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Montag, 23. Januar 2017

Welt-Handelsindex: 2017 - ein Schicksalsjahr für den Welthandel

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Paradox, aber wahr: Seit der Wahl von Trump zum US-Präsidenten wird der globale Handel reger. Auch zwischen China und den USA. Wie passt das zusammen? Und wie geht es weiter?

"Seit dem vierten Quartal 2016 ist eine eindeutige Belebung der Handelsaktivität auf den globalen Handelsrouten sowie auf den wichtigsten binnenwirtschaftlichen Vernetzungen in Asien, Europa und Nordamerika zu erkennen", fasst Dr. Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung, welche monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht, den derzeitigen Status des Welthandels zusammen.

Besonderes Augenmerk sollte man derzeit auf die Handelsbeziehungen zwischen China und den USA richten, hier ist eine eindeutige Zunahme der Umschlagshäufigkeit per Schiff sowie per Flugzeug zu erkennen. Aber auch die Nachfrage nach US-Dienstleistungen aus China stieg zuletzt dynamisch. "Wir sehen hier eine regelrechte Aufhellung des Handelsklimas zwischen den beiden Großmächten, paradoxerweise seit der Wahl von Donald Trump. Dieses ist die stärkste wechselseitige Nachfrage zwischen den beiden Nationen nach Gütern und Dienstleistungen seit 2010. Hintergrund sind eine robustere Konjunkturlage, aber sicherlich auch Vorzieheffekte aufgrund von Befürchtungen vor zukünftigen Handelsbarrieren und zunehmenden Protektionismus durch die neue US-Regierung", so der Vermögensverwalter weiter.

Mit Blick auf das nackte Zahlenwerk sollte die nähere Perspektive des Welthandels, erstmals seit der schweren Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008, wieder eine durchaus zuversichtliche Entwicklung einnehmen können. Die Weltwirtschaft bekommt mehr Traktion. Das bedeutet, dass Investitionen ansteigen und die Industriekonjunktur in allen relevanten Volkswirtschaften - wie den USA, Asien und auch in anderen Teilen Europas - an Fahrt aufnimmt. Es wird die Nachfragekurve stützen und sogar beflügeln.

Daraus resultiert, dass die Geschäftslage im Handel im Vergleich zum Vormonat zulegt. Der "Welt- Handelsindex" konstatiert aktuell einem Niveau von 74,5 Prozent und damit das höchste Niveau seit neun Jahren. Diese Entwicklung besagt, dass sich das Tempo der Zuwächse in den letzten vier Wochen, gemessen an den handelsspezifischen Konditionalitäten wie Bestellmenge, Lagerbestände, Produktionsvolumen, Warenumschlagshäufigkeit, im globalen Kontext über alle vier Handelswege weiter verbessert hat. Damit befindet sich der Welthandel im Umfeld seines Trendwachstums. Wenn die großen negativen Überraschungen im Laufe des Jahres ausbleiben erwartet die V.M.Z. Vermögensverwaltung ein Wachstum des Welthandels in 2017 von sogar 3,5 Prozent, was erstmals seit 2012 leicht oberhalb der gegenwärtigen Potenzialwachstumsrate von 3,0 Prozent liegen würde.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

"Im Rahmen der Analyse zum „Welt-Handelsindex" sehen wir steigende Kapazitäten in vielen Industriesektoren, die als Reaktion auf die robuste Nachfrage entlang der gesamten internationalen industriellen Wertschöpfungskette entstanden sind. Vor allem China und Südostasien sind auf dem Vormarsch. Fakt ist, der deflationäre Druck lässt deutlich nach.

Dieses ist eine gute Nachricht, gerade der Anstieg der Produzentenpreise dürfte die Lage bei vielen chinesischen Unternehmen verbessern. Das Problem von angeblichen extremen Überkapazitäten in der chinesischen Industrie, welches immer wieder heiß diskutiert wird, kann bei einem Anstieg der Produzentenpreise von +5,5 Prozent zum Vorjahr, nicht so groß sein", konstatiert Zschaber.

