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Freitag, 11. März 2011

Japan und die Beben-Folgen: Schockwellen an den Märkten

In Japan bebt die Erde und die Erschütterungen reichen bis zu den internationalen Devisen-, Aktien- und Rohstoffmärkten. Yen und Gold sind gefragt, Aktien von Rückversicherern werden gemieden. Noch sind bei Weitem nicht alle Folgen absehbar.

(Foto: REUTERS)

Die Erschütterungen der Erdbeben-Katastrophe in Japan haben auch Schockwellen durch die internationalen Finanz- und Rohstoffmärkte gesendet. "Der steigende Ölpreis wegen der Krise in Nordafrika und die Euro-Schuldenkrise sorgen ja ohnehin schon für schlechte Stimmung," sagte Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank. "Und nun belastet das Beben in Japan zusätzlich." Angeführt von einem Kursrutsch bei den Rückversicherern fiel der EuroStoxx50 um bis zu 1,3 Prozent, der Dax gab bis zu 1,4 Prozent auf 6963 Punkte nach. Der Nikkei-Index hatte in Tokio  mit einem Abschlag von 1,7 Prozent auf einem Fünf-Monats-Tief geschlossen.

Spur der Verwüstung

Ein Erdbeben der Stärke 8,9 im Norden Japans hat einen zehn Meter hohen Tsunami ausgelöst. Die Flutwelle riss an der Küste alles mit sich fort - Autos, Boote, Häuser, Bauernhöfe und Felder. Das stärkste Erdbeben seit 140 Jahren löste auch Erdrutsche aus, zahlreiche Gebäude standen in Brand. "Die Schäden lassen sich noch nicht beziffern, aber für die nordjapanische Wirtschaft sieht es schrecklich aus", sagte Tsutomu Yamada, Marktanalyst bei Kabu.com Securities.  

Die Grundstimmung an den Märkten war ohnehin angespannt: Zum einen herrschte große Unsicherheit, welche Ergebnisse der Euro-Gipfel in Brüssel bringt. Zum anderen stand im größten Opec-Förderland Saudi-Arabien ein neuerlicher Protesttag an. Dieser lief zunächst ruhig an - die Preise für Öl gaben nach. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 1,38 auf 114,05 Dollar. Die US-Sorte WTI kostete 101,74 Dollar und damit knapp einen Dollar weniger als im späten Vortagesgeschäft.  

Gold wieder gesucht

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Die Sorgen vor einem weiteren Dämpfer für die weltweite Erholung schickten nach dem Beben vor allem die Industriemetalle auf Talfahrt. Gefragt war dagegen der sichere Hafen Gold. Japan ist laut Commerzbank nach China und den USA das weltweit drittgrößte Rohstoffverbrauchsland und bei nahezu allen Rohstoffen auf Importe angewiesen. In Tokio gehandelte Gummi-Futures fielen um 3,7 Prozent auf 4,84 Dollar je Kilogramm. Das war der niedrigste Stand seit fast drei Monaten. Der Inselstaat ist vor allem im Geschäft mit Gummi sehr stark engagiert.

Japaner gehen in den Yen

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An den internationalen Devisenmärkten stand der Yen im Fokus. In den Handelsräumen wurde darüber spekuliert, dass die Japaner - wie auch schon nach dem schweren Beben von Kobe im Jahr 1995 - Fremdwährungen wieder zurückführen. Die Landeswährung stieg zum Dollar bis auf 83,30 (spätes Vortagesgeschäft: 82,92) Yen. Der Euro fiel zwischenzeitlich unter die Marke von 1,38 US-Dollar, konnte diese im Tagesverlauf jedoch wieder für sich einnehmen.

Gipfel im Fokus

Gespannt warteten Anleger zudem auf Signale, wie die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone der Schuldenkrise Herr werden wollen. EU-Kreisen zufolge könnte Griechenland aufgefordert werden, dem Beispiel Portugals zu folgen und seinen Sparkurs zu verschärfen.

Die Bemühungen Portugals ließen die Finanzmärkte aber unbeeindruckt. Die Kosten zur Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Kredites an das südeuropäische Land stiegen dennoch um 16.000 auf 520.000 Euro. Griechische Credit Default Swaps (CDS) zogen ebenfalls an. Hier kostete eine entsprechende Kreditausfall-Versicherung 1,05 Millionen Euro.

Griechische Finanzwerte legten dagegen zwischen drei und sechs Prozent zu. "Nach Aussagen von EU-Vertretern zur Senkung von Zinsen für die Rettungskredite und einer Verlängerung der Rückzahlungsfrist sind die Erwartungen an den EU-Gipfel gestiegen", sagte Analyst Nick Koskoletos von Eurobank Securities.

Rückversicherer angeschlagen

Am deutschen Aktienmarkt gingen vor allem die Münchener Rück und Hannover Rück auf Talfahrt. Die Titel der Rückversicherer verbilligten sich zeitweise um bis zu 5,9 beziehungsweise 5,7 Prozent, die Allianz gab in der Spitze um 2,8 Prozent nach. Bis Handelsschluss konnten sich die Papiere von den ärgsten Verlusten jedoch etwas erholen. "Japan hat einen sehr entwickelten Versicherungsmarkt. Deswegen dürfte es sehr hohe Belastungen geben", prognostizierte Matthias Engelmayer von Independent Research.

Nach Einschätzung des Schweizer Rückversicherers Swiss Re sind die Kosten der Naturkatastrophe in Japan bislang noch nicht abschätzbar. Für den Konzern ist Japan einer der zehn wichtigsten Märkte. Die Aktien gaben um mehr als fünf Prozent nach.

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Quelle: n-tv.de