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Dienstag, 25. Dezember 2007

Hübscheres Portfolio: Window-Dressing läuft

Window-Dressing wird nach Einschätzung von Marktteilnehmer in den noch verbleibenden Tagen bis zum Jahreswechsel eine verstärkte Rolle spielen. Insbesondere kurz vor Jahresende dürfte das Thema zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Für Andreas Hürkamp, Aktienstratege bei der Commerzbank, geht es beim Window-Dressing vornehmlich um eine Verschönerung des eigenen Portfolios. Es mache einfach keinen guten Eindruck, wenn in den Büchern die Gewinner des Aktienjahres nicht enthalten seien und sstattdessen die Verlierer ausgewiesen würden. Viele Kunden verfolgten auch nicht so genau, wann genau entsprechende Anpassungen getätigt werden. So seien im ablaufenden Jahr etwa Ericsson oder IKB nicht unbedingt Kandidaten, die man im Portfolio haben wolle, sondern eher Aktien wie VW oder Deutsche Börse, die die Gewinnerlisten im Dax anführen. Von daher böten die Top-Flop-Listen der einzelnen Index-Mitglieder in der Regel einen guten Anhaltspunkt für mögliche Kandidaten von Window-Dressing-Operationen, sagt Hürkamp.

Marktteilnehmer weisen zudem darauf hin, dass bei Window-Dressing-Aktivitäten die Kurse einzelner Aktien in der Regel nach oben gepflegt werden. Es sei eher selten, dass sich institutionelle Investoren erst während der letzten Handelstage des Jahres von unliebsamen Titeln trennen und das Portfolio bereinigen. Denn bei den typischerweise dünnen Volumina könne der Ausstieg aus einem Titel verstärkte Kursverluste zur Folge haben und daher unnötig teuer werden. Dagegen könne das Argument der geringen Umsätze vorteilhaft bei Käufen eingesetzt werden.

Daneben sei zu beachten, dass Window-Dressing vor allem bei Small Caps eine Rolle spielt. Im Dax hätten entsprechende Operationen aufgrund der hohen Liquidität nur geringe Aussichten auf Erfolg. Interessant werde Window-Dressing daher ab dem MDax abwärts. Ein Blick auf die Top/Flop-Liste zeigt, dass hier Maschinenbauer wie Gildemeister, Krones, GEA, Vossloh oder Kuka zu den Top-Performern in diesem Jahr gehören. Gut entwickelt haben sich auch Rohstoffwerte wie SGL Carbon bzw Norddeutsche Affinerie. Zu den Verlierern zählen unter anderem die Opfer der Subprime-Krise in den USA, IKB bzw Immobilienwerte.

Im TecDax hat sich mit Aixtron ebenfalls ein Anlagenbauer außerordentlich positiv entwickelt. Daneben führen vor allem die Titel aus dem Bereich Alternative Energien, namentlich Solon, Q-Cells, Nordex oder SolarWorld die Gewinnerlisten an. Die Ausnahme bildet hier Conergy, die nach mehreren Gewinnwarnungen 2007 deutliche Kursabschläge hinnehmen mussten. Sehr schwach haben sich zudem GPC Biotech oder QSC entwickelt. Im SDAX gehörten unter anderem Medion und Balda zu den Anlegerfavoriten. Gemieden wurden dagegen Patrizia, Vivacon oder eine Colonia Real Estate.

Stratege Hürkamp merkt allerdings an, dass die Intensität von Window-Dressing-Operationen typischerweise vom allgemeinen Marktumfeld abhänge. Bei einem positiven Gesamtmarkt-Sentiment sei es viel wahrscheinlicher, dass die Investoren ihre Portfolios vor dem Jahresabschluss noch einmal pflegen. Der Analyst erwartet daher, dass es in diesem Jahr aufgrund der Unsicherheiten über die weitere Markt- und Wirtschaftsentwicklung 2008 beim Window-Dressing nur zurückhaltend zugeht. Die Nachrichtenlage mache viele Anleger nervös.

Grundsätzlich bleibe festzuhalten, dass das Thema Window-Dressing insgesamt in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren hat. Hürkamp führt das vor allem auf die gestiegene Liquidität an den Finanzmärkten zurück. In den 80er-Jahren sei es noch wesentlich einfacher gewesen, Aktien durch gezielte Transaktionen in die eine oder andere Richtung zu bewegen.

Quelle: n-tv.de