Man könnte wirklich meinen, jetzt würde alles besser, wären da nicht die vielen politischen Risiken, die in 2017 auf uns warten. "Das Krisenmanagement der Politik hat nicht gerade selten nur mangelhaft funktioniert. Es führte sogar häufig zu abrupter Unordnung in den Marktkoordinationen und der handelsspezifischen Funktionen. Dieses wiederum reduzierte immer wieder zum Leitwesen der Wirtschaft die globale Nachfragezyklik", so der Experte weiter. Dazu kommt, dass die vielen politischen Krisen, welche den Markt seit fast zehn Jahren beschäftigen, zu einer Verkürzung der Investitions- und Lagerzyklen geführt haben, die wiederum auch das weltweite Handelsvolumen in den letzten Jahren negativ beeinflussten.

Ohne Zuversicht und langfristige Vision auf höhere Erträge werden die Unternehmen, egal ob groß oder klein, keine wirklich relevanten Investitionsströme in Gang setzen, sondern werden ihre Festgeldkonten weiter befüllen, Aktien zurückkaufen oder andere Unternehmen erwerben. Die Zahlen sind eindrucksvoll, alleine die US-Unternehmen die nicht dem Finanzsektor angehörten hielten über 1,7 Billionen USD an Liquiditätsreserven in 2016. Ähnliche Entwicklungen können auch in Europa erkannt werden, auch hier liegt die Cash Quote auf historischen Hochs.

Dieses ist auch einer der Gründe, warum sich der Welthandel seit 2014 überhaupt nur entlang seines Potenzialwachstums entwickelt hatte, welches seit 2010 bei rund 3,0 Prozent liegt. Noch zwischen 2000 und 2010 lag das Potenzialwachstum bei ca. 5 Porzent. Unter Potenzialwachstumsraten verstehen die Volkswirte die Zuwachsraten, mit dem der Welthandel mittel- bis längerfristig unter normaler Ausnutzung aller Kapazitäten wachsen wird. Konjunkturelle Schwankungen werden hier nicht berücksichtigt.

Kurzum - politische Risiken werden auch das Jahr 2017 bestimmen. Da wäre einerseits der Brexit, der viele Unternehmen in Großbritannien und in der EU zwingt, Investitionen, Übernahmen oder Personalplanungen, die für das wechselseitige Geschäft wichtig wären, aufzuschieben.

Das Freihandelsabkommen TTIP zwischen der USA und der EU dürfte mit Trump kaum noch eine Chance haben, so dass die weltweiten Handelsbeziehungen ebenfalls einen Rückschlag hinnehmen müssen. Gleichzeitig signalisiert die Geldpolitik im globalen Kontext mehr und mehr Erschöpfungssignale, so dass auch hier über kurz oder lang mit einem Paradigmenwechsel zu rechnen ist. Und last but not least ist in 2017 ein wahres Wahlen-Feuerwerk zu erwarten, in Kombination mit weiteren politischen und geldpolitischen Einflüssen. Im Juni und September 2017 rechnet Zschaber mit zwei Zinsanhebungen seitens der US-Notenbank um jeweils 25 Basispunkte. Im März wählen die Niederlande und im April die Franzosen ihre Parlamente und Regierungen neu, im Mai sind Präsidentschaftswahlen im Iran, im September sind Wahlen in Deutschland, im Oktober findet der chinesische kommunistische Parteitag statt.

Die chinesischen politischen Entscheidungsträger werden allerdings voraussichtlich für die kommende Periode die finanzielle Stabilität des Landes in den Fokus rücken, so dass vorerst keine weiteren milliardenschweren staatlichen Investitionen stattfinden werden. Im Dezember findet die Nationalversammlung in Südafrika statt und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass vorgezogene Wahlen in Italien zu erwarten sind. Gerade der aufsteigende Populismus in Europa könnte die Investitionszurückhaltung noch forcieren. Ab Dezember rechnet man mit einer weiteren Reduzierung der "QE"-Politik der Europäischen Zentralbank und beim Eurogruppentreffen im Dezember geht es dann schlussendlich einmal mehr um einen weiteren Schuldenerlass für Griechenland.

