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Montag, 18. Juli 2016

Welt-Handelsindex: Brexit sorgt für Risiken

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Die Welt dreht sich auch nach dem Brexit weiter. Doch zumindest kurzfristig wird Entscheidung für Zurückhaltung im Welthandel sorgen.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Der Brexit hat Schockwellen ausgelöst, welche auch die globale Handelsaktivität erreicht haben. Zumindest kurzfristig wird Zurückhaltung vorherrschen. "Wir messen in den letzten Tagen einen ersten ungewöhnlichen hohen Lageraufbau für diesen Jahreszeitpunkt im Handel bei gleichzeitig weniger Warenumschlag im Frachtverkehr per Schiff auf den Weltmeeren und in der Luftfracht. Diese Signale sind sicher noch kein Grund zur Panik, aber sie verdeutlichen die Fragilität und die Sensibilität unserer Gesamtwirtschaft, in der sich alle Wirtschaftsakteure befinden. Politische Risiken sind heutzutage die Hauptursache für Instabilitäten in den regionalen Konjunkturzyklen - und zwar weltweit. Das kennen wir seit der großen Krise 2008/2009", so Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung, die monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht.

"Ich kann mir nicht mehr vorstellen, dass wir ein besseres Ergebnis im Welthandel erreichen als im Jahr 2015. Wir haben unsere Prognose auf 2,8 bis 3 Prozent Wachstum im Welthandel in 2016 reduziert. Das Potenzialwachstum läge eigentlich bei 3,6 Prozent", so Zschaber weiter. Der Vermögensverwalter verweist darauf, dass die Einflussnahme des Brexits auf die Weltwirtschaft realökonomisch zwar begrenzt sein wird. Allerdings könne ein Umfeld, welches durch Verunsicherung geprägt ist, sehr schnell zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung führen, die wiederum eine Verschärfung der eigentlichen Realität verursachen könne. "Es ist wirklich schade, dass die Politik trotz der Vielzahl an Krisen der vergangenen Jahre kein besseres Risikomanagement vorzuweisen hat. Die Notenbanken müssen immer wieder in die Bresche springen, da fiskalpolitisch kein Plan zur nachhaltigen Lösung besteht. Daraus resultiert, dass positive Entwicklungen im gesamtwirtschaftlichen Kontext nicht die positiven Multiplikatoren auf andere Sektoren erreichen", konstatiert der Vermögensverwalter.

Fakt ist, im Euroraum verbessern sich die Arbeitsmarktdaten seit nunmehr drei Jahren, welches eine große Stütze für den privaten Konsum ist. "Die große Konstante nach der Eurokrise ist der private Verbrauch in Europa. Dieser zeigt sich viel robuster als angenommen und wird eine große positive Chance sein für den Kontinent. Allerdings werden keine Investitionen aus dem Ausland dadurch angezogen, weil zu viel politische Unsicherheit vorherrscht", führt der Kölner Geldmanager aus. Dies verdeutlicht auch der "Welt-Handelsindex" mit einem Niveau von 64 Prozent, das deutet vorerst auch auf eine weitere leichte Abkühlung der Handelsnachfrage im weltweiten Kontext hin.

Aus Asien vermehren sich ebenfalls eigentlich wieder positive Nachrichten, welche aber durch den Brexit noch nicht den notwendigen Raum zur Entfaltung erhalten. Hier stiegen zuletzt der mengenmäßige Handel von Gütern und Waren, vor allem die Bestellmengen per Internet sowie die Nachfrage nach Dienstleistungen. China, Indien, Malaysia und Indonesien sind hier die wichtigsten Wachstumsmotoren.

Fakt ist, aus der Gesamtschicht ergeben sich weitere Anzeichen für eine Stabilisierung des globalen Wachstums. Dazu gehört auch, dass Chinas Importe im Vergleich zum Vormonat gestiegen sind. Im Mai wurden die höchsten Importe seit Oktober 2014 verzeichnet. Da China die "Fabrik der Welt" ist, deutet ein stetiger Anstieg der Importdaten des Landes auf eine Belebung des Welthandels hin. "Der Welthandel ist die wichtigste Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft; er hat einen Anteil von über 40 Prozent am weltweiten BIP", blickt Zschaber optimistisch in die Zukunft.

