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Fühlt sich zu Unrecht angegriffen: Siemens-Chef Joe Kaeser fragt SPD-Chef Schulz nach seiner Verantwortung.
Fühlt sich zu Unrecht angegriffen: Siemens-Chef Joe Kaeser fragt SPD-Chef Schulz nach seiner Verantwortung.(Foto: imago/DeFodi)
Donnerstag, 23. November 2017

Wer ist "verantwortungslos"?: Siemens-Chef attackiert Martin Schulz

Wird Siemens von "verantwortungslosen Managern" geführt? Konzernchef Kaeser lässt diesen Vorwurf von SPD-Chef Schulz nicht auf sich sitzen. In der Debatte um den Stellenabbau in der Kraftwerkssparte dreht der Unternehmenslenker den Spieß um.

Die Kritik am geplanten Stellenabbau geht an der Führungsetage des Münchner Industriekonzerns Siemens offenbar nicht spurlos vorüber: Siemens-Chef Joe Kaeser hat nach den heftigen Attacken von SPD-Chef Martin Schulz zu einem bemerkenswerten Konter ausgeholt. Bei der Aktuellen Stunde im Bundestag zu den Streichplänen von Siemens hatte Schulz gestern wörtlich von "verantwortungslosen Managern" gesprochen und zuletzt noch einmal nachgelegt. In einem Brief an Schulz habe Kaeser die Kritik nun zurückgewiesen, teilte der Dax-Konzern mit.

Kaeser erinnerte den SPD-Chef in seinem Schreiben angesichts der schwierigen Regierungsbildung an dessen eigene Verantwortung. "Vielleicht sollten Sie sich dabei auch überlegen, wer wirklich verantwortungslos handelt: diejenigen, die absehbare Strukturprobleme proaktiv angehen und nach langfristigen Lösungen suchen, oder diejenigen, die sich der Verantwortung und dem Dialog entziehen."

Diese Frage stelle sich ja gerade ganz aktuell in einer Zeit, fügte Kaeser hinzu, in der es nicht nur um die Belange einzelner Unternehmensteile bei Siemens, sondern um ein ganzes Land gehe. "Diese Frage hat ja auch bei der politischen Führung unseres Landes brennende Aktualität", schrieb Kaeser an Schulz. SPD-Chef Schulz hatte nach dem Platzen der Sondierungen über ein Bündnis von Union, FDP und Grünen bekräftigt, dass die Sozialdemokraten in der Opposition bleiben und keine Regierungsverantwortung übernehmen wollten.

In seinem Brief an Schulz wies Kaeser außerdem dessen Kritik zurück, Siemens habe wegen öffentlicher Aufträge jahrzehntelang vom deutschen Staat profitiert. Kaeser entgegnete, Siemens habe alleine in den vergangenen fünf Jahren mehr als 20 Milliarden Euro an Steuern, Abgaben und Sozialversicherungsbeiträgen an den deutschen Staat überwiesen.

Kaeser schrieb außerdem unter Verweis auf die Energiewende, dass es in Deutschland kaum mehr Nachfrage für Gas- und Kohlekraftwerke gebe. Die Energiewende sei in der Sache richtig, "in Ausführung und Timing" jedoch höchst unglücklich.

Der Siemens-Chef forderte außerdem, der Dialog zwischen Arbeitnehmer- und Unternehmensvertretern müsse umgehend aufgenommen werden. "Der öffentliche Wettbewerb in Populismus und Kampfparolen und die Verweigerung des Dialogs helfen den wirklich Betroffenen nicht weiter, höchstens unseren Wettbewerbern", gibt Kaeser zu Bedenken.

Quelle: n-tv.de