"Dieses ist auch der Hintergrund, warum so viele Unternehmenslenker und Manager, aber auch EZB-Chef Mario Draghi so große Furcht vor einer anhaltenden Deflation bzw. vor einer säkularen Stagnation hinsichtlich der Weltwirtschaft haben. Anders ausgedrückt, eine langandauernde Periode sehr niedrigen Wachstums bei gleichzeitig Nullinflation oder Deflation, vergleichbar mit der Entwicklung der Wirtschaft in Japan seit 1994", führt der Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung aus.

Ein solches Schreckensszenario erwartet er allerdings nur bei einem "krachenden" Wahlsieg der antieuropäischen Parteien in Frankreich durch Marine Le Pen oder in Italien durch Beppo Grillo. Sollte der Euro durch besagte Regierungen zur Disposition gestellt werden, würden nach seinen Angaben  unkontrollierbare Fliehkräfte an den Kapitalmärkten einsetzen, welche Europa in eine schwere und nachhaltige Rezession führen würden, dieses kann aber niemand politisch ernsthaft wollen. Insofern bewerten man dieses Risiko auch nur mit niedrigen Wahrscheinlichkeiten. Auch die Daten aus der Realwirtschaft in Sachen Handelsaktivität verdeutlichen, dass niemand von einem solchen "Worst Case" derzeit ausgeht, dennoch - ausschließen kann man heute nichts mehr.

Wie geht es weiter? "Die vorausschauenden Daten, sowie unsere eigenen Analysen untermauern eine ansteigende Aktivität im Handel in den kommenden Wochen. Es dürfte ein guter Jahresauftakt werden, vorausgesetzt die politischen Risiken eskalieren nicht. Dann sehen die Daten wirklich erstmal gut aus, so dass die Umschlagsmengen von Produktionsgütern, Konsumgütern und Investitionsgütern sowie Dienstleistungen im Allgemeinen sich im internationalen Kontext positiv entwickeln sollten," komplettiert Markus C. Zschaber.

Was bedeutet dieses für den Anleger ? Die großen Trends sind nach wie vor in Takt. Die V.M.Z. Vermögensverwaltung erwartet, dass in Japan, den meisten Schwellenländern, auch in China und in Europa billiges Geld an der Tagesordnung in 2017 stehen wird. In Japan und Europa werden die Nullzinsen oder sehr niedrige Zinslevels die Refinanzierungskosten der Staaten weiter senken und zukünftig mehr Spielraum für fiskalische Impulse geben, dieses wird die Aktienbörsen in Japan und speziell in Deutschland positiv unterfüttern. Ähnlich wie der deutsche Markt ist der japanische Markt aber nicht nur wegen der Exportunternehmen interessant, auch die Gewinne bei inlandsorientierten Firmen steigen aktuell an. Die politischen Risiken in Europa verleiten den Geldmanager allerdings, die bestehenden Engagements in der Tendenz weiter zu reduzieren, während sie beispielsweise in den USA, der Schweiz oder in Japan erhöht werden. Die Bondseite bleibt uninteressant, da keine Renditen bei Nullzinsen zu erzielen sein werden. Wenn überhaupt nur durch taktische und temporäre Beimischungen.

Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF's auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren.

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weißt der Welt - Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welthandelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal, sprich auf Höhe des Potenzialwachstums. Unter Potenzialwachstumsraten werden die Zuwachsraten, mit dem der Welthandel mittel- bis längerfristig unter normaler Ausnutzung aller Kapazitäten wachsen wird, verstanden. Konjunkturelle Schwankungen werden zut Berechnung des Potenzialwachstums absichtlich nicht berücksichtigt. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem „manager-magazin-online“ und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de