Vorausgesetzt wir bekommen keine Zuspitzung weiterer politischer Instabilitäten. Das zweite Halbjahr hat das Potenzial einiges wiedergutzumachen und das Jahr 2016 immer noch zu einem guten Wirtschaftsjahr für die Welt werden zu lassen. Mit Blick auf die USA sollte die Abstimmung in Großbritannien für einen Austritt aus der Europäischen Union dazu führen, dass die nächste Zinsanhebung der Federal Reserve später kommt - obwohl sich der Konsum in den USA nach einer Schwächephase zum Jahresbeginn wieder deutlich erholt. Dabei übersteigt der Umsatz im nicht-stationären Einzelhandel, darunter auch der Internethandel, den Umsatz im traditionellen Einzelhandel. "Der digitale Wandel in den USA ist in Sachen Handel einer der größten Wachstumssektoren, dass zeigen auch unsere erhobenen Logistikdaten für diese Region. Eine expansivere Zinspolitik durch die Fed, wird die Kreditmengen weiter ansteigen lassen, was wiederum zu höheren Konsumsummen führen sollte", fasst Zschaber weiter zusammen.

Zusammengefasst, die Lage im Welthandel bleibt vorerst angespannt. Es bestehen allerdings Potenziale, die gerade im zweiten Halbjahr eine höhere Traktion entfalten sollten, nicht zuletzt sollte der asiatische Kontinent den Zug anführen, wovon nicht zuletzt Europa und explizit Deutschland profitieren werden.

Was bedeutet das für den Anleger?

Insgesamt rechnen wir weiterhin mit einem positiven Wachstum für die Weltwirtschaft und damit auch für den Welthandel innerhalb unseres Korridors bei gleichzeitig höherer Marktvolatilität. Politische Börsen haben kurze Beine, heißt ein bekanntes Sprichwort. Nach unserer Einschätzung sollte dies auch im aktuellen Fall zutreffen, auch wenn wir natürlich keine Glaskugel haben. Allerdings können wir messen, dass sich der Stress in den Märkten seit einigen Tagen wieder sukzessive reduziert. Dies sehen wir als positives Indiz für eine weitere Entspannung. Vor allem benötigt der Finanzmarkt für seine Kalkulation von Preisen weitere Informationen, welche in den kommenden Wochen sicherlich uns alle erreichen werden. Wir gehen davon aus, dass wir eher in ruhigere Gewässer nach der kommenden Woche geraten sollten. Fakt ist, wir haben keine Überbewertung an den Aktienmärkten, die eine hohe Anfälligkeit rechtfertigen würde. Fakt ist, wir haben eine Unterbewertung, gemessen am Dax (mittels Kursgewinnverhältnis, Kursbuchwertverhältnis, Kurscashflowverhältnis etc.) ca. 35 bis 40 Prozent gegenüber den Durchschnittswerten der letzten Jahre. Wir haben im DAX eine durchschnittliche Dividendenrendite von über 3,5 Prozent p.a., eine zehnjährige Bundesanleihe hatte zuletzt negative Zinsen ausgewiesen.

Außerdem sollte nicht vergessen werden, die Welt dreht sich weiter. Die Qualitätsunternehmen rund um den Globus hängen an der Weltwirtschaft und nicht an der britischen Wirtschaft. Wir sehen für die Weltwirtschaft nach wie vor 2,8 bis 3 Prozent Wachstum in 2016 als sehr realistisch.

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der "Welt-Handelsindex" fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren.

Indexstände oberhalb eines Niveaus von 50 Punkten deuten einen wachsenden Welthandel an, inmitten einer expandierenden Gesamtwirtschaft. Unterhalb des Niveaus von 50 lässt sich dagegen aussagen, dass die Welthandelsaktivität schrumpft, wobei ab einem Niveau von unter 45 sogar eine deutliche Kontraktion der Gesamtwirtschaft zu erwarten ist.

Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF's auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "Handelsblatt" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de