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Montag, 17. Oktober 2016

Welt-Handelsindex: Der Welthandel mit Licht und Schatten

Ein positives Signal im Oktober, aber über das Gesamtjahr betrachtet, bleibt die Entwicklung des Welthandels hinter der der Weltwirtschaft zurück - erstmal seit 15 Jahren. Dieses Bild zeichnet sich mehr und mehr ab.

Der Welt-Handelsindex konstatiert aktuell ein Niveau von 71,5%, welches besagt, dass das Tempo der Zuwächse in den letzten vier Wochen, gemessen an den handelsspezifischen Konditionalitäten wie Bestellmenge, Lagerbestände, Produktionsvolumen, Warenumschlagshäufigkeit und Handels-aktivität, im globalen Kontext über alle vier Handelswege zugenommen hat. "Wir liegen im Oktober 2016 ungefähr auf dem Pfad des Potenzialwachstums des Welthandels, welches zumindest kurzfristig ein positives Signal ist. Saldiert man das Gesamtjahr 2016 bisher wird allerdings der Welthandel im besten Fall eine Wachstumsrate zum Vorjahr von 2% erreichen", fasst Dr. Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung, die monatlich den Welt-Handelsindex veröffentlicht, zusammen. Damit wird der Welthandel erstmals seit 15 Jahren voraussichtlich niedriger wachsen als die Weltwirtschaft.

Zwischen 1980 und der Finanzkrise 2008/2009 wuchs der Welthandel im Schnitt fast doppelt so schnell wie die Weltwirtschaft in diesem Zeitraum entfaltete die Globalisierung eine hohe Dynamik, welches eine immer stärkere Verflechtung der Weltwirtschaft zur Folge hatte. Nach der schweren Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2008/2009 ist das Wachstum des Handels aber immer weiter zurückgegangen, auch wenn nach wie vor ein positives Wachstum des weltweiten Waren- und Dienstleistungsaustausches quantifiziert werden kann. "Die Reduktion des Wachstums im Handel sollten wir sehr ernst nehmen, da dieses auf die strukturellen Probleme der Weltwirtschaft hinweist. Gerade wenn die Wohlstandsklausel des Welthandels an Gewicht verliert, verleiht dieses den Anti- Globalisierungskräften und den Populisten entsprechend Aufwind", so Zschaber weiter.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Die Schwäche der Globalisierung hat vor allem zwei Hintergründe. Einerseits ist in vielen Schwellenländern die Phase der dynamischen Industriekonjunktur vorbei, diverse Märkte sind entsprechend ausgestattet und fertiggestellt, so dass mehr Ersatzinvestitionen als Erweiterungs-investitionen stattfinden. Dieses führt natürlich dazu, dass die Investitionsdynamik nachlässt, daraus resultiert wiederum, dass die Schwellenländer bereits viele Güter und Maschinen selbst produzieren, sodass der Bedarf an Importen aus hochentwickelten Volkswirtschaften wie beispielsweise Deutschland zusätzlich abnimmt. Zum anderen nimmt auch die politische Entschlossenheit zu, heimische Hersteller und Fabrikanten zu bevorzugen und entsprechend zu unterstützen, welches natürlich Hemmnisse für die ausländische Konkurrenz bedeutet. Einschränkungen für ausländische Produkte erschweren die grenzüberschreitende Arbeitsteilung.

Der Kölner Vermögensverwalter ist besorgt über die aktuelle Stimmungsmache gegen die Globalisierung und dem Trend zu mehr Protektionismus in vielen westlichen Nationen. Die Ursache für die schwierige Lage der Weltwirtschaft basiert auf einer insgesamt nachlassenden Konjunkturdynamik in den letzten Jahren, die wiederum negativ auf den Welthandel ausstrahlt.

