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Die Zypern-Abgabe betrifft wohl eine stattliche Anzahl Russen: Wladimir Putin hält die Beteiligung für "gefährlich".
Die Zypern-Abgabe betrifft wohl eine stattliche Anzahl Russen: Wladimir Putin hält die Beteiligung für "gefährlich".(Foto: REUTERS)
Montag, 18. März 2013

"Unfair, unprofessionell, gefährlich": Putin attackiert Zypern-Retter

Mit beißender Kritik reagiert Moskau auf den europäische Plan zur Stabilisierung Zyperns: Putin spricht sich bemerkenswert deutlich gegen das Vorhaben aus, private Bankkunden an der Rettung des Landes zu beteiligen. Ob Russland mithilft, bleibt weiter offen.

Im Auge des Orkans: Das Finanzministerium in Nikosia.
Im Auge des Orkans: Das Finanzministerium in Nikosia.(Foto: dpa)

Russlands Präsident Wladimir Putin hat eindringlich vor der Verabschiedung der geplanten Zypern-Sonderabgabe gewarnt. Diese Abgabe in der vorgeschlagenen Form sei "unfair, unprofessionell und gefährlich", sagte ein Sprecher Putins nach einem Sondertreffen zu dem Thema.

Für unabhängige Beobachter liegt das russische Interesse an der finanziellen Situation des Euro-Mitglieds Zypern auf der Hand: In den vergangenen Jahren haben zahlreiche wohlhabende Russen einen Teil ihres Vermögens in Zypern angelegt. In diesem Zusammenhang wurden auch Vorwürfe in Richtung Geldwäsche laut. Die Zwangsabgabe für alle Bankkunden zypriotischer Kreditinstitute lässt sich als Versuch lesen, auch ausländische Konteninhaber auf Zypern an den Stabilisierungsbemühungen zu beteiligen.

Noch ist die Rettung Zyperns nicht in trockenen Tüchern: Das Parlament in Nikosia soll im Laufe des Tages über das europäische Rettungspaket für das Land abstimmen. Ob das zyprische Parlament dem Gesamtpaket ohne Änderungen zustimmen wird, ist derzeit noch höchst ungewiss.

Pauschale Beteiligung aller Konten

Besonders strittig ist die geplante Zwangsabgabe für alle Kontoinhaber in Zypern, die dadurch an der Bankenrettung beteiligt werden sollen. Der russische Vize-Finanzminister Anton Schatalow plädierte unterdessen dafür, nur die Zinserträge extra zu besteuern.

Zypern setzt neben den EU-Hilfen auch auf Unterstützung von Russland. EU-Vertreter hatten gesagt, sie rechnen damit, dass Russland seinen Kredit im Volumen von 2,5 Mrd. Euro an den verschuldeten Inselstaat um fünf Jahre bis 2021 verlängert und möglicherweise seine Konditionen neu verhandelt.

Russlands Kredithilfe wackelt

Nach Informationen aus Moskauer Regierungskreisen hat Russland allerdings bislang noch keine Entscheidung über die Verlängerung eines Kredits an Zypern getroffen. Auch sei noch offen, ob sich russische Investoren an der Rekapitalisierung der Banken beteiligen sollten, hieß es aus der russischen Hauptstadt. "Es gibt bisher keine Entscheidung."

Zyperns Finanzminister Michalis Sarris will nun zwei Tage später als zunächst geplant zu Gesprächen nach Moskau reisen. Sein Besuch sei nun für Mittwoch und nicht bereits für Montag geplant, war aus Moskau zu vernehmen. Zu den Zielen der Reise wurden keine Angaben gemacht, es werden jedoch Verhandlungen über die Verlängerung des russischen Hilfskredits und eine mögliche Beteiligung Russlands an dem Hilfsprogramm erwartet, um die Finanznöte der Insel zu lindern.

Die Eurostaaten haben Zypern Hilfen von insgesamt 10 Mrd. Euro zugesagt. Laut dem Beschluss zu dem Hilfsprogramm müssen Sparer aus dem In- und Ausland mit bis zu 100.000 Euro Einlagen bei zyprischen Banken eine Abgabe von einmalig 6,75 Prozent zahlen, Kunden mit mehr als 100.000 Euro 9,9 Prozent. Dies sorgt in Zypern für Verärgerung - und international für erhebliche Verunsicherung. Skeptische Beobachter sprachen von einem "Tabubruch", der die Aussichten für alle künftigen Rettungsaktionen verdüstere.

Quelle: n-tv.de