noch zeigen. Bereits heute machen die Konsumausgaben mehr als die Hälfte des Wachstumsbeitrags aus, auch die dynamische Wertschöpfung gerade im Dienstleistungsgewerbe verdeutlicht die neue Strategieausrichtung. Man möchte von der Werkbank der Welt hin zu einem starken binnenwirtschaftlichen Geschäftsmodell, welches gerade von den Inlandsaufträgen an das Ausland die höchste Attraktivität anzeigt. Die außenwirtschaftlichen Daten belegen eine stabile Nachfragestruktur auf den weltweiten Gütermärkten, welches diese Strategie nur untermauert.

Zusammengefasst: Der Welthandel befindet sich in seiner Grundtendenz wieder auf Erholungskurs, allerdings wird die Geschwindigkeit durch die schwächere Weltnachfrage noch teilweise gebremst. Dennoch wird in der Qualität der Entwicklungen eine gute Chance gesehen, dass die Weltwirtschaft weiter an Fahrt zulegen sollte. Weiterhin verstärkt sich der Nachfragetrend auf den Handelsmärkten in Asien, USA und in Europa. Neben diesen Handelsströmen sollten auch die Investitionsströme eine tendenziell positive Dynamik im zweiten Halbjahr anzeigen können. Dieses sollte insbesondere dem Produktionsstandort Deutschland weiter zu gute kommen, ein Zugewinn an Marktanteilen von deutschen Mittelständlern gerade in vielen asiatischen Volkswirtschaften kann erwartet werden. Die Neukonfiguration der Politik der Eurozone in Richtung Konjunkturstabilisierung sollte ebenfalls sukzessive stützend wirken und eine nachhaltig verbesserte konjunkturelle Performance mit sich bringen, die wiederum die außenwirtschaftliche Dynamik als auch die Binnennachfrage positiv beeinflussen sollte.

Was bedeutet das für den Anleger?

In der aktuellen Phase gibt es eine ganze Reihe an Unternehmen, die durch die panischen Börsen der vergangenen Wochen deutliche Kursabschläge hingenommen haben, ohne dass - trotz aller Unsicherheit - wirkliche Umsatz- und Gewinneinbrüche zu befürchten sind. "Wir erwarten bei gesunden Unternehmen mit hoher Eigenfinanzierungskapazität, also geringer Verschuldung, keine Ertragskrise", so der Experte.

"Der Welthandel hat eine recht ermutigende Ausgangslage, wir haben profitable Unternehmen und zyklische industrielle Widerstandskräfte. Außerdem befinden wir uns weiterhin in einem Status, in dem die Fundamentaldaten völlig ausgeblendet werden, welches die Aktienmärkte allgemein mit mittelfristigem Anlagehorizont als sehr unterbewertet bescheinigen lässt. Unternehmen mit sogenanntem "Global-Player-Status", deren Absatzstrukturen und operative Performance international aufgestellt sind und mit zunehmenden Umsätzen in den Wachstumsregionen dieser Welt punkten, gehören für mich in jedes Portfolio", so Markus Zschaber weiter.

Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF`s auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren.

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der "Welt-Handelsindex" fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren.

Indexstände oberhalb eines Niveaus von 50 Punkten deuten einen wachsenden Welthandel an, inmitten einer expandierenden Gesamtwirtschaft. Unterhalb des Niveaus von 50 lässt sich dagegen aussagen, dass die Welthandelsaktivität schrumpft, wobei ab einem Niveau von unter 45 sogar eine deutliche Kontraktion der Gesamtwirtschaft zu erwarten ist.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "Handelsblatt" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de