Das nachlassende Wachstum führt dann dazu, dass sich die Staaten stärker abschotten. Alle denken Sie könnten ihren Wohlstand dadurch schützen und der Protektionismus nimmt zu. Hinzu kommt, dass nach der schweren und tiefgreifenden Krise 2008 gerade hier in Europa nur die Geldpolitik aktiv geworden ist und von den Staaten nur sehr wenig Unterstützung erfolgte - nämlich einerseits Wachstumshemmnisse abzubauen und anderseits durch gezielte Investitionen die Wachstums-multiplikatoren anzukurbeln. Das "Big-Picture" des Welthandels bleibt dadurch angespannt mit hohen Risiken. "Das politische Risikomanagement der G20 ist hier gefragt endlich gegenzusteuern um den langfristigen Trend des Welthandels wieder eine Perspektive zu geben", so der Experte weiter.  Für die kommenden Monate sieht er aber eine weitere, positivere Zyklik im Welthandel. Hintergründe sind die jüngst zu erwartenden politische Aktivitäten, die nach allen Berechnungen zu einer höheren Traktion der Fiskalpolitik hier im Westen und bei einer gleichzeitig lockeren Geldpolitik entsprechend zu nominal höheren Wachstumsraten im Welthandel führen sollten.

Dieses könnte zu einem versöhnlichen Jahresende führen und zu einem ordentlichen Jahresstart in 2017. Zum Ende des ersten Quartals im kommenden Jahr sollte man sich aber wieder mit den strukturellen Probleme und den politischen Risiken auseinandersetzen, welche das Wachstum im Welthandel begrenzen.

Zusammengefasst, die Lage im Welthandel sollte sich kurzfristig weiter entspannen, so dass die kommenden sechs Monate eine höhere Traktion entfalten sollten, nicht zuletzt sollte der asiatische Kontinent den Zug anführen wovon nicht zuletzt Europa und explizit Deutschland profitieren werden. 

Was bedeutet das für den Anleger:

Zschaber: „Insgesamt rechnen wir weiterhin mit einem positiven Wachstum für die Weltwirtschaft und damit auch für den Welthandel innerhalb unseres Korridors bei gleichzeitig höherer Marktvolatilität.

  • Fakt ist, wir haben keine Überbewertung an den Aktienmärkten, die eine hohe Kursanfälligkeit gerechtfertigten würden, so lange die Unternehmen gute Zahlen liefern und über die Notenbankpolitik der Niedrigzinsen partizipieren.
  • Fakt ist ebenfalls, wir haben eine Unterbewertung, gemessen am DAX mittels Kurs-Gewinnverhältnis, Kurs-Buchwertverhältnis, Kurs-Cashflowverhältnis etc. von ca. 30 % gegenüber den Durchschnittswerten der letzten Jahre. Ebenfalls haben wir im DAX eine durchschnittliche Dividendenrendite von ca. 3% p.a., eine zehnjährige Bundesanleihe hatte zuletzt negative Zinsen ausgewiesen.

Außerdem darf nicht vergessen werden, bei allen Herausforderungen des Systems, die Welt dreht sich weiter, die Qualitätsunternehmen rund um den Globus hängen an der Weltwirtschaft und für diese  sehen wir nach wie vor in 2016  ein Wachstum in Höhe ca. 2,5% bis 2,8% als realistisch an.

Dadurch, dass der Welt-Handelsindex ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum „Welt-Handelsindex“ wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF`s auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren. Informationen hierzu und den Gedankengängen bei der Auswahl der Anlageklassen finden Sie unter www.zschaber.de/vmz/kapitalmarktstudie

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der "Welt-Handelsindex" fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren.

Indexstände oberhalb eines Niveaus von 50 Punkten deuten einen wachsenden Welthandel an, inmitten einer expandierenden Gesamtwirtschaft. Unterhalb des Niveaus von 50 lässt sich dagegen aussagen, dass die Welthandelsaktivität schrumpft, wobei ab einem Niveau von unter 45 sogar eine deutliche Kontraktion der Gesamtwirtschaft zu erwarten ist.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "Handelsblatt" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de