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Es ist immer schwer zu sagen, wie sich Töchter entwickeln werden.
Es ist immer schwer zu sagen, wie sich Töchter entwickeln werden.(Foto: dpa)
Mittwoch, 29. Januar 2014

Wenn Konzerntöchter flügge werden: Osram glänzt, Lanxess kämpft

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Wenn Kinder das Haus verlassen, ist meist Aufbruchstimmung angesagt. So war es jedenfalls an der Börse bei Lanxess vor etwa zehn Jahren und jetzt wieder bei Osram vor fast einem Jahr. Zuletzt hätten die Entwicklung der Firmen aber unterschiedlicher nicht sein können.

Unangenehme Entscheidungen überlässt man gerne anderen. Das ist an der Börse nicht anders als im wahren Leben. Für Konzerne heißt dies, Tochterunternehmen abspalten und ihnen eine neue Chance zu geben. Osram, der Leuchtmittelhersteller, der sich von Siemens gelöst hat, strahlt seitdem mit seiner Kursperformance hell am Börsenhimmel. Aber nicht ohne unangenehme Entscheidungen wie Restrukturierung und kräftiger Stellenabbau treffen zu müssen. Bei Lanxess, die sich vor Jahren schon von Bayer getrennt haben, sind die Probleme anderer Natur und haben dem Chef Axel Heitmann den Job gekostet.

Erfolgsstory Osram

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Der Börsenstart ist bei Osram mehr als gelungen. Gegenüber dem Börsendebüt vom Juli 2013 hat sich die Aktie verdoppelt und notiert aktuell am Allzeithoch. Investoren honorieren, dass Vorstandschef Wolfgang Dehen die neue Freiheit nutzt, um den Konzern energisch zu restrukturieren und so die Profitabilität deutlich zu erhöhen. Er reagiert auf den Umbruch in der Branche - weg von herkömmlicher Lichttechnik hin zu mehr LED-Technik. Dehen will bis Ende 2014 elf Fabriken schließen. Hingegen baut er für mehr als 100 Millionen Euro ein Werk in Wuxi (China), das im Juni in Betrieb gehen soll. Dort sollen LED-Chips in ihr Gehäuse eingebaut werden. Insgesamt soll der konzernweite Umsatzanteil LED-basiert Produkte von zuletzt 29 Prozent weiter ausgebaut werden.

Gleichzeitig hat Dehen hat das Kostensenkungsprogramm verschärft und will bis Ende 2014 rund 8700 Mitarbeiter abbauen. Die geplanten Einsparungen bis 2015 steigen damit um 200 Millionen Euro auf 1,2 Milliarden Euro. Wegen der Kostensenkungen soll die bereinigte operative Marge im laufenden Geschäftsjahr von 7,7 Prozent auf mehr als acht Prozent zulegen. Da zudem die Ausgaben für den Konzernumbau gegenüber 2013 deutlich zurückgehen werden, soll der Gewinn unterm Strich "stark steigen".

Geschäftszahlen bestätigen Osram-Kurs

Das belegen auch die veröffentlichten Unternehmensergebnisse zum ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres. Der bereinigte Gewinn stieg um 14 Prozent auf 123 Millionen Euro und übertraf damit auch die Erwartungen der Analysten. Allerdings ging der Umsatz wegen des starken Euros um zwei Prozent auf 1,33 Milliarden Euro zurück, was etwas unterhalb der Analystenprognosen lag. Keine Überraschung gab es dagegen bei den Prognosen von Osram für das gesamte Geschäftsjahr, hier bleiben alle Ziele fest im Blick. An der guten Geschäftsentwicklung will der Firmenlenker Anleger auch teilhaben lassen. Sie sollen ab dem laufenden Geschäftsjahr 30 bis 50 Prozent des Gewinns als Dividende erhalten.

Das Umfeld für Osram bleibt allerdings herausfordernd, nicht zuletzt weil harte Konkurrenten aus Japan wegen der Abwertung des Yen deutlich wettbewerbsfähiger geworden sind. Investoren setzen dennoch darauf, dass sich Osram trotz des schwierigen Umfelds behaupten wird. Die Aktie liegt nach den Zahlen zeitweise mehr als sechs Prozent im Plus.

Lanxess vor Umbau

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Wesentlich trüber schätzen Anleger hingegen die Perspektiven von Lanxess ein. Dabei waren die vergangenen Jahre nach der Abspaltung von Bayer ebenfalls erfolgreich. Im Jahre 2012 stieg Lanxess erst in den Dax auf, war aber im vergangenen Jahr bereits einer der schwächsten Performer im Leitindex. Anfang 2014 hat sich der Abwärtstrend fortgesetzt und der Aufsichtsrat zog die Reißleine. Der langjährige Chef Axel Heitmann wird Ende Februar seinen Hut nehmen müssen, Nachfolger wird der frühere Finanzvorstand von Lanxess und jetzige Merck-Finanzvorstand Matthias Zachert. Auf ihn wartet viel Arbeit, leidet doch der Spezialchemiekonzern darunter, dass die schwache Nachfrage aus der Auto- und Reifenbranche die Preise für synthetischen Kautschuk deutlich gedrückt hat. Zuletzt haben die Analysten von JP Morgan deshalb ihr Kursziel von 37 Euro auf 28 Euro gesenkt und erklärt, neue Wettbewerber könnten für Preisdruck sorgen und den Marktanteil von Lanxess drücken.

Zu viel Automobilgeschäft

Die Abhängigkeit von der Automobilbranche ist sehr groß und die anderen Geschäftsbereiche können die Schwäche dort bei Weitem nicht kompensieren. So soll 2013 der bereinigte operative Gewinn von 1,2 Milliarden Euro auf 710 bis 760 Millionen Euro zurückgegangen sein. Bisher hat Lanxess versucht, die Krise überwiegend durch Kostensenkungen in den Griff zu bekommen. Heitmann hatte noch ein Kostensenkungsprogramm aufgelegt, mit dem ab 2015 pro Jahr rund 100 Millionen Euro eingespart werden sollen. Für das laufende Jahr hat er noch einen Gewinnanstieg in Aussicht gestellt. Analysten rechnen daher mit einem Gewinnplus für Lanxess, allerdings liegt das erwartete Ergebnis deutlich unter dem Niveau früherer Jahre. Es bedarf wohl weiterer Umstellungen, um an die Erfolge aus der Zeit direkt nach dem Börsengang anzuknüpfen. Eine Zeitspanne die Osram-Aktionäre wohl noch eine Weile genießen können.

Quelle: n-tv.de