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Donnerstag, 27. September 2018

Eigenständige Einheiten: Thyssenkrupp will sich aufspalten

Thyssenkrupp steckt seit Jahren in der Krise, Investoren machen der Konzernführung Druck. Nun kommt neue Bewegung in die Debatte: Der Industriekonzern will sich in zwei Unternehmen zerlegen. Der Aktienkurs legt daraufhin stark zu.

Nach der Abspaltung des Stahlgeschäfts soll auch der verbliebene Thyssenkrupp-Konzern noch einmal aufgespalten werden. Im Ergebnis entstehen ein reines Industriegütergeschäft mit den Aufzügen, den Autoteilen und dem Anlagenbau sowie ein Materialgeschäft, zu dem neben dem Rohstoffhandel, die Beteiligung am Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel, der Bereich Großwälzlager, das Schmiedegeschäft und die Marinewerft gehören. Das teilte der Industriekonzern aus Essen in einer Pflichtmitteilung mit und reagierte damit auf einen Kurssprung der Aktie an der Frankfurter Börse. Das Papier war stark gefragt, nachdem Insider über einen bevorstehenden Konzernumbau berichtet hatten.

Die Thyssenkrupp-Aktionäre sollen an beiden börsennotierten Teilkonzernen Thyssenkrupp Industrials und Thyssenkrupp Materials beteiligt sein. Einen Teil der Thyssenkrupp Industrials AG wird aber bei der Thyssenkrupp Materials liegen. Über den Plan, der nach einem Hauptversammlungsbeschluss innerhalb von 12 bis 18 Monaten umgesetzt werden soll, soll der Aufsichtsrat auf einer Sitzung am Sonntag entscheiden.

Die Thyssenkrupp-Aktie baute ihre Kursgewinne weiter aus und notierte eine Stunde vor Handelsschluss 16 Prozent im Plus. Der Konzern, der Aufzüge, Industrieanlagen, Autokomponenten und Marineschiffe baut, steht unter dem Druck von Aktionären, denen die Ergebnisentwicklung nicht ausreicht. Thyssenkrupp steckt zudem in einer Führungskrise, seit im Sommer zunächst Vorstandschef Heinrich Hiesinger und anschließend Aufsichtsratschef Ulrich Lehner das Handtuch warfen. Die Suche nach Nachfolgern war bislang nicht erfolgreich.

Noch immer machen Thyssenkrupp die Folgen einer milliardenteuren Fehlinvestition zu schaffen. Als Sorgenkind gilt nicht nur die schwächelnde Sparte für Anlagenbau, die vor einer weiteren Umstrukturierung steht. Auch die kurz vor seinem Abgang von Hiesinger eingefädelte Stahlfusion mit Tata ist noch nicht vollzogen. Zuletzt hatten Aktionäre wie Cevian oder der US-Fonds Elliott Druck auf das Management ausgeübt. Sie forderten einen schnelleren und radikalen Umbau des Konzerns. Beide zurückgetretenen Manager hatten auf Differenzen im Aktionärskreis hingewiesen. Eine Schlüsselrolle kommt bei der Suche nach einer neuen Strategie zudem der Krupp-Stiftung als größtem Einzelaktionär zu.

Quelle: n-